Jeremy Irons

Der Dieb der Worte

Rory Jansen (Bradley Cooper) und seine Frau Dora Jansen (Zoe Saldana). Foto: Wild Bunch Germany

(Kinostart: 23.5.) Ruhm second hand: Ein Jungautor schreibt ein gefundenes Manuskript ab und landet einen Bestseller. Das Hochstapler-Drama im Literaturbetrieb der Regisseure Brian Klugman und Lee Sternthal gerät seltsam bieder und verschachtelt.

Schriftstellerei ist kein sehr angenehmes Berufsmodell. Immer auf der Suche nach der wunderbarsten Geschichte aller Zeiten oder der treffendsten Formulierung, sitzt der noch unbekannte Literat einsam vor der Leere, die es mit Buchstaben zu füllen gilt. Von Schreibblockaden oder dem Zwang, irgendwie Geld für die Miete aufzubringen, ganz zu schweigen. Andererseits ist kaum ein anderes Metier romantischer besetzt.

 

Info

Der Dieb der Worte

 

Regie: Brian Klugman + Lee Sternthal

102 Min., USA 2013;

mit: Jeremy Irons, Bradley Cooper, Zoe Saldana

 

Website zum Film

Auch der junge Rory Jansen (Bradley Cooper) jagt dem Traum von der großen Schriftsteller-Karriere nach. Besessen schreibt er ein Buch nach dem anderen. Zweifelsfrei hat er auch Talent; nur hapert es leider mit der kommerziellen Verwertbarkeit.

 

Geld notfalls von Papa

 

Wäre nicht die Hoffnung, einst doch noch den großen literarischen Wurf zu landen, könnte er mit seinem Leben zufrieden sein. Er hat eine tolle Freundin (Zoe Saldana), die ihn in seinem Ambitionen unterstützt; zur Not kann er auch noch seinen Vater, einen erfolgreichen Unternehmer, um Geld anpumpen.


Offizieller Filmtrailer


 

Jeremy Irons als wahrer Autor

 

Bei einem Trip nach Paris findet Freundin Dora in einem Antiquitätenladen eine alte Aktentasche und schenkt sie Rory. Darin entdeckt er wenig später ein altes, vergilbtes Manuskript aus den 1940er Jahren. Bereits die ersten Zeilen ziehen den glücklosen Autor in den Bann; allein, um den Geist der story zu spüren, schreibt er den Text Wort für Wort ab.

 

Damit ist seine nähere Zukunft besiegelt. Dora schickt sein vermeintliches Meisterwerk an Verlage, und bald schon ist Rory das nächste heiße Ding am Literaten-Himmel und sammelt Preise en gros. Als er den unverdienten Erfolg beinahe genießen kann, lauert ihm eines Tages ein abgerissener älterer Herr (Jeremy Irons) auf, der das Buch wie seine Westentasche kennt: Er ist der wahre Autor des Romans.

 

Kopie von Suters Bestseller «Lila, lila»?

 

Im Kern erinnert der Plot sehr an Martin Suters Bestseller «Lila, lila» (2004), der 2009 auch verfilmt wurde. So musste sich Regisseur und Drehbuchautor Brian Klugman auf dem Filmfest Zürich, wo «Der Dieb der Worte» seine Europa-Premiere erlebte, ein paar böse Fragen gefallen lassen. Ein Film, der etwas behandelt, das er möglicherweise selbst exerziert, wäre zumindest ein Skandälchen wert.

 

Doch Klugman konnte nachweisen, dass die Idee schon länger als Suters Veröffentlichung in seiner Schublade lag – Glück gehabt. Für die Inszenierung gilt das aber nicht, denn er und sein Co-Regisseur Lee Sternthal belassen es nicht bei einer guten, stringenten Handlung für ihr Debüt.

 

Roman im Roman taugt für eigenen Film

 

Gleich drei Handlungsstränge wollen irgendwie miteinander verbunden werden. Rorys Geschichte ist das Werk des geheimnisvollen Schriftstellers Clay Hammond (Dennis Quaid), dem als Rahmenhandlung eine schöne Studentin mit allerlei Fragen auf den Zahn fühlt. Und zuletzt wird auch noch die tragische Liebesgeschichte des gefundenen Nachkriegs-Romans opulent bebildert.

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films“Nachtzug nach Lissabon“ von Bille August nach dem Bestseller von Pascal Mercier über eine Autorensuche-Irrfahrt mit Jeremy Irons

 

und hier einen Beitrag über den Film „In ihrem Haus“ – raffiniertes Spiel zwischen Illusion und Irreführung von François Ozon

 

und hier eine Rezension des Films „Anonymus“ – opulent inszenierter Literatur-Thriller über Shakespeare als Autor von Roland Emmerich

Nur im ersten Drittel funktioniert die Verschränkung der drei Ebenen einigermaßen. Danach scheint es, als hätten sich die Regisseure zu sehr von ihrer eigenen Vision beeindrucken lassen. Die Plagiats-Vorlage über einen jungen Amerikaner, der sich im Paris der Nachkriegszeit in eine Französin verliebt, nimmt proportional viel zu viel Raum ein; sie wäre eigentlich Stoff für einen – wenn auch äußerst kitschigen – eigenen Film.

 

Wie in «Ohne Limit», nur schlechter

 

Dagegen bleibt die Geschichte um den Abschreiber selbst ziemlich blass, was möglicherweise auch an den begrenzten schauspielerischen Fähigkeiten von Bradley Cooper liegt: Man hat ihn zu oft schon als an sich selbst zweifelnden Enddreißiger gesehen.

 

Zudem spielte er bereits eine ähnliche Rolle als drogenoptimierter Schriftsteller in «Ohne Limit» (2011) von Neil Burger; dieser Film ging mit der Frage nach Grenzen der Kreativität wesentlich spannender und spielerischer um.

 

Unnötig ist überdies die Rahmenhandlung von «Dieb der Worte». Dramaturgische Überfrachtung ist jedoch nicht das Hauptproblem des Films, sondern seine seltsam biedere Inszenierung. Das kann auch der hochkarätige Cast nicht retten. Eigentlich schade, denn das Thema bietet einiges Potential für Kommentare zu Kreativität, Authentizität und Schein. So bleibt nicht viel mehr zurück als much ado about nothing, um den echten Dichter William Shakespeare zu zitieren.


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