Nikolaj Arcel

Die Wahrheit über Männer

Mads (Thure Lindhardt) mit Marie (Tuva Novotny), der bisherigen Frau seines Lebens. Foto: Camino Filmverleih

(Kinostart: 18.10.) Im Vergleich zu Frauen-Nöten kommen Lebens-Krisen von Männern eher selten im Kino vor. Regisseur Nikolaj Arcel schlägt in seiner dänischen Tragikomödie aus männlichem Weltschmerz viele geistreiche Funken.

Eigentlich müsste Mads (Thure Lindhardt) glücklich sein: Er hat einen tollen Job als Drehbuch-Autor, lebt seit Jahren mit der schönen Marie (Tuva Novotny) zusammen, die ihn über alles liebt, und ist soeben gemeinsam mit ihr in ein wirklich hübsches Haus eingezogen.

 

Info

Die Wahrheit über Männer – eine anti-romantische Komödie

 

Regie: Nikolaj Arcel, 91 min., Dänemark 2010;
mit: Thure Lindhardt, Tuva Novotny, Rosalinde Mynster

 

Website zum Film

Doch bei der Einweihungs-Party packen den 34-Jährigen Zweifel: Will er das wirklich? Mit Marie im Eigenheim sitzen, während die Singles aus seinem Freundeskreis abends munter um die Häuser ziehen? Nein – Mads will auch ein aufregendes Leben führen!

 

Warten auf Jahrhundert-Inspiration

 

Er verlässt Marie, kündigt seinen Job, der für ihn zur Routine geworden ist, und bezieht eine heruntergekommene Altbau-Wohnung. Dann setzt er sich vor seinen Laptop und wartet auf die Inspiration für das Drehbuch des Jahrhunderts.


Offizieller Film-Trailer


 

Die kommt natürlich nicht; stattdessen stürzt sich Mads in etliche Affären, die sich als Fehlschläge entpuppen. Endlich trifft er seine große Liebe: Die 19-jährige Julie (Rosalinde Mynster) ist aufregend, sexy und sprudelt nur so vor kreativen Ideen. Allerdings hält sie es mit Mads nicht lange aus; er bleibt am Boden zerstört zurück und fällt nun erst recht in eine tiefe Lebenskrise.

 

Zwei Silberne Bären auf Berlinale 2012

 

Der dänische Regisseur Nikolaj Arcel startete seine Laufbahn als Drehbuch-Autor und schrieb unter anderem das Skript für die Verfilmung des Stieg-Larsson-Romans «Verblendung». In Deutschland wurde er mit der diesjährigen Berlinale bekannt: Sein Beitrag «Die Königin und ihr Leibarzt» erhielt ebenso einen Silbernen Bären wie Hauptdarsteller Mikkel Boe Følsgaard.

 

Ein Glück für das hiesige Kino: Andernfalls hätte Arcels schon zwei Jahre alter Film «Die Wahrheit über Männer» womöglich keinen deutschen Verleih gefunden, was sehr schade wäre. Solche sowohl geistreichen als auch lebensnahen Komödien sind hierzulande rar und müssen importiert werden.

 

Doppelbödige Schema-F-Wiederholung

 

Diese Geschichte männlicher Selbstsuche macht vor allem ihr doppelter Boden interessant, den der gewiefte Drehbuch-Autor darin eingezogen hat; er verfasste die Story mit seinem Kollegen Rasmus Heisterberg. Zu Beginn erläutert Hauptfigur Mads, der manche Film-Passagen als Erzähler begleitet, die Grundregeln des Drehbuchschreibens – wobei er klarstellt, warum sein Job ihn unerträglich langweilt.

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „Medianeras“ von Gustavo Taretto über argentinische Singles auf Partnersuche

 

und hier einen Beitrag über den Film „Die Königin und der Leibarzt“ von Nikolaj Arcel, Gewinner des Silbernen Bären 2012.

In seiner vermeintlich so kreativen Arbeit bedient Mads nur mechanisch ein Schema F, das stets nach demselben Muster abläuft: Ereignis, Wendepunkt, Auflösung. Mit Vergnügen bemerkt der Zuschauer, dass auch dieser Film nach dem gleichen Schema abläuft – immer wieder erkennt man stereotype Elemente wieder, die Mads in seiner kurzen Einführung in seinen Beruf aufgezählt hat.

 

Sein Leben als Drehbuch denken

 

Andererseits kann Mads auch in seinem eigenen Leben nicht anders, als in Drehbuch-Strukturen zu denken: Er imaginiert Wendepunkte in Momenten, in denen sie nach Lehrbuch-Regeln geschehen müssten, aber tatsächlich das Leben so unspektakulär weitergeht wie zuvor.

 

Stattdessen treten echte Wendepunkte ein, ohne dass Mads sie überhaupt registriert, weil er nicht mit ihnen gerechnet hat. So ist «Die Wahrheit über Männer» zum großen Teil ein Film darüber, wie trügerisch doch jede Erwartung an das Leben ist – und zeigt, wie überraschend komisch es sein kann, wenn sie enttäuscht wird.


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