James Franco

Spring Breakers

Die vier Freundinnen Faith, Cotty, Candy und Brit werden von der Polizei abgeführt. Foto: © 2013 Wild Bunch Germany

(Kinostart: 21.3.) Ballermann in Florida: Mit Porträts kaputter US-Teenies wurde Regisseur Harmony Korine bekannt. Nun nimmt er studentische Strandparty-Rituale aufs Korn – mit einem überlangen Werbespot in wirrer Videoclip-Ästhetik.

Trash as trash can: Harmony Korine ist der Kino-Chronist der US-Unterschicht. Als Jugendlicher hing er in der Skater-Szene seiner Heimatstadt Nashville ab. Seine Erfahrungen mit Langeweile, billigen Drogen und schnellem Sex schrieb er zum Drehbuch für «Kids» zusammen, das der ähnlich geprägte Fotograf Larry Clark 1995 in New York verfilmte.

 

Info

 

Spring Breakers

 

Regie: Harmony Korine,

92 min., USA 2012;

mit: James Franco, Selena Gomez, Vanessa Hudgens

 

Website zum Film

Ein Autorenkino-Welterfolg: So abgefuckt war Teenager-Tristesse noch nie zu sehen. Diesem Milieu blieb Korine seither treu: in «Gummo» (1997) mit Klebstoff schnüffelnden Kleinstadt-Kids, in «Ken Park» (2002 abermals von Clark verfilmt) mit von Eltern misshandelten Jugendlichen, und in «Trash Humpers» (2009) mit räudigen Mutanten-Greisen, die mit Müllsäcken masturbieren.

 

Kurzurlaub mit Ausschweifungen satt

 

Aus seinem poor white trash-Kosmos bricht Korine mit «Spring Breakers» erstmals aus. Kurzurlaube im sonnigen Süden während der Frühlings-Semesterferien sind das glatte Gegenteil: fun in the sun, Alkohol und Party satt mit Ausschweifungen aller Art – Ballermann in Florida oder Mexiko. Für eine bis zwei Wochen; dann geht es gesittet zurück an den heimischen Studien- oder Arbeitsplatz.


Offizieller Filmtrailer


 

Mörderischer Kater ist abzusehen

 

Die brünstige Atmosphäre aus kollektivem Ausflippen mit Sangria-Eimern und viel nackter Haut fangen die ersten Einstellungen perfekt ein: Mit Endlos-Schwenks durch eine tobende Party-Meute am Strand, während pumpende Beats auf der Tonspur langsam absaufen, als sei der mörderische Kater schon abzusehen. Korine hat ein feeling für Jugendkultur-Rituale.

 

Doch weder für Dramaturgie noch Figurenzeichnung: Vier College-Girls (darunter die US-Bubblegum-Stars Selena Gomez und Vanessa Hudgens) fantasieren zwar von Schwänzen und rauchen ständig dope und Crack, wirken aber völlig profillos und unbedarft. Um an Geld zu kommen, fällt drei von ihnen plötzlich ein, einen fast food joint mit Wasserpistolen auszurauben – was auch noch klappt.

 

Terzett mit MGs + rosa Skimasken

 

Nun fix nach Florida und mit Vollgas in die Dauer-Party, wo schräge Typen Koks von ihrer Bauchdecke sniefen. Was der Viererbande eine Nacht in der Ausnüchterungs-Zelle und einen Termin vor dem Schnellrichter einbringt. Da kauft sie der groteske Drogen-Boss Alien frei (James Franco mit Zöpfchen und Silber-Kauleiste) – und verguckt sich sofort in das Teenie-Quartett.

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films „Paradies: Liebe“ von Ulrich Seidl über weiblichen Sex-Tourismus in Afrika

 

und hier eine Besprechung des Films „Miss Bala“ von Gerando Naranjo über den Drogen-Krieg in Mexiko

 

und hier einen Beitrag zum Film „Savages“ von Oliver Stone über Drogenbanden-Kriege in Kalifornien

Stolz führt er seine Welt aus hartgesottenen Handlangern, prallen Geldkoffern und großen Knarren vor. Zwei springen ab; die beiden anderen babes beißen richtig an. Erst für ein bizarres Terzett in Bikinis und rosa Skimasken, mit MGs und Alien am weißen Flügel, bei dem alle einen Song von Britney Spears trällern. Dann für Unterwasser-Sex zu dritt im Pool und endlich für das finale Massaker mit den Schergen des Großgangsters Archie (Gucci Mane).

 

Zumutung für Nüchterne

 

So wirr und willkürlich dieser Plot ist, ginge das Ganze doch als leidlich amüsante Parodie auf US-College-Komödien durch. Würde Korine nicht den Ausnahmezustand seiner Protagonisten in eine Art hypertrophe Videoclip-Ästhetik umsetzen: bonbonbunte Farben, unmotivierte Vor- und Rückblenden, ständige Wiederholung von Bildfolgen und Dialogfetzen – als sei das ein Remake des Oliver-Stone-Films «Natural Born Killers» auf Ketamin.

 

Mag sein, dass dauerbedröhnte party people ihren Florida-Aufenthalt genau so erleben. Für Zuschauer, die allenfalls ein Bier intus haben, ist es eine Zumutung – wie jeder Trip, an dem man selbst nicht teilhat. Der Film gleicht einem überlangen Werbespot für spring break-Reiseveranstalter, die schrankenlose Exzesse versprechen, aber nur Pauschal-Arrangements liefern; wie Korine dauernd blanke Busen ins Bild rückt, doch Blicke unter die Gürtellinie amerikanisch prüde scheut.


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