Wuppertal

Peter Paul Rubens

Peter Paul Rubens: Dianas Heimkehr von der Jagd, um 1616. Foto: Von der Heydt-Museum

Stadtpalast mit zwei Trakten für Künstler-Unternehmer

 

Er belieferte sie mit Porträts, Allegorien zur Verherrlichung der Habsburger und Altarbildern für ihr ehrgeiziges Kirchen-Bauprogramm – womit er zu einem der wichtigsten Bild-Propagandisten der katholischen Gegenreformation wurde. Etwa mit der Innenausstattung der Jesuitenkirche in Antwerpen: Dafür schuf Rubens allein 39 Decken-Gemälde. Sie verbrannten hundert Jahre später. Doch zwei Entwurfs-Skizzen in der Schau geben einen Eindruck von ihren kühnen Untersicht-Perspektiven.

 

Solche Groß-Aufträge erlaubten Rubens, einen repräsentativen Stadtpalast mit zwei Trakten zu erwerben, der als Auftakt der Ausstellung nachgestellt wird. Hier richtete er seine Werkstatt ein: ein Künstler-Unternehmer, der mit führenden Humanisten verkehrte und Herrscher-Häusern in ganz Europa korrespondierte. Wie er sich selbst darstellte, zeigt der Bericht eines Besuchers von 1621: Rubens empfing und sprach mit ihm, während er gleichzeitig pinselte, sich aus einer Tacitus-Schrift vorlesen ließ und einen Brief diktierte.

 

Hirst oder Koons als UN-Sonderbotschafter

 

Kein Wunder, dass der hoch gebildete und geachtete Malerfürst auch als diplomatischer Gesandter eingesetzt wurde: Im Auftrag von Erzherzogin Isabella und der spanischen Krone verhandelte er mehrfach mit den protestantischen Niederlanden und England. Auch in Paris war er aktiv, wo er für Maria de Medici einen ganzen Bilder-Zyklus zur Ausschmückung ihres Palais du Luxembourg anfertigte.

 

Auf die Gegenwart übertragen, hieße dies: Damien Hirst oder Jeff Koons würden als UN-Sonderbotschafter zwischen den Bürgerkriegs-Parteien in Syrien vermitteln und unterdessen noch einen Groß-Auftrag in Dubai abwickeln – undenkbar! Doch in der feudalen Fürsten- und Patrizier-Welt des 16. Jahrhunderts konnte ein bestens vernetzter Künstler nebenher auch Staatsgeschäfte mit erledigen.

 

Ruben vermittelt englisch-spanischen Frieden

 

Seinen größten Erfolg in der hohen Politik erlebte Rubens 1630: Durch seine Fürsprache schloss der englische König Karl I. Frieden mit Spanien und schlug ihn zum Ritter. Zum Dank schenkte ihm der Künstler das Monumental-Gemälde «Krieg und Frieden (Minerva schützt Pax vor Mars)», das heute in der britischen National Gallery hängt.

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine Rezension der Ausstellung "Jordaens und die Antike" - erste deutsche Werkschau des flämischen Barock-Malers Jacob Jordaens im Museum Fridericianum, Kassel

 

und hier einen Beitrag über die Ausstellung "Hommage an Caravaggio 1610 - 2010" in der Gemäldegalerie, Berlin

 

und hier eine Besprechung des Films “Die Mühle und das Kreuz” von Lech Majewski: die Verfilmung eines Renaissance-Gemäldes von Pieter Brueghel.

Im Anschluss schuf er ein neunteiliges Decken-Gemälde zur Verherrlichung von Karls Vorgänger Jakob I. im Londoner Banqueting House; es gilt als großartigste barocke Deckenmalerei nördlich der Alpen. Beide Hauptwerke sind in Wuppertal durch Diorama-Reproduktionen vertreten.

 

Besonnener Kopf in stürmischen Zeiten

 

Der Ausstellung ist daran gelegen, Rubens als besonnenen Kopf in stürmischen Zeiten zu präsentieren, der stets um Mäßigung, Verständigung und Gleichgewicht bemüht war – in Kunst, Religion und Politik. Das erschließt sich aus der Bild-Auswahl nicht unmittelbar; seine Anspielungen auf damalige Ereignisse sind längst vergessen.

 

Greift man aber zum vorzüglichen Katalog, der die Entstehungs-Umstände aller Werke ausführlich erläutert, wird klar: Der Maler war ein eminent politischer Denker; zugleich ging er sehr flexibel auf die Repräsentations-Bedürfnisse seiner Auftraggeber ein. Jede gezeigte Arbeit enthält eine präzise, symbolisch codierte Aussage; je nachdem, wann und für wen sie entstand – trotz aller dekorativen Lust an kraftstrotzenden Muskelpaketen und rosigen Rundungen.


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