Wuppertal

Peter Paul Rubens

Peter Paul Rubens: Abraham und Melchisedek, um 1615-18. Foto: Von der Heydt-Museum

Rubens ohne Rubensfrauen: Viele seiner überbordenden Gemälde spielen auf zeitgenössische Ereignisse an. Eine faszinierende Ausstellung im Von der Heydt-Museum zeigt den Barock-Maler als eminent politischen Künstler und Spitzen-Diplomaten.

Peter Paul Rubens (1577 – 1640) lässt keinen Kunstfreund kalt. Die einen können sich am prächtigen Kolorit seiner lebensprallen Körper-Kompositionen kaum satt sehen. Andere schmähen das überbordende Getümmel von verschlungenen Gliedern und stürzenden Leibern als «Fleischsalat». Wie man ihn auch sieht: An Rubens kommt keiner vorbei.

 

Info

Peter Paul Rubens

 

16.10.2012 – 28.02.2013
täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags bis 20 Uhr, am Wochenende ab 10 Uhr im Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, Wuppertal

 

Katalog 25 €

 

Website zur Ausstellung

Er war der erfolgreichste und produktivste Künstler des Barock: Rund 1400 Gemälde und Ölskizzen sind von ihm bekannt. Die meisten bedeutenden Museen und Galerien nennen ein oder mehrere Werke von Rubens ihr eigen – eine flächendeckende Markt-Durchdringung, die ihresgleichen sucht.

 

Werkstatt mit 100 Gehilfen

 

Dieses riesige Œuvre schuf der Flame mit proto-industrieller Arbeitsteilung: Er beschäftigte in seiner Werkstatt bis zu 100 Mitarbeiter. Meist lieferte Rubens die Entwürfe, die seine Gehilfen auf Leinwände übertragen und ausmalen mussten; er selbst setzte nur malerische Akzente und Glanzlichter.


Impressionen der Ausstellung


 

Thema mit Nebenwerken + Skizzen veranschaulicht

 

Mit dieser Fließband-Produktion konnte er fast alle Genres liefern: Porträts, mythologische und historische Szenen, religiöse Motive, Jagd-Bilder und Landschaften. Dabei wird ein Aspekt leicht übersehen, den nun die Ausstellung im Von der Heydt-Museum betont: der politisch denkende Künstler, der mit Gemälden das Tages-Geschehen kommentierte – und tatkräftig einzugreifen versuchte wie kein anderer barocker Künstler.

 

Durch diesen thematischen Ansatz gleicht das Museum aus, dass es praktisch keine Arbeiten des Malers besitzt. Seine monumentalen Hauptwerke sind weltweit verstreut und werden kaum ausgeliehen. Doch Rubens’ politische Ansichten und Aktivitäten lassen sich auch mithilfe von Nebenwerken und Entwürfen veranschaulichen: insgesamt 48 Gemälden, davon etwa die Hälfte Ölskizzen, und 39 graphischen Arbeiten.

 

Familie flieht vor Religions-Streit

 

Rubens war ein Kind der Religions-Streitigkeiten und -Kriege seiner Zeit. Er wurde 1577 in Siegen geboren und verbrachte seine Kindheit in Köln: Die wohlhabende Familie war aus Antwerpen geflohen, weil der Vater verdächtigt wurde, Calvinist zu sein. Nach dessen Tod kehrte die wieder zum Katholizismus konvertierte Familie 1589 dorthin zurück.

 

Acht Jahre zuvor hatten sich die nördlichen, protestantischen Niederlande von der spanischen Krone losgesagt, die weiterhin die südlichen Niederlande beherrschte: das heutige Belgien. Truppen der protestantischen Generalstaaten kontrollierten die Mündung des Schelde-Flusses und schnitten damit Antwerpen vom Meer ab. Die zuvor blühende Handelsstadt verarmte.

 

Als Hofmaler zum spanischen König entsandt

 

Wohl deshalb reiste der 23-jährige Rubens – nach seiner Ausbildung bei lokalen Malern – im Jahr 1600 nach Italien. Dort feierte er rasch erste Erfolge: Der Herzog von Mantua ernannte ihn zum Hofmaler und betraute ihn mit einer Mission zum spanischen König in Madrid. Doch sein Stil war noch stark an Tizian und der venezianischen Maltradition orientiert, wie die Schau in der zweiten von acht Stationen deutlich macht: etwa mit seiner Kopie eines Tizian-Porträts von Kaiser Karl V.

 

1608 kehrte Rubens nach Antwerpen zurück. Zur rechten Zeit: Kurz darauf vereinbarten beide Teile der Niederlande einen zwölfjährigen Waffenstillstand. Die Stadt erholte sich; reiche Bürger kauften wieder mehr Kunst. Zudem erhob das Erzherzogs-Paar Albrecht und Isabella ebenfalls Rubens zum Hofmaler.

 


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