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Thron in der Halle Himmlischer Reinheit (Qianqing gong), die innerhalb des inneren Palastbezirks die höchste Halle darstellt. Foto: Museum für Ostasiatische Kunst, Köln

Glanz der Kaiser von China – Kunst und Leben in der Verbotenen Stadt


Die Verbotene Stadt beherbergt eine der größten Kunst-Sammlungen der Welt. 200 Meisterwerke sind nun im Museum für Ostasiatische Kunst zu sehen: Sie zeigen die Pracht einer fremdartigen Kultur – und überraschen mit Einflüssen aus Europa.


Fast 500 Jahre lang durfte kein Normalsterblicher die «Verbotene Stadt» betreten und damit eine der weltweit größten Kunst-Sammlungen kennen lernen: Die Palast-Anlage der chinesischen Kaiser in Beijing beherbergt 1,8 Millionen Kunstwerke. Ein erster Eindruck vom unschätzbaren Reichtum dieser Kollektion ist nun auch hierzulande möglich.

 

Info

Glanz der Kaiser von China – Kunst und Leben in der Verbotenen Stadt

 

20.10.2012 - 20.01.2013
täglich außer montags
10-17 Uhr; am ersten Donnerstag im Monat bis 22 Uhr im Museum für Ostasiatische Kunst, Universitätsstraße 100, Köln

 

Katalog 34,90 €

 

Weitere Informationen

Aus Anlass eines Doppel-Jubiläums – 40 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen China und Deutschland sowie 25 Jahre Städtepartnerschaft von Beijing mit Köln – zeigt das Museum für Ostasiatische Kunst rund 200 Leihgaben in 90 Objekt-Gruppen: ausnahmslos erlesene Spitzen-Stücke. Sie vermitteln einen umfassenden Überblick über das prachtvolle und streng reglementierte Hof-Leben in der kaiserlichen Residenz.

 

Anlage mit 9000 Räumen

 

Anfang des 15. Jahrhunderts machte die Ming-Dynastie Beijing zur Hauptstadt Chinas und legte dort bis 1420 die Verbotene Stadt an: Der südliche Teil diente Regierungsgeschäften und offiziellen Zeremonien, nördlich davon lag der Wohnbezirk von Kaiser-Familie und Hof-Staat. Spätere wurde die Anlage weiter ausgebaut: Ihre um eine zentrale Achse gestaffelten Gebäude und Hallen sollen insgesamt 9000 Räume enthalten.


Interview mit Museums-Direktorin Adele Schlombs + Impressionen der Ausstellung

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Blütezeit auf dem Höhepunkt von Chinas Macht

 

1644 wurde die Ming-Dynastie vom Reitervolk der Mandschu gestürzt; sie begründeten die Qing-Dynastie bis zum Ende der Monarchie 1911. Unter den Kaisern Kangxi, Yongzheng und Qianlong erlebte das Reich der Mitte von Mitte des 17. bis Ende des 18. Jahrhunderts seine größte territoriale Ausdehnung; es war auf dem Höhepunkt seiner Macht. Aus dieser Blütezeit stammen die meisten gezeigten Exponate.

 

Die Mandschu hatten ein Reich erobert, dessen Kultur ihrer eigenen weit überlegen war. Dem passten sie sich an, indem sie die chinesische Zivil-Verwaltung mit ihrem ausgefeilten System von Prüfungen für angehende Beamte übernahmen: So sicherten sie sich die Loyalität der Han-chinesischen Bevölkerung und ihrer konfuzianisch gebildeten Elite.

 

Alles dreht sich um den Kaiser

 

Die Herrscher ließen sich häufig selbst als Gelehrte darstellen, die klassische Schriften oder Kunstwerke studieren. Das diente ihrer Legitimation: Wer die Palast-Sammlung besaß und zu schätzen wusste, dem kam das «Mandat des Himmels» zu, Chinas kulturelles Erbe zu kontrollieren.

 

Fast alle der oft meterhohen Hängebilder zeigen den Kaiser und seine engsten Familien-Mitglieder. Ob überlebensgroß in Frontal-Ansicht für die traditionelle Ahnen-Verehrung oder inmitten von Landschaften, umringt von seinen Angehörigen und Hunderten weiterer Figuren – alles dreht sich um seine Hoheit. Saß er auf dem Thron, hüllten ihn Räucher-Gefäße in Duft-Wolken ein, um die Distanz zu gewöhnlichen Sterblichen zu betonen.

 

«Sohn des Himmels» im Zentrum der Welt

 

Als «Sohn des Himmels» mit gottgleichem Status verfügte er über absolute Macht. Auf ihn war die gesamte Gesellschafts-Ordnung zugeschnitten; sein Reich galt als das Zentrum der Welt. Das wird bereits zum Auftakt der Ausstellung auf einem Monumental-Panorama deutlich.

 

Kaiser als buddhistischer «Boddhisattva»

 

Der Titel «Zehntausend Staaten zollen dem Kaiser Tribut» sagt eigentlich alles: Vor einem Tor zum inneren Palast-Bezirk versammeln sich zahllose Gesandte, um dem Monarchen während der Neujahrs-Feierlichkeiten Geschenke zu überreichen. Neben Vertretern asiatischer Länder von Tibet bis Thailand sind auch solche europäischer Nationen wie Holland, Frankreich und Großbritannien an ihrer Kleidung zu erkennen.

 

Auch auf spirituellem Gebiet demonstrierten die Kaiser ihren universalen Herrschafts-Anspruch, indem sie alle Religionen in ihrem Reich zugleich praktizierten oder zumindest duldeten: Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus. Den förderte Kaiser Qianlong besonders, um die tibetischen Völker im Westen zu befrieden; ein Rollbild zeigt ihn als «Boddhisattva», also als «Erleuchteten», dessen Regentschaft segensreich wirkt.

 

Jagd-Thron aus Hirschgeweih

 

Ein eineinhalb Meter hoher, buddhistischer Reliquien-Schrein – Stupa genannt – und ein Mandala als Symbol religiöser Weltvorstellung, deren vergoldete Bronze reich mit Edelsteinen und Emaille verziert sind, zählen zu den Prunkstücken der Schau. Zugleich huldigten die Mandschu-Herrscher dem Schamanismus ihrer Vorfahren: Schlichte Stoffpuppen und Klappern, die dafür verwendet wurden, veranschaulichen das kulturelle Gefälle zwischen ihrer und der chinesischen Zivilisation.

 

Alter Mandschu-Tradition entsprach auch die Freude am Jagen. Dem frönten die Kaiser mit politischen Absichten, indem sie Vasallen-Fürsten und ihre Untertanen dazu einluden. Jagd-Gesellschaften mit bis zu 12.000 Teilnehmern ähnelten militärischen Expeditionen und bewiesen die Schlagkraft der vereinigten Heere. Dabei benutzten die Herrscher spezielle Prunk-Waffen und -Sättel; sogar ein transportabler Thron aus Hirschgeweih ist zu sehen.

 

Hohe Hof-Posten für Jesuiten-Missionare

 

Obwohl dieser Kosmos aus heutiger Sicht fremdartig und starr hierarchisch wirkt, riegelte sich China in dieser Epoche keineswegs gegen westliche Einflüsse ab. Im Gegenteil: Jesuiten-Missionare bekleideten hohe Posten am kaiserlichen Hof. Der war allerdings kaum an christlichen Botschaften interessiert; stattdessen schätzte man naturwissenschaftliche und technische Kenntnisse der Europäer.    

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine Besprechung der Ausstellung "Architecture China – 
The 100 Contemporary Projects
" über aktuelle Bau-Stile in China in den Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim

 

und hier eine Rezension der Ausstellung "Der chinesische Lustgarten" mit klassischer Erotica im Museum für Asiatische Kunst, Berlin-Dahlem

 

und hier einen Beitrag über die Ausstellung "Menschen und Götter – Figurenmalerei in China", ebenso im Museum für Asiatische Kunst, Berlin-Dahlem.

Der gebürtige Kölner Adam Schall von Bell berechnete den chinesischen Kalender neu. Er wurde 1644 zum Hof-Astronomen ernannt; seine Nachfolger waren ebenfalls Jesuiten. Der Laienbruder Giuseppe Castiglione stieg Anfang des 18. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Hof-Maler auf; er machte seine Kollegen mit Zentral-Perspektive und Schattierungen vertraut.

 

Harmonie als Schlüsselwort

 

Nun entstand eine Synthese aus europäischer und heimischer Malerei: Castiglione fertigte Komposition und Gesichter an, chinesische Maler die Landschaften und Gewänder. Andere Jesuiten waren als Uhrmacher tätig, bauten die erste Glashütte in China auf oder führten neue Techniken der Porzellan-Bemalung ein. Die Schau präsentiert etliche Beispiele dieser west-östlichen Zusammenarbeit im Kunsthandwerk, die sich harmonisch ergänzte.

 

«Harmonie» ist ohnehin das Schlüsselwort dieser Ausstellung: Es scheint, als würde diesen Begriff jedes zweite Palast-Gebäude und Tusche-Bild im Namen tragen oder darstellen. Woran sich ablesen lässt, wie stark Denkmuster aus feudalistischer Zeit bis heute in China nachwirken: Nachdem sich der Marxismus-Leninismus als Ideologie erschöpft hat, proklamiert die regierende KP seit Jahren als Ziel ihrer Politik eine «harmonische Gesellschaft».



Von Wibke Weishaupt, veröffentlicht am 21.12.2012





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