Oliver Stone

Savages

Die Kiffer-Kumpels Chon und Ben in Halloween-Masken auf dem Kriegspfad. Foto: © Universal Pictures

(Kinostart: 11.10.) Der Polit-Freak unter US-Regisseuren knöpft sich den Drogenhandel vor: Friedliche Kiffer schlagen skrupellose Kokain-Killer. In einem klischeelastigen Action-Reißer, der linke Thesen als reaktionären Trash vorführt.

Oliver Stone tritt als letzter Querdenker von Hollywood auf: Unermüdlich greift er Stoffe auf, die man landläufig heiße Eisen nennt, und präsentiert seine alternative Version. Ob mit einer Verschwörungs-Theorie zur Ermordung von John F. Kennedy in «JFK» (1991), beißender Satire auf Gewalt-Verherrlichung in «Natural Born Killers» (1994) oder Kritik an der Geldgier von Finanz-Haien in «Wall Street» (1987) und «Wall Street 2» (2010): Stets schwimmt Stone gegen den Strom – glaubt er.

 

Info

Savages

 

Regie: Oliver Stone, 131 min., USA 2012;
mit: John Travolta, Salma Hayek, Benicio del Toro

 

Website zum Film

Mal wird daraus ein packendes Psychogramm der Macht wie in «Nixon» (1995), mal eine abseitige Lobes-Hymne auf Fidel Castro wie in «Comandante» (2003); in jedem Fall will Stone das Publikum aufschrecken und Debatten lostreten. Diesmal hat sich der bekennende Kiffer die Drogen-Mafia vorgenommen.

 

Welt ohne Grauzonen

 

In «Savages», der Verfilmung eines Krimis von Don Winslow, prallen friedfertige Marihuana-Züchter aus Kalifornien und skrupellose Kokain-Gangster aus Mexiko aufeinander. Wie Weiß und Schwarz, Tag und Nacht, Gut und Böse: Der Polit-Freak unter den US-Regisseuren kennt keine Grauzonen.


Offizieller Filmtrailer


 

Geliebte und Gras-Großhandel teilen

 

Der buddhistische Softie Ben (Aaron Johnson) und Ex-Söldner Chon (Taylor Kitsch) könnten gegensätzlicher kaum sein, sind aber trotzdem beste Kumpels. Sie teilen alles miteinander: die gemeinsame Geliebte Ophelia (Blake Lively) ebenso wie ihren Groß-Handel mit Gras – der sie zu millionenschweren Villen-Besitzern gemacht hat.

 

Das weckt die Begehrlichkeit von Elena Sanchez (Salma Hayek): Die Chefin des Kokain-Kartells lässt ihren Häscher Lado (Benicio del Toro) Ophelia kidnappen, um das Duo zu erpressen. Trotz Warnungen eines korrupten Drogen-Fahnders (John Travolta) geben die beiden nicht klein bei, sondern wehren sich. Der Rest ist genre-übliche Effekt-Hascherei: Eskalation der Drohgebärden, Schlagabtausch mit Super-Technik und showdown im Niemandsland.

 

Gut abgehangene Altkiffer-Botschaft

 

Wobei Stone diesen Kanon mit einer Lust an Klischees durchspielt, als wolle er Quentin Tarantino überbieten. Nach der ersten Notwehr wird Bedenkenträger Ben zur Kampfmaschine; Mafia-Patin Elena hat zwar einen Haufen Macho-Killer unter Kontrolle, doch nicht ihre zickige Tochter; und Scherge Lado könnte mit öliger Schmalz-Tolle seine Cowboy-Stiefel blank wienern.

 

Alles so überdreht wie abgedroschen – Trivia-Trash mit Weltstar-Besetzung im Hochglanz-Look. Das Problem dieses Films ist nicht seine gut abgehangene Altkiffer-Botschaft: Dope entspannt, macht sensibel und offen für freie Liebe ohne Eifersucht – während Koks seine Konsumenten aggressiv, gefühllos und größenwahnsinnig werden lässt.

 

Alle Stereotypen beliebiger Action-Reißer

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung der Doku „The Substance“ von Martin Witz über 70 Jahre LSD

 

und hier einen Beitrag  zur Ausstellung “Mythos Goldenes Dreieck” über das südostasiatische Opium-Anbaugebiet im Ethnologischen Museum, Berlin

 

und hier eine kultiversum-Kritik des Films „Wall Street 2: Geld schläft nicht“ von Oliver Stone.

Ebenso wenig die politische Position, die Stone vertritt: Die Vereinigten Staaten führen die falschen Kriege im Irak, in Afghanistan und gegen kalifornische Neo-Hippies, die nur in Ruhe ihre Joints durchziehen wollen – weil der militärisch-industrielle Komplex daran verdient und sich so an der Macht hält.

 

Sondern die Form, in der Stone seine Thesen verpackt: Indem er bedenkenlos alle Stereotypen bemüht, mit denen Hollywood jeden beliebigen Action-Reißer aufpeppt, reproduziert er deren holzschnittartige Moral. Der sich als Linker gebende Regisseur erweist sich als Rechthaber, dessen Weltbild keinen Deut differenzierter ausfällt als das der Tea-Party-Bewegung – und damit ebenso reaktionär.

 

Rappelnde Kiste lässt Rubel rollen

 

So kann das endlos weitergehen: Republikaner prangern Sündenböcke an, und Stone poltert dagegen. Zwei simpel gestrickte Ideologien beharken sich gegenseitig – Hauptsache, es rappelt in der Kiste und an der Kinokasse rollt der Rubel. Damit passt «Savages» prima zum american way of life – trotz vermeintlicher Fundamental-Opposition.


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