Berlin + Herne

Uruk: 5000 Jahre Megacity

Digitale Rekonstruktion: Die Zikkurrat für die Göttin Inanna. Foto: Deutsches Archäologisches Institut/Quelle: Staatliche Museen zu Berlin

Schrift, Massenproduktion und Großbauten: Alles entstand in Uruk. Der Ort im Südirak ist eine der ältesten Städte der Welt. Das Pergamon-Museum zeigt eine große Überblicksschau, die aber kein Gesamtbild der sumerischen Gesellschaft ergibt.

Auch Großstädte haben klein angefangen: als Ansammlung von Lehmbauten im südlichen Mesopotamien, von einer neun Kilometer langen Ziegelmauer eingefasst und geschützt. Dort befand sich Uruk am Ufer des Euphrat-Flusses, etwa auf halber Strecke zwischen dem heutigen Bagdad und der Hafenstadt Basra.

 

Info

Uruk: 5000 Jahre Megacity

 

25.04.2013 – 08.09.2013

täglich 10 bis 18 Uhr

im Pergamonmuseum, Bodestraße 1-3,  Berlin

 

Katalog 25 €

 

Website zur Ausstellung

 

03.11.2013 – 21.04.2014

täglich außer montags 9 bis 17 Uhr, donnerstags bis 19 Uhr, am Wochenende 11 bis 18 Uhr im LWL-Landesmuseum für Archäologie, Europaplatz 1, Herne

 

Weitere Informationen

Wie das nahe gelegene Ur: Beide Städte entstanden etwa 4000 v. Chr und waren Zentren der sumerischen Kultur. Seit 1913 lässt die Deutsche Orient-Gesellschaft systematisch die Überreste von Uruk freilegen; zum Jubiläum werden die Funde erstmals in einer Überblicksschau präsentiert.

 

Hier spielt das Gilgamesch-Epos

 

Die Ausstellung nennt Uruk die “älteste Großstadt der Welt”, gar eine “Megacity”: Sie hatte bereits um 3000 v. Chr. 40.000 bis 50.000 Einwohner und bedeckte rund 5,5 Quadratkilometer. Solche Ausmaße übertraf erst Babylon im 6. Jahrhundert v. Chr.; gut 1000 Jahre später wurde Uruk aufgegeben.

 

Zuvor war die Stadt in die Weltliteratur eingegangen: Gilgamesch, Held einer der ältesten überlieferten Schriften der Menschheit, war ihr mythischer Herrscher. Das ihm und seinem Freund Enkidu gewidmete Epos schildert gemeinsam vollbrachte Taten und überwundene Gefahren, etwa die Sintflut.


Impressionen der Ausstellung


 

Keilschrift, Rollsiegel und Stufentempel

 

Am Ende steht die Erkenntnis, dass nur die Einhaltung göttlicher Gebote den Fortbestand der Welt garantiert. Weswegen sich alle Untertanen dem Willen weltlicher Herrscher beugen müssen: Sie vermitteln zwischen der himmlischen und der irdischen Sphäre – ein Prototyp politischer Propaganda.

 

Viele Merkmale, die urbanes Leben prägen, tauchten erstmals in Uruk auf: Arbeitsteilung und Aufspaltung in verschiedene soziale Schichten, Schrift und Verwaltung, Massenproduktion und Großbauten. Allerdings waren diese Anfänge doch sehr andersartig.

 

Handel vom Mittelmeer bis Mittelasien

 

Die Keilschrift der Sumerer erforderte Tontafeln. Deshalb verschwand sie um 100 v. Chr.; Papyrus oder Pergament waren einfach praktischer. Auch ihre Rollsiegel, mit denen große Motive in Ton geprägt werden konnten, setzten sich nicht durch. Ebenso wurden Stufentempel, so genannte Zikkurate, außerhalb Mesopotamiens nirgendwo errichtet.

 

Dagegen besteht das Netz aus Handelsbeziehungen von Uruk, das außer fruchtbarem Schwemmland und Lehm kaum Rohstoffe besaß, bis heute: Es reichte vom östlichen Mittelmeer bis nach Mittelasien. Aus dem Libanon wurde Holz importiert, aus Anatolien und Ägypten Metalle und Erze, aus Indien und Afghanistan kamen Edelsteine für Luxusgüter.

 

Aufschlussreich wären Einblicke, wie Produktion, Versorgung und Verteilung von Gütern in der Stadtbevölkerung organisiert waren. Doch dazu geben die Ausgrabungen offenbar wenig her; so bleibt es bei vagen Andeutungen.

 

Kleinigkeiten bieten wenig Anschauung

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Besprechung der Ausstellung “Roads of Arabia” - archäologische Schätze aus Saudi-Arabien im Pergamonmuseum, Berlin

 

und hier einen Beitrag über die Ausstellung Die geretteten Götter aus dem Palast von Tell Halaf zur Restaurierung 3000 Jahre alter Monumente aus Syrien im Pergamonmuseum

 

und hier eine Rezension der Ausstellung Königsstadt Naga über die antike ägyptisch-schwarzafrikanische Mischkultur des Reiches von Meroë im heutigen Sudan in München + Berlin

 

Umliegende Dörfer mussten die Stadt mit Lebensmitteln beliefern. Nach der Erfindung der Töpferscheibe wurde Keramik in Serien hergestellt. In Uruk gab es überdies Bohrer, um Gefäße und Perlen zu durchlochen. All diese Utensilien werden in der Schau vorgeführt, aber sie ergeben keinen Gesamteindruck der sumerischen Gesellschaft.

 

Was nicht an den Kuratoren liegt: Sie erläutern mit Texttafeln ausführlich alle Exponate – doch die bieten wenig Anschauung. Verglichen mit anderen Ausstellungen über antike Kulturen sind hier fast nur Kleinigkeiten zu sehen: Keiltafeln, Alltagsgegenstände, Götter- und Priester-Statuetten und kaum Reliefs oder Porträt-Köpfe – meist als Kopien.

 

Besser Katalog-Fotos betrachten

 

Selbst der Blickfang einer fünf Meter hohen Helden-Figur aus dem Louvre führt in die Irre: Das Werk entstand im 8. Jahrhundert v. Chr., als Uruk längst unter assyrische Herrschaft geraten war. Alle anderen bedeutenden Stücke, etwa Bauteile, sind entweder moderne Nachschöpfungen oder digitale Simulationen von Großbauten: Der spannendste Teil der Schau läuft auf Bildschirmen ab.

 

Das mindert nicht ihren Informationsgehalt, wohl aber ihren Schauwert: Auf vergrößerten Fotos lassen sich die Uruk-Fundstücke besser betrachten als in diesem verwinkelten Vitrinen-Parcours. Jeder, der an den Ursprüngen der Stadtwerdung interessiert ist, kann daher getrost zuhause bleiben – und dort in Ruhe den Katalog studieren.


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