Köln

Glanz der Kaiser von China – Kunst und Leben in der Verbotenen Stadt

Hongli, der Qianlong-Kaiser in Han-chinesischem Gewand. Foto: Museum für Ostasiatische Kunst, Köln

Kaiser als buddhistischer «Boddhisattva»

 

Der Titel «Zehntausend Staaten zollen dem Kaiser Tribut» sagt eigentlich alles: Vor einem Tor zum inneren Palast-Bezirk versammeln sich zahllose Gesandte, um dem Monarchen während der Neujahrs-Feierlichkeiten Geschenke zu überreichen. Neben Vertretern asiatischer Länder von Tibet bis Thailand sind auch solche europäischer Nationen wie Holland, Frankreich und Großbritannien an ihrer Kleidung zu erkennen.

 

Auch auf spirituellem Gebiet demonstrierten die Kaiser ihren universalen Herrschafts-Anspruch, indem sie alle Religionen in ihrem Reich zugleich praktizierten oder zumindest duldeten: Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus. Den förderte Kaiser Qianlong besonders, um die tibetischen Völker im Westen zu befrieden; ein Rollbild zeigt ihn als «Boddhisattva», also als «Erleuchteten», dessen Regentschaft segensreich wirkt.

 

Jagd-Thron aus Hirschgeweih

 

Ein eineinhalb Meter hoher, buddhistischer Reliquien-Schrein – Stupa genannt – und ein Mandala als Symbol religiöser Weltvorstellung, deren vergoldete Bronze reich mit Edelsteinen und Emaille verziert sind, zählen zu den Prunkstücken der Schau. Zugleich huldigten die Mandschu-Herrscher dem Schamanismus ihrer Vorfahren: Schlichte Stoffpuppen und Klappern, die dafür verwendet wurden, veranschaulichen das kulturelle Gefälle zwischen ihrer und der chinesischen Zivilisation.

 

Alter Mandschu-Tradition entsprach auch die Freude am Jagen. Dem frönten die Kaiser mit politischen Absichten, indem sie Vasallen-Fürsten und ihre Untertanen dazu einluden. Jagd-Gesellschaften mit bis zu 12.000 Teilnehmern ähnelten militärischen Expeditionen und bewiesen die Schlagkraft der vereinigten Heere. Dabei benutzten die Herrscher spezielle Prunk-Waffen und -Sättel; sogar ein transportabler Thron aus Hirschgeweih ist zu sehen.

 

Hohe Hof-Posten für Jesuiten-Missionare

 

Obwohl dieser Kosmos aus heutiger Sicht fremdartig und starr hierarchisch wirkt, riegelte sich China in dieser Epoche keineswegs gegen westliche Einflüsse ab. Im Gegenteil: Jesuiten-Missionare bekleideten hohe Posten am kaiserlichen Hof. Der war allerdings kaum an christlichen Botschaften interessiert; stattdessen schätzte man naturwissenschaftliche und technische Kenntnisse der Europäer.    

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine Besprechung der Ausstellung "Architecture China – 
The 100 Contemporary Projects
" über aktuelle Bau-Stile in China in den Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim

 

und hier eine Rezension der Ausstellung "Der chinesische Lustgarten" mit klassischer Erotica im Museum für Asiatische Kunst, Berlin-Dahlem

 

und hier einen Beitrag über die Ausstellung "Menschen und Götter – Figurenmalerei in China", ebenso im Museum für Asiatische Kunst, Berlin-Dahlem.

Der gebürtige Kölner Adam Schall von Bell berechnete den chinesischen Kalender neu. Er wurde 1644 zum Hof-Astronomen ernannt; seine Nachfolger waren ebenfalls Jesuiten. Der Laienbruder Giuseppe Castiglione stieg Anfang des 18. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Hof-Maler auf; er machte seine Kollegen mit Zentral-Perspektive und Schattierungen vertraut.

 

Harmonie als Schlüsselwort

 

Nun entstand eine Synthese aus europäischer und heimischer Malerei: Castiglione fertigte Komposition und Gesichter an, chinesische Maler die Landschaften und Gewänder. Andere Jesuiten waren als Uhrmacher tätig, bauten die erste Glashütte in China auf oder führten neue Techniken der Porzellan-Bemalung ein. Die Schau präsentiert etliche Beispiele dieser west-östlichen Zusammenarbeit im Kunsthandwerk, die sich harmonisch ergänzte.

 

«Harmonie» ist ohnehin das Schlüsselwort dieser Ausstellung: Es scheint, als würde diesen Begriff jedes zweite Palast-Gebäude und Tusche-Bild im Namen tragen oder darstellen. Woran sich ablesen lässt, wie stark Denkmuster aus feudalistischer Zeit bis heute in China nachwirken: Nachdem sich der Marxismus-Leninismus als Ideologie erschöpft hat, proklamiert die regierende KP seit Jahren als Ziel ihrer Politik eine «harmonische Gesellschaft».


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