Sofia Coppola

The Bling Ring

Sam (Taissa Farmiga), Mark (Israel Broussard), Nicki (Emma Watson), Rebecca (Katie Chang), Chloe (Claire Julien) auf Tour. Foto: TOBIS FILM

(Kinostart: 15.8.) Luxus-Shopping zum Nulltarif: Eine Jugend-Bande hält mit Einbrüchen in Prominenten-Villen ganz Hollywood in Atem. Regisseurin Coppola porträtiert die gelangweilt ruhmsüchtigen Teenager und entlarvt ihre Substanzlosigkeit.

„Ich möchte etwas klauen, gehen wir zu Paris“, sagt Teenager Nicki (Emma Watson) ohne den leisesten Anflug von Zweifel: gemeint ist die Villa von Paris Hilton in Hollywood. Das Mädchen geht aber nicht nur bei der blonden Berufserbin zum Nulltarif einkaufen. Auch andere Promis mit Hollywood-Villen unterstützen unfreiwillig den neuerdings rasanten Lifestyle ihrer Clique um Anführerin Rebecca (Katie Chang).

 

Info

 

The Bling Ring

 

Regie: Sofia Coppola,

90 Min., USA 2013;

mit: Katie Chang, Emma Watson, Claire Julien

 

Website zum Film

 

Statt brav die Schulbank zu drücken, hängen sie lieber am Strand ab. Abends gehen sie in die teuersten Clubs der Stadt. Kleider machen schließlich Leute, und die haben sie bei sämtlichen Trendsettern der Stadt abgestaubt: Paris Hilton, Lindsey Lohan oder Orlando Bloom.

 

Das Internet weiß alles

 

Ein paar Mausklicks machen es möglich: Das Internet weiß, wer wann nicht zu Hause ist, und wo die Villen von Prominenten zu finden sind. Gut gesichert sind die meisten auch nicht. Solche Dreistigkeit ist kaum zu glauben, aber tatsächlich wahr.


Offizieller Filmtrailer


 

Die Verdächtigen trugen Markenschuhe

 

Vor ein paar Jahren hielten die Raubzüge des so genannten „Bling Ring“ ganz Hollywood in Atem. Als die Täter endlich gefasst wurden, war das Erstaunen groß: Es waren normale Teenager mit ziemlich verschobenen Wertevorstellungen; die beleuchtete eine Reportage in der Zeitschrift „Vanity Fair“ mit dem bezeichnenden Titel The Suspects wore Louboutins.

 

Dieser Magazinbeitrag machte auch Regisseurin Sophia Coppola auf das Thema aufmerksam: Autorin Nancy Jo Sales hatte ausführlich recherchiert und Interviews mit den jugendlichen Delinquenten geführt, die den Grundstock des Drehbuchs bilden. Was sie auftat, ist in einer auf Oberflächlichkeit fixierten Welt nicht wirklich erstaunlich, aber trotzdem erschreckend genug.

 

Haustürschlüssel unter der Matte

 

Fünf Teenager aus eigentlich wohlhabenden Familien haben nur ein Problem: Langeweile und den Wunsch, an der sie umgebenden Promiwelt teilzuhaben. Ihre Lektüre sind Promi-Blogs, Lifestyle-Zeitschriften und reality shows. Das Größte wäre für sie, selbst in solch einer Show aufzutreten. So kommt auf der Suche nach dem nächsten Kick die Idee auf, Promi-Villen zu entern.

 

Rebecca und ihr Kumpel Mark (Israel Broussard) finden im Internet heraus, dass ihr Idol Paris Hilton gerade in Paris weilt. Die Adresse ist schnell parat, und der Haustürschlüssel liegt unter der Matte! Zuerst sehen sich die Teenager nur um und nehmen ein kleines Souvenir mit. Bald spricht sich ihr Coup aber herum, und die Adoptivschwestern und Möchtegern-It-Girls Nicki und Sam (Taissa Farmiga) stoßen zur Truppe.

 

Nur leben und aussehen wie Stars

 

Sie bedienen sich in großem Stil und verticken die Beute an den schmierigen Agenten Ricky (Gavin Rossdale, Frontmann der Alternative-Rock-Band „Bush“), was letztlich die Polizei auf ihre Spur führt. Ihre Eltern haben von ihren kriminellen Aktivitäten keine Ahnung. Die Teenager wollen nicht rebellieren oder die Welt retten, sondern nur so leben und aussehen wie ihre Stars. Am besten geht das, indem man einfach deren Kleiderschränke plündert − man kann das als eine Art Statement begreifen.

 

Sofia Coppola, Spezialistin für Stimmungen und Blicke hinter schicken Fassaden, fängt diese Schein-Welt detailgetreu und bildgewaltig ein, natürlich mit entsprechend cooler Musik. Die  Kamera bleibt nah bei den eher unsympathischen Figuren, die mit talentierten Newcomern besetzt sind − bis auf Emma Watson, die mit „Harry Potter“-Filmen berühmt wurde und hier wunderbar zickig auftritt.

 

Filmdreh in Paris Hiltons Villa

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „Spring Breakers“ – trashige College-Komödien-Parodie von Harmony Korine

 

und hier einen Beitrag zum Doku-Film “The Big Eden” von Peter Dörfler über den letzten lebenden deutschen Playboy Rolf Eden

 

und hier eine Kritik des Films “Shopping Girls – Galerianki” von Katarzyna Rosłaniec über Teenie-Konsumismus in Polen.

 

Selbst in Hollywood aufgewachsen, kennt Regisseurin Coppola die Partys, die mitunter grotesken Villen sowie die Lebensumstände ihrer Protagonisten. Das ist bunt, überladen, meistens erstaunlich wenig stylish, aber auch witzig. So wie in der Villa von Paris Hilton, die dem Filmteam tatsächlich erlaubte, in ihrem eigenen Haus zu drehen.

 

Hiltons Domizil ist an sich schon ein Grund zum (optischen) Gruseln: dort tragen selbst Sofakissen das Konterfei der selbsternannten Stil-Ikone. Hier zeigt sich Coppolas Können: Hinter all der schrillen Buntheit entlarvt sie die erschreckende Ideen- und Substanzlosigkeit ihrer Figuren − ein Haufen opportunistischer, verwöhnter, konsumistischer Bratzen, die sich ausschließlich nach den 15 Minuten Ruhm sehnen, die Andy Warhol einst versprach.

 

So muss Leere sein

 

Den haben sie jetzt; auch wenn das Bild, das Coppola von ihnen zeichnet, alles andere als schmeichelhaft ist. Am Ende bleibt ein unangenehmes Gefühl von Unbefriedigtheit und Leere − und genau so muss es sein.


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