Walter Salles

On The Road – Unterwegs

Marylou (Kirsten Stewart) macht sich lang. Foto: © 2012 Concorde Filmverleih GmbH

(Kinostart: 4.10.) Mehr als 50 Jahre nach der Erstveröffentlichung von Jack Kerouacs Beatnik-Roman „On The Road – Unterwegs“ hat ihn Regisseur Walter Salles verfilmt – als lebendiges und einfühlsames Roadmovie.

Schriftsteller Sal Paradise ist deprimiert: Seit dem Tod seines Vaters leidet der junge Mann unter einer Schreibblockade, sitzt wie betäubt zuhause, hat Lebenslust und Kreativität verloren. Doch dann lernt er den faszinierenden Lebemann Dean Moriarty (Garrett Hedlund) kennen. Die beiden machen sich auf den Weg gen Westen Richtung Abenteuer; sie sind schlichtweg „on the road“. Eine wilde, mitreißende Fahrt quer durch die USA beginnt.

 

Info

On The Road

 

Regie: Walter Salles, 137 min., Frankreich/Brasilien 2012;
mit: Sam Riley, Viggo Mortensen, Kirsten Dunst, Garrett Hedlund

 

Website zum Film

Junge Schriftsteller wie Jack Kerouac, William S. Burroughs, Neal Cassady und Allen Ginsberg prägen Ende der 1950er Jahre einen neuen Literatur- und Lebenstil. Die Nachkriegs-Jugend experimentiert mit Drogen, begehrt gegen Zensur und strenge Moralvorstellungen auf, versucht sich in freier Liebe, tanzt zu Cool Jazz und Bebop. Wenig später werden die Beatniks zu Wegbereitern der Hippies, die in den 1970er Jahren die Straßen der Welt bevölkern. Die Literatur der beat generation steht noch heute für Aufbruch, Sehnsucht und unbändige Lebenslust.

 

Kerouac wollte Verfilmung mit Marlon Brando

 

In „On The Road – Unterwegs“ kommen sie alle vor: Kerouac selbst als Sal Paradise, Neal Cassady wird zu Dean Moriatry, William S. Burroughs liefert die Vorlage für Old Bull Lee. Kerouacs autobiographisch gefärbter Roman von 1957 galt lange als unverfilmbar, obwohl er selbst sich zu Lebzeiten in der Hauptrolle als Sal vorstellte – in einem Film mit Marlon Brando, dem er die Rolle von Dean anvertraut hätte.


Offizieller Filmtrailer


 

Acht Jahre Vorarbeit + Recherchen

 

In der Verfilmung von Walter Salles werden Dean von Garrett Hedlund und Sal von Sam Riley gespielt: Beide Rollen sind großartig besetzt. Ihre Seelenverwandtschaft und tiefe Zuneigung wird berührend und spannend dargestellt. Amy Adams, Kirsten Dunst und der wunderbare Viggo Mortensen als Old Bull Lee vervollständigen das hochkarätige Ensemble. Deutlich werden acht Jahre Vorarbeit und Recherchen, die Regisseur Walter Salles in dieses Projekt steckte, bis er mit den Dreharbeiten begann.

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung der Doku William S. Burroughs:
A Man Within
von Yony Leyser

 

und hier einen kultiversum-Beitrag zum Film
Howl – Das Geheul über das gleichnamige Poem von Allen Ginsberg.

Bewegung, Energie und Musik sind die treibenden Kräfte des Films: Sie fangen nicht nur damalige Lebensgefühl mit Leichtigkeit ein, sondern erzählen auch von der atemlosen Getriebenheit der Künstler, die sich am Leben aufreiben und buchstäblich verzehren. Diese verzweifelte Suche nach Glück, Liebe, Lebenssinn und Ausdruck der eigenen Persönlichkeit wirkt auch heute, mehr als 50 Jahre nach dem Erscheinen des Romans, aktuell und nachvollziehbar.

 

Der Weg ist das Ziel 

 

Wie schon in „Die Reise des jungen Che“ (2004) gelingt es dem Brasilianer Salles, als Regisseur einen Erzählrhythmus zu finden, der den Zuschauer mitreißt. Er weckt Sehnsüchte nach Freiheit, Reisen und Grenzerfahrungen: Der Weg ist das Ziel. Dabei bleibt seine Inszenierung der fiebrigen Sinn-Suche von Kerouacs maßlosen Protagonisten verständnisvoll und einfühlsam.

 

Ganz im Sinn Jack Kerouacs, der im Roman schrieb: «Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten, die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen, die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.»


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