Darragh Byrne

Parked – Gestrandet

Zum Duschen und Fithalten ins öffentliche Schwimmbad: Fred (Colm Meaney) am Becken-Rand. Foto: Dualfilm Verleih

(Kinostart: 29.11.) Weder Problem-Drama noch Feelgood- oder Buddy-Movie: Ein obdachloser Dauerparker freundet sich mit einem Junkie an. Darüber dreht der irische Regisseur Darragh Byrne ein leises Kammerspiel mit dezenten Pointen.

Fred (Colm Meaney) ist Ende Fünfzig und aus England, wo er lange als Uhrmacher arbeitete, in seine Heimatstadt Dublin zurückgekehrt. Dort plagt den Arbeitslosen die zeitgenössische Variante des Hauptmann-von-Köpenick-Problems: Ohne festen Wohnsitz bekommt er keine Sozialhilfe – und ohne Stütze keine Wohnung.

 

Info

Parked – Gestrandet

 

Regie: Darragh Byrne, 95 min., Irland/ Finnland 2011;
 mit: Colm Meaney, Colin Morgan, Milka Ahlroth

 

Website zum Film

Also hat Fred seinen Mittelklasse-Mazda auf einem Parkplatz mit Meerblick abgestellt und sich darin eingerichtet. Als versierter Bastler stattet er das Auto mit häuslichem Komfort aus: vom Kosmetik-Spiegel für die tägliche Rasur bis zur Mini-Grünpflanze auf der Heck-Ablage.

 

Dauerparker als neuer Nachbar

 

Eines Tages entdeckt Fred einen anderen Dauerparker: Der junge Drogensüchtige Cathal (Colin Morgan) bewohnt einen quietschgelben Kleinwagen. Aus anfänglichem Misstrauen wird eine zaghafte Männer-Freundschaft: Cathal vermittelt Fred neue Lebensfreude.


Offizieller Filmtrailer


 

Damen-Bekanntschaft beim Aqua-Aerobic

 

Gemeinsam gehen sie ins Schwimmbad. Dort scheitert Fred zwar am Ein-Meter-Brett, lernt aber beim Aqua-Aerobic die verwitwete Musiklehrerin Jules (Milka Ahlroth) kennen. Beim Gospel-Gottesdienst in der Pfarrkirche treffen sie sich wieder. Bald sitzen Fred und Cathal bei Tee und Keksen in Jules Wohnzimmer.

 

Zudem hilft ein Sozialarbeiter Fred, indem er mit einer Zeitungs-Reportage Druck auf engstirnige Verwaltungs-Beamte ausübt. Bevor der Film aber einen allzu geradlinigen «Es geht wieder aufwärts»-Kurs nimmt, schlägt das Schicksal überraschend zu.

 

15 Prozent Arbeitslosigkeit in Irland

 

In Gestalt eines Dealers, der bei Cathal mit äußerster Brutalität Schulden eintreiben will. Der verzweifelte Junkie findet keine Zuflucht mehr. Zudem entscheidet sich die Exil-Finnin Jules, in ihre Heimat zurückzukehren  – wie zuvor Fred selbst. Wenigstens gelingt ihm nun der Sprung vom Ein-Meter-Brett ins Becken.

 

Seine missliche Lage teilen viele Landsleute. Irland hat seine Talfahrt nach der Finanz-Krise noch nicht überwunden: Die Arbeitslosen-Quote liegt bei fast 15 Prozent und damit so hoch wie seit 18 Jahren nicht mehr. Sozial-Leistungen sind schmal bemessen; etliche Betroffene rutschen in die Obdachlosigkeit ab.

 

Kein Remake von «Ziemlich beste Freunde»

 

Hintergrund

Weitere Informationen finden Sie in der Presseschau
bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung der britischen Sozial-Komödie
The Angels‘ Share –
Ein Schluck für die Engel
“ von Regie-Altmeister Ken Loach

 

sowie eine Rezension des Films „The Company Men“ über US-Arbeitslose mit Ben Affleck und Tommy Lee Jones.

Darüber macht Regisseur Darragh Byrne weder ein Problem-Drama noch einen penetrant optimistischen feelgood oder buddy movie, sondern ein leises Kammerspiel mit dezent eingestreuten Pointen. Byrne dreht seit 20 Jahren Dokumentar-Filme, was seine schnörkellos sachliche Bildsprache erklären dürfte.

 

Wolkenverhangene Freiluft-Aufnahmen vor der rauen See bieten beiden Hauptdarstellern viel Raum. Den verwandeln sie aber nicht in ein irisches Remake von «Ziemlich beste Freunde», sondern nutzen ihn für differenzierte Charakter-Zeichnung. Trotz ihrer Annäherung trennen den bärbeißig disziplinierten Fred und den sorglos leichtlebigen Cathal eine Kluft, die sie nur zeitweise überbrücken können.

 

Manches gelingt, anderes nicht

 

Nüchterner Realismus auch in der Auflösung: Es ist leichter, vorschriftengläubigen Bürokraten eine Wohnung abzuringen, als ein einsames Herz zu gewinnen. Manches gelingt, anderes nicht, und weitermachen muss man trotzdem: wie alle Bewohner der immergrünen, doch von einer tiefen Wirtschafts-Krise heimgesuchten Insel.


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