Russell Crowe + Mark Wahlberg

Broken City

Billy Taggarts (Mark Wahlberg) gerät durch seine Ermittlungen selber in die Schusslinie. Foto: Universum Film
(Kinostart: 18.4.) Schöne Frauen, harte Kerle, teure Autos, Schüsse im Dunkeln: «Broken City» zeigt ein kaltes, dunkles New York. Der härteste aller Kerle ist Russell Crowe als Bürgermeister. Leider fällt Regisseur Allen Hughes sonst wenig ein.

Ganz schön düster in diesem New York. In «Broken City» halten sich die Leute fast ausschließlich in schummrig beleuchteten Interieurs auf; und wenn sie mal nach draußen gehen, ist es entweder schon dunkel, oder es wirkt so, weil die Straßenschluchten so tief sind.

 

Info

Broken City

 

Regie: Allen Hughes

109 Min., USA 2012;

mit: Mark Wahlberg, Russell Crowe und Catherine Zeta-Jones

 

Website zum Film

Diese pessimistische und überzeugend gefilmte Perspektive auf den Moloch Großstadt spiegelt sich in einem Plot, der die Menschen in verschiedenen Varianten als mitleidlos, korrupt, intrigant und misstrauisch darstellt. Zumindest war das vermutlich die Absicht von Drehbuchautor Brian Tucker. Doch allen Charakteren fehlt eine psychologische Tiefendimension, die nötig wäre, um echtes Interesse an ihrer Verkorkstheit zu wecken.

 

Ex-Polizist erschoss Unbewaffneten

 

Am meisten verkorkst ist Billy Taggart (Mark Wahlberg), ehemaliger Polizist und Held der Geschichte. Billy verlor seinen Job, weil er im Dienst Selbstjustiz geübt und einen Unbewaffneten kaltblütig erschossen hat. Damals war es Bürgermeister Hostetler (Russell Crowe) höchstselbst, ein skrupelloser Machtmensch, der Billy aufgrund politischen Kalküls davor bewahrte, wegen Mordes verurteilt zu werden.


Offizieller Filmtrailer


 

Beschattungs-Bilder von Gattin

 

Sieben Jahre später betreibt der Ex-Bulle mehr schlecht als recht eine private Detektei. Er kann natürlich nicht ablehnen, als ihn der Bürgermeister mitten im Wahlkampf damit beauftragt, seine Frau Cathleen (Catherine Zeta-Jones) zu beschatten. Billy gelingt es, scheinbar kompromittierende Bilder zu machen, auf denen man sie zusammen mit dem Wahlkampf-Manager des politischen Gegners sieht.

 

Zwar versucht Cathleen, mit Bestechung Billy an der Übergabe der Bilder zu hindern, doch der Bürgermeister ist schneller. Kurze Zeit später ist der Wahlkampfmanager tot. Gleichzeitig verliert Billy seine Freundin. Die attraktive Schauspielerin war vor allem deswegen mit ihm zusammen, weil er einst mit seiner Selbstjustiz-Tat ihre ermordete Schwester gerächt hatte. Billy, der um der Liebe willen der Flasche abgeschworen hatte, fängt wieder an zu trinken.

 

Durchschaubare Krimi-Intrige

 

Als sich immer deutlicher abzeichnet, dass der Bürgermeister in eine riesige Finanzschweinerei verwickelt ist, die er um jeden Preis verschleiern will, wundert man sich keineswegs: Russell Crowe gibt das big asshole so versiert, dass von Anfang an feststeht, wer in diesem Film der größte Schurke ist.

 

Hintergrund

 

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit 

 

Lesen Sie hier einen Beitrag über den Film "Cosmopolis" von David Cronenberg mit Robert Pattinson als New Yorker Börsen-Hai

 

und hier eine Besprechung des Films "Die vierte Macht" - deutsch-russischer Polit-Thriller von Dennis Gansel mit Moritz Bleibtreu

 

und hier einen Bericht über den Film "Ides of March - Tage des Verrats" von und mit Georges Clooney: ein Polit-Thriller zum US-Wahlkampf.

Die Krimi-Intrige ist recht durchschaubar und damit uninteressant. Interessanter wäre gewesen, Billy selbst stärker in den Fokus der Erzählung zu rücken; auch er ist eigentlich ein Bösewicht. Immerhin ist es ziemlich stark, dem Publikum einen Helden vorzusetzen, der in Selbstjustiz einen Menschen erschossen hat, ohne die Tat-Hintergründe zu erklären.

 

Film-Desinteresse an Nebenfiguren

 

Man erfährt nur, dass der Erschossene ein Mörder und Vergewaltiger war. Dass auch in New York ein Polizist normalerweise Mörder und Vergewaltiger nicht einfach erschießt, gehört zum kleinen Einmaleins. Was also war damals los mit Billy? Die Frage bleibt unbeantwortet, und sein Charakter damit so unvollständig wie ungreifbar. Das gilt umso mehr für die Nebenfiguren.

 

Am meisten Profil gewinnt noch der verruchte Bürgermeister, den Russell Crowe mit wurstiger, lebenspraller Hemdsärmeligkeit ausstattet. Die Bösen geben halt immer die dankbarsten Rollen ab. Doch ein Film, der sich sonst so wenig bis gar nicht für seine Personen interessiert, ist langweilig, egal in welchem Genre. Im Thriller-Genre ist langweilig total verboten.

 


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