Nina Hoss

Gold

Meyer Emily (Nina Hoss), Carl Boehmer (Marko Mandić), Rossmann (Lars Rudolph) und Gustav Müller (Uwe Bohm) auf dem Weg zu den Goldfeldern. Foto: Piffl Medien

(Kinostart: 15.8.) Langer Ritt ins Nirgendwo: Im Kanada des 19. Jahrhunderts will eine Handvoll Deutscher mit dem Schürfen von Nuggets reich werden. Vom Goldrausch ist in Thomas Arslans Film nichts zu sehen − er zelebriert die Langeweile.

Von den letzten Ausläufern der Zivilisation zum wilden Klondike River ist es ein langer Ritt. Nicht nur für Schatzsucher, die sich Ende des 19. Jahrhunderts in den Nordwesten Kanadas aufmachten, um ihr Glück in Gestalt aus dem Fluss gewaschener Nuggets zu suchen. Sondern auch für den Zuschauer, der sich mit Regisseur Thomas Arslan und seinen Schauspielern aufmacht, das berüchtigte Gold zu finden.

 

Info

 

Gold

 

Regie: Thomas Arslan

113 Min., Deutschland 2013

mit: Nina Hoss, Marko Mandić, Uwe Bohm, Lars Rudolph

 

Website zum Film

 

Die Geschichte ist schnell erzählt: Im Sommer 1898 ist der kanadische Goldrausch in vollem Gange. Abenteurer zieht es nach Klondike: Mit Geduld und Geschick kann man dort kinderfaustgroße Goldklumpen finden.

 

Nina Hoss am Rande der Wildnis

 

Emily Meyer (Nina Hoss) reist aus Chicago nach Ashcroft, der damals letzten Bahnstation vor der Wildnis. Sie schließt sich einer Gruppe deutscher Amerika-Einwanderer an, die sich auf den langen Weg zu den Gold-Fundorten bei Dawson zu machen.


Offizieller Filmtrailer


 

Aufbruch zu Pferd und Planwagen

 

Geleitet wird der Treck von Wilhelm Laser (Peter Kurth), der stolz ein paar Nuggets vorzeigt und vorgibt, sich im Norden auszukennen. Der Journalist Gustav Müller (Uwe Bohm) und der Tagelöhner Rossmann (Lars Rudolph) kommen aus New York.

 

Carl Boehmer soll sich als Packer um die Pferde kümmern. Komplettiert wird die Siebenergruppe durch das Ehepaar Dietz, die als Köche mitreisen. Alle brechen zu Pferd und Planwagen auf. Und damit beginnt der Ritt.

 

Strapazen im Kinosessel wie im Sattel

 

Ein Parforceritt, den man angesichts des bevorstehenden Abenteuers erwarten könnte, wird es leider nicht. Thomas Arslan sublimiert die Strapazen im Sattel als Marter im Kinosessel. Er zelebriert die Langeweile geradezu, indem er zeigt, wie die Goldsucher aufs Pferd steigen und reiten und reiten und reiten. Unendlich sind Kanadas Wälder − Erhabenheit strahlen sie nicht aus.

 

Vermutlich war eine solche Reise tatsächlich auch langweilig. Doch wie viel hätte Arslan stattdessen erzählen können! Was trieb die Menschen zum Gold? Nur die Frustration? Von Leidenschaft und Abenteuerlust, vom uramerikanischen Geist, die frontier zu besiegen, vom sagenumwobenen Goldrausch ist nichts zu spüren, noch nicht einmal von Gier und Habsucht.

 

Abziehbilder eines Wild-West-Klischees

 

Über Personen erfährt man so gut wie nichts. In hölzernen Dialogen werden allenfalls die Fakten geklärt und schablonenhaft die Charaktere skizziert. Wie Abziehbilder eines Wild-West-Klischees reiten sie durch die Gegend. Das zeigen schon ihre Hüte: Laser, der sich schnell als windiger Unsympath herausstellt, trägt einen schwarzen Zylinder − wahrscheinlich die unangemessenste Kopfbedeckung für einen wochenlangen Querfeldein-Ritt.

 

Müller versteht sich als aufgeklärter Reporter, der die Reise für seine Zeitung dokumentieren will; er trägt die Melone des Großstädters. Leider ist er Alkoholiker und despotisch. Lars Rudolph spielt den etwas beschränkten Rossmann mit seinem üblichen Hang zum overacting und trägt dazu ein verbeultes Idioten-Hütchen.

 

Der outlaw trägt Schlapphut

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit

 

Lesen Sie hier einen Beitrag über den Film „Django Unchained“ – Italo-Western über die Südstaaten-Sklaverei von Quentin Tarantino

 

und hier einen Bericht über den Film „Der große Gatsby“ von Baz Luhrmann mit Leonardo DiCaprio über die Roaring Twenties in den USA

 

und eine Rezension des norwegischen Films „Kon-Tiki“ – klassisches Abenteuer-Epos über die Pazifik-Überfahrt von Thor Heyerdahl.

 

Emily Meyer, das geschiedene Hausmädchen, hält sich für etwas Besseres, redet wenig, presst oft bedeutungsvoll die Lippen aufeinander und hat etwas zu elegant Breitkrempiges aufgesetzt. Bloß der Packer trägt Schlapphut; aber er ist ja auch der outlaw, der etwas zu verbergen hat.

 

Regisseur Arslan, der sich mit seinem neorealistisch pointierten Debüt „Geschwister – Kardeşler“ und neuen deutschen Nachwende-Filmen im Stil der Berliner Schule einen Namen gemacht hat, wollte einen deutschen Western drehen. Das ist leider gründlich misslungen. Denn was außer der Herkunft seiner Figuren hier deutsch sein soll, erzählt er nicht.

 

Schallende Lacher auf der Berlinale

 

Er macht nur klar, dass keiner dem anderen traut. Warum aber sich alle so grundlos feindselig verhalten, erklärt Arslan in keiner Szene. Lieber reiht er logische Fehler und unglaubliche Vorkommnisse aneinander. Als Müller im menschenleeren Gebiet in eine Bärenfalle tappt, sagt Rossman nur: „Was für ein unglücklicher Zufall, in so einem menschenleeren Gebiet in eine Bärenfalle zu treten.“ Das ist keine Lakonie, sondern nur schlechtes Drehbuch.

 

Vor diesem Machwerk kann man nur warnen. Bei der Premiere des Films auf der Berlinale 2013 soll das Publikum zwar schallend gelacht haben. An Witz oder geistreichen Pointen lag das aber sicher nicht.


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