Berlin

Wiedereröffnung des Museums Berggruen

Das bisherige Museum Berggruen (li.) mit Erweiterungsbau (re.) und Verbindungsgang. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Museum Berggruen

Doppelt so viel Platz für Picasso und Paul Klee: Nach zwei Jahren öffnet das erweiterte Museum Berggruen wieder seine Pforten. Seine grandiose Kollektion der Klassischen Moderne wird nun vollständig und großzügig gezeigt.

Auf vier Avantgardisten hat sich der 2007 verstorbene Sammler Heinz Berggruen konzentriert: Pablo Picasso, Paul Klee, Henri Matisse und Alberto Giacometti. Die vier Künstler sind Helden der Klassischen Moderne: Sie haben die Kunst revolutioniert, aber auch sehr unterschiedlich und individuell ausgelegt. Und sie sind in jeder öffentlichen Sammlung heiß begehrt.

 

Info

Museum Berggruen

 

ab 16.03.2013
täglich außer montags 10 bis 18 Uhr im Museum Berggruen, Schloßstraße 1, Berlin

 

Katalog 39,95 €

 

Weitere Informationen

Die Staatlichen Museen zu Berlin (SMB) hatten da einige Defizite. Bis sie 1992 an den einflussreichen Kunsthändler Berggruen herantraten und ihm anboten, seine Preziosen in einem der beiden Zwillings-Bauten von Friedrich August Stüler gegenüber von Schloss Charlottenburg auszustellen.

 

Sammlung wächst über Museum hinaus

 

1996 wurde dort die Ausstellung «Picasso und seine Zeit» eröffnet, die einen großen Teil von Berggruens Sammlung zeigte. Vier Jahre später konnte die Nationalgalerie 165 Werke mit finanzieller Unterstützung des Bundes ankaufen. Doch die Sammlung wuchs weiter; der Stüler-Bau wurde bald zu klein. So beschloss man vor sechs Jahren, das Museum zu erweitern.


Interview mit Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin, und Impressionen der Ausstellung im Museum


 

Giacometti-Skulptur bewacht Besucher

 

Das Land Berlin stellte das benachbarte Kommandanten-Haus zur Verfügung, und das Architekturbüro Kuehn Malvezzi wurde mit der Renovierung und Erschließung beauftragt. Inklusive einem öffentlichen Skulpturen-Garten – dort sind zurzeit zwei große Bronzen von Thomas Schütte aufgestellt – und der Ersteinrichtung kostete das fast acht Millionen Euro.

 

Nun verbindet ein gläserner Verbindungs-Gang beide Häuser miteinander zum neuen Museum Berggruen, dessen Ausstellungsfläche sich auf 1250 Quadratmeter vergrößert hat. Dort werden nun 220 Werke gezeigt, 70 mehr als zuvor. Mit größtmöglichem Kontrast werden die Besucher empfangen: Im Treppenhaus des spätklassizistischen Empfangs-Baus wartet eine Skulptur von Giacometti wie eine existenzialistische Concierge, die über die Besucher ihres Hauses wacht.

 

Viertgrößte Picasso-Sammlung in Europa

 

Für die «Große Stehende Frau III» ist es ein nahezu perfekter Ort. Über der schlank aufragenden Bronzeplastik schraubt sich das elegante Treppengeländer einem lichten Glasdach entgegen. Die Schwindelgefühle der Moderne scheinen die Statue noch weiter in die Länge zu ziehen.

 

Doch hauptsächlich soll natürlich Picasso in Szene gesetzt werden. Neben Paris, Barcelona und Málaga gilt das Museum Berggruen als bedeutendste Picasso-Sammlung in Europa. Die Stärke der Kollektion sind allerdings weniger herausragende Einzelwerke, sondern die Dokumentation der gesamten Entwicklung des Ausnahme-Malers. Kaum ein Künstler hat so viele ästhetische Volten vollzogen und eingeschlagene Richtungen nach kurzer Zeit wieder geändert wie Picasso.

 

Lustvoll zertrümmern, launig zusammensetzen

 

Eine Perspektive reichte ihm nie; schon deshalb hat er wohl den Kubismus erfunden! Ehe es soweit war, entdeckte Picasso allerdings erst einmal die Farbe. Zunächst das Blau, wie bei einem Porträt des Schriftstellers Jaime Sabartés, der recht melancholisch durch seinen Kneifer schaut; dann das Rosa, wie ein berühmtes Harlekin-Bild zeigt.

 

Picassos Marsch durch Formen und Stile zeichnen viele Kabinette im Stüler-Bau nach. Sie präsentieren Zeichnungen und Gemälde aus der Epoche des analytischen wie synthetischen Kubismus neben Exponaten des Weggefährten Georges Braque. Ihre Devise war: lustvoll zertrümmern, launig zusammensetzen – und dabei alle gängigen Wahrnehmungsregeln missachten.

 


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