Peter Strickland + Toby Jones

90 Minuten über Film-Tonstudios

Toby Jones. Foto: Saskia Köbschall

Strickland-Filme verbindet interessanter Sound

 

Mr. Jones, wieviel wussten Sie über „Berberian Sound Studio“, als sie sich entschieden, mitzumachen?

 

Ich wusste ein bisschen. Ich sah „Katlyn Varga“, den Debütfilm von Peter Strickland, und war sehr berührt von der Entstehungsgeschichte. Da ist dieser junge, sehr englische Mann, der in Ungarn lebt, und der sein Erbe nutzt, um diesen Film zu machen. Das war eine außerordentliche Geschichte. Ich wusste also etwas über Peter, und er schickte mir sein neues Drehbuch. Der Film war natürlich völlig anders als der erste. Es ist schwer, die beiden Filme miteinander in Verbindung zu bringen, abgesehen davon, dass beide einen interessanten Sound haben.

 

Wie ein Fisch auf dem Trockenen

 

Das unmittelbarste Problem für Ihre Figur des Sound-Designers Gilderoy ist der culture clash.

 

Ja, es ist die klassische Geschichte vom „fish out of water“. Ich wusste, dass da eine technische Herausforderung ist, jemanden zu spielen, der eher dadurch definiert wird, was er hört und sieht, als durch das, was er sagt. Diese allmähliche, persönliche Implosion auf einem sehr kleinen Spektrum von Ausdrucksmöglichkeiten abzutragen, das war interessant. Früher in meiner Karriere hätte ich dieses Selbstbewusstsein vielleicht nicht gehabt. Denn Du musst darauf vertrauen, dass die Kamera Deine Gedanken lesen kann.

 

Karte der Film-Handlung in der Garderobe

 

Wie sind Sie damit umgegangen, dass Ihre Figur so im Dunkeln tappt?

 

Ja, es ist kafkaesk. Ich musste mir eine Lösung erfinden (lacht). Wenn ein Film so abstrakt ist, und das Narrativ so explodiert, dann weiß ich, dass ich eine klare Idee davon brauche, wovon die Geschichte handelt, andernfalls verliere ich die Kontrolle über die Performance. Auch weil es so viele Wiederholungen im Skript gibt, musste ich wissen, wann und wie ich Änderungen im Verhalten zeigen musste.

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Berberian Sound Studio" von Peter Strickland

 

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und hier eine Besprechung des Films "Sound of Noise" – Die Musik-Terroristen von Ola Simonsson + Johannes Stjärne Nilsson

 

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Ich hatte eine große Karte in meiner Garderobe, die ich konsultieren konnte: Hier passiert es zum zweiten, hier zum dritten Mal, und ich weiß, wie ich die Unterschiede setzen muss, Ein recht kompliziertes System, in das ich Peter nicht einmal eingeweiht habe. Für Peter ist es nicht relevant, denn er dreht ja eher… ein Gedicht, nicht wahr?

 

Den Film im Kopf sehen

 

Er vergleicht es mit einer Partitur. Aber Sie konnten erst in der Endfassung sehen, ob sie richtig gespielt haben.

 

Ich war sehr erleichtert, als ich die Endfassung gesehen habe. Ich wusste nicht, was passieren würde. Der Rhythmus ist dabei sehr wichtig, und das Budget war so klein, dass ich nicht wusste, ob sie es stemmen würden, umzusetzen, was Peter im Kopf hatte. Am Ende war ich froh, den Film gesehen zu haben, den ich mir vorgestellt habe. Wenn er auch nicht ganz dem Drehbuch entsprach.

 

Heute kriegt man Kopfschmerzen

 

Peter meint, trotz der digitalen Revolution haben sich gewisse Dinge im Sound-Design sich nicht verändert. Was sind Ihre Erfahrungen?

 

Die Lautstärke hat sich verdichtet, man kriegt Kopfschmerzen. Die Sound-Dichte heutzutage ist enorm, und alles ist unendlich laut.


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