Benjamin Biolay

Unter dem Regenbogen – Ein Frühjahr in Paris

Laura (Agathe Bonitzer) und Sandro (Arthur Dupont), der Prinz ihrer Träume. Foto: © filmkinotext

(Kinostart: 17.10.) Ein Prinz verliert seinen Schuh, eine verpeilte Fee lernt Autofahren, und der böse Wolf ist Musikkritiker. Regisseurin Agnès Jaoui gelingt ein geistreicher Märchen-Remix: mit Star-Chansonnier Benjamin Biolay in einer Hauptrolle.

Die eine Frau lebt von Märchen, während die andere sich wünscht, im Märchen zu leben. Männer machen lieber Musik. Und während alle Welt in Liebeshändel und –irrtümer verstrickt ist, gibt Jean-Pierre Bacri wieder einmal den leidenschaftlichen Misanthropen.

 

Info

 

Unter dem Regenbogen – Ein Frühjahr in Paris
(Au bout du conte)

 

Regie: Agnès Jaoui,

112 Min., Frankreich 2013;

mit: Agnès Jaoui, Jean-Pierre Bacri, Agathe Bonitzer, Arthur Dupont

 
Website zum Film

 

Agnès Jaoui, Regisseurin und Bacris frühere Lebensgefährtin, spielt seinen Widerpart: eine nicht mehr junge Schauspielerin, die nie eine große Karriere hingelegt hat und nun völlig darin aufgeht, mit Kindern Märchen-Theater einzustudieren.

 

Kein Paar mehr, doch weiter kreativ

 

Wie bei ihren Erfolgs-Komödien „Lust auf anderes“ und „Schau mich an“ haben Jaoui und Bacri zusammen das Drehbuch geschrieben; Jaoui führt abermals Regie. Dass beide Multitalente privat mittlerweile kein Paar mehr sind, tut ihrer gemeinsamen Kreativität offensichtlich keinen Abbruch.


Offizieller Filmtrailer


 

Prinzen auf einer Party treffen

 

„Unter dem Regenbogen“ ist eine so geistreiche wie verspielte romantische Komödie, die Liebesgeschichten aus Märchen auf moderne Beziehungen überträgt. Im Mittelpunkt des Ensemblefilms steht Laura (Agathe Bonitzer): Die schöne junge Frau aus reichem Elternhaus hat alles, was das Herz begehrt – nur noch keinen Märchenprinzen.

 

Als sie auf einer Party den begabten jungen Musiker Sandro (Arthur Dupont) kennen lernt, ist sie davon überzeugt, ihren Prinzen gefunden zu haben – und die Dramaturgie des Films gibt ihr zunächst augenzwinkernd Recht: Als Sandro überstürzt das Fest verlässt, weil er seine Mutter von der Arbeit abholen muss, verliert er einen Schuh.

 

Chansonnier-Star als böser Wolf

 

Zwar stecken in Märchen viele Wahrheiten über die menschliche Natur, doch das richtige Leben gehorcht normalerweise nicht dem Handlungsablauf eines Märchens. So tritt bald ein weiterer – vermeintlicher – Prinz in Lauras Leben: der einflussreiche Musikkritiker Maxime (Benjamin Biolay). Biolay ist ein in Frankreich gefeierter Star des „Nouvel Chanson“.

 

Als Nachbar von Lauras Tante Marianne (Jaoui) wird Maxime zu Sandros Förderer, während er gleichzeitig Laura verführt. Der vermeintliche Prinz ist in Wirklichkeit ein böser Wolf; viele Filmfiguren tragen Züge bestimmter Märchen-Typen.

 

Böse Königin + verhuschte Fee

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „Der Schaum der Tage“surreal-verspielte Verfilmung des Klassikers von Boris Vian durch Michel Gondry

 

und hier einen Beitrag über den Film „Drei Stunden“ – federleichte Sommerkomödie über fast verpasste Liebe von Boris Kunz

 

und hier einen Bericht über den Film „Moonrise Kingdom“ – zauberhaft skurriles Märchen über die erste Liebe von Wes Anderson

 

Lauras Mutter etwa erinnert an die böse Königin aus Schneewittchen. Dagegen versprüht die von Agnès Jaoui verkörperte Marianne in ihrem Häuschen, das mit allerlei zierlichem Krimskrams vollgestopft ist, den Charme einer guten, doch leicht verpeilten Fee.

 

Andere Figuren scheinen ganz und gar dem normalen Leben entnommen: etwa Sandros Vater, der Fahrlehrer Pierre (Jean-Pierre Bacri). Obwohl diesem Grantler wenig Märchenhaftes anhaftet, macht er aufgrund einer Weissagung die märchenhafteste Wandlung von allen durch.

 

Märchen erraten sogar Gedanken

 

Die lebenslustige Marianne nimmt bei ihm Fahrstunden. Glänzend aufgelegt und ohne jede Übersicht im Verkehr, erteilt sie dem knurrig neben ihr kauernden Pierre Lebenshilfe. Dabei verliert er zunehmend seine gewohnte Überlegenheit, da ihn Angst vor seinem baldigen Tod quält, die ihm einst eine Nachbarin prophezeit hat. Dass sich Dornröschen nicht nur durch Küssen aus tiefem Schlaf wecken lässt, wird auch noch vorgeführt.

 

Zum Schluss stellt sich jenes happy end ein, das man sich die ganze Zeit wünscht. Nun wird klar, dass Film als Medium heutzutage dieselbe Funktion hat, die für Grimms Zeitgenossen das Erzählen von Märchen hatte: Die besten unter ihnen erfüllen nicht nur Wünsche, sondern erraten sogar unsere Gedanken.


Diesen Artikel drucken