Naomi Watts

Diana

Diana (Naomi Watts) mit Fan-Gemeinde. Foto: Concorde Film

(Kinostart: 9.1.) Die Person hinter dem Blitzlichtgewitter: Regisseur Oliver Hirschbiegel porträtiert die Prinzessin von Wales als Frau, die sich von höfischen Zwängen emanzipierte – und wird dafür von der britischen Yellow Press scharf kritisiert.

Um Oliver Hirschbiegels Film über die Prinzessin von Wales gab es im Vorfeld viel Wirbel und Häme. Ihren Fans behagte Naomi Watts als Hauptdarstellerin nicht, der britischen yellow press der Regisseur nicht: ausgerechnet ein Deutscher, a kraut, sollte Britanniens Heilige der Herzen auf die Leinwand bringen!

 

Info

 

Diana

 

Regie: Oliver Hirschbiegel,

113 Min., Großbritannien 2013;

mit: Naomi Watts, Naveen Andrews

 

Website zum Film

 

Im Vereinigten Königreich ist man nach wie vor nicht wirklich amüsiert von diesem biopic: Der Film ist keine Lobhudelei, sondern ein Versuch, der echten Person Diana Spencer hinter ihrer immer netten, adretten Fassade auf die Spur zu kommen. Das ist definitiv gelungen.

 

Gelangweilt im Kensington-Palast

 

Regisseur Hirschbiegel beschränkt sich auf die zwei Jahre vor Dianas Tod 1997, also nach ihrer endgültigen Trennung und skandalumwitterten Scheidung von Prince Charles. So bleiben die Royals weitgehend außen vor. Zu Beginn sieht man Diana gelangweilt im luxuriösen Kensington-Palast.


Offizieller Filmtrailer


 

Große Liebe mit dem Herzchirurgen

 

Ihre Söhne darf sie nur selten sehen; sonst hat sie nicht viel zu tun. Seit ihrem Einheiraten in die Königsfamilie war ihr Leben fremdbestimmt; ihr Tagesablauf wurde minutiös von anderen geregelt. Nun sucht sie ihren Platz im Leben abseits des Königshauses – und möglichst weit weg von den sie ständig belagernden Paparazzi.

 

Da begegnet sie dem Herzchirurgen Dr. Hasnat Khan (Naveen Andrews) und ist nicht nur von seinem beruflichen Engagement angetan. Bald erlebt sie mit ihm die echte, große Liebe. Diana ist glücklich und erwägt sogar, mit ihm in seine Heimat auszuwandern; er bestärkt sie im Bestreben, ihre Popularität für gute Zwecke zu nutzen.

 

Möglichst wenig melodramatisch

 

Ihre Liaison ist eine fruchtbare Beziehung, auch wenn sie geheim bleiben muss. Denn Hasnat ist Arzt aus Berufung und könnte niemals nur Anhängsel einer Prominenten sein. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Boulevardpresse ihnen auf die Spur kommt; das Ende der Hatz ist wohl jedem geläufig.

 

Nüchtern betrachtet klingt das reichlich kitschig. Regisseur Hirschbiegel, der in „Der Untergang“ Hitlers Ende verfilmte, inszeniert aber so wenig melodramatisch wie möglich. Ihm gelingt, selbst bei überzeugten Lady-Di-Ignoranten nicht nur Interesse, sondern auch Verständnis für diese Person zu wecken.

 

Vom Mäuschen zur Anti-Landminen-Aktivisten

 

Der Film zeigt Diana als Frau, die sich von übermächtigen Familienzwängen emanzipiert, während sie, was die Sache erschwert, auch noch staatstragend und medial ausschlachtbar sind. Innerhalb kurzer Zeit verwandelt sich ein vermeintlich biederes, verhuschtes Mäuschen nachvollziehbar in eine selbstbewusste Frau, die allein über Minenfelder geht, um die Abschaffung der Landminen zu propagieren.

 

Hirschbiegel baut geschickt bekannte Medienbilder von Diana ein; dabei setzt er jedoch mehr das Drumherum in Szene, also die Entstehung solcher Fernsehbilder. Die Boulevard-Komponente interessiert ihn weniger. Trotzdem bemüht er sich sichtlich um größtmögliche Realitätsnähe.

 

Sprechen + Gehen wie Diana selbst

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films Tage am Strand lesbisches Liebesdrama mit Naomi Watts + Robin Wright von Anne Fontaine

 

und hier einen Bericht über den Film „The Look of Love“ über Paul Raymond, den reichsten britischen Playboy, von Michael Winterbottom

 

und hier einen Beitrag über den Film „Die eiserne Lady“  – Biopic über Margaret Thatcher mit Meryl Streep von Phyllida Lloyd

 

Drehbuchautor Stephen Jeffreys Berge und Hauptdarstellerin Naomi Watts recherchierten lange und sprachen mit Freunden und Bekannten von Diana. Watts übernahm diese verantwortungsvolle Rolle erst nach langem Zögern. Sie eignete sich nicht nur ihre Dianas Sprechweise, sondern auch ihren Gang und ihre Gesten an.

 

Watts nimmt ihre Figur sichtbar ernst und spielt ihre Wandlung aus, ohne dabei je lächerlich oder seltsam zu wirken: eine beeindruckende schauspielerische Leistung. Aber auch alle anderen Figuren, wie die von Hasnat Khan, sind hervorragend besetzt.

 

Keine Paparazzi in Pakistan

 

Die privaten Augenblicke sind zwar fiktiv, aber äußerst glaubhaft. Man schaut gerne dabei zu, wie Diana die Familie von Khan in Pakistan besucht und dort die völlige Abwesenheit der Paparazzi genießt. Dass diese Frau aber auch geschickt mit den Medien zusammenarbeitete und genau wusste, was sie mit ihrer Hilfe erreichen kann, daran lässt der Film auch keine Zweifel.

 

Diana war kein bloßes Opfer: Sie war ein Medienprofi und wusste genau um ihre Wirkung. Das wird anfangs besonders deutlich: Vor dem ersten großen Fernsehinterview nach ihrer Scheidung probt sie ausgiebig ihre Gesten und Haltung. Dabei bekommt man als Zuschauer einen selten realistischen Eindruck davon, was es bedeutet, im Blitzlichtgewitter zu stehen. Dieser Film zeigt eben nicht das erwartbare Klischeebild der „Königin der Herzen“, aber genau das macht ihn sehenswert.


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