Matthew McConaughey

Dallas Buyers Club

Der transsexuelle Rayon (Jared Leto, li.) und Ron Woodroof (Matthew McConaughey) haben zunächst nur gemeinsam, HIV-positiv zu sein. Foto: Ascot Elite

(Kinostart: 6.2.) Erfinder der Tabletten-Flatrate: Als Medikamente gegen AIDS noch sehr teuer waren, versorgte ein Texaner Kranke mit Alternativen. Seinen Kampf gegen das Pharma-Kartell verfilmt Jean-Marc Vallée; als Cowboy glänzt Matthew McConaughey.

Eine HIV-Diagnose ist schlimm; in den 1980er Jahren, als es noch keine wirkungsvolle Behandlungsmethode gab, kam sie einem Todesurteil gleich. Das war an manchen Orten für HIV-Positive noch schwerer zu ertragen, etwa in Texas. Ron Woodroof wusste, warum: Er war ein echter texanischer Cowboy, also ein absolut schwulenfeindlicher Macho – und er hatte AIDS.

 

Info

 

Dallas Buyers Club

 

Regie: Jean-Marc Vallée,

117 Min., USA 2013;

mit: Matthew McConaughey, Jennifer Garner, Jared Leto

 

Website zum Film

 

Das Leben des kleinkriminellen Elektrikers Woodroof (Matthew McConaughey) besteht aus Rodeo, Bier, Koks und Frauen. Als Prachtexemplar des poor white trash pendelt er zwischen seinem vermüllten Wohnwagen, billigen Table-Dance-Bars und düsteren Spelunken. Als Ron ins Krankenhaus muss, ergibt eine Blutuntersuchung, dass er an HIV erkrankt ist; die Ärzte geben ihm nur noch einen Monat. Ein Schock: Er will zuerst nicht wahr haben, dass ausgerechnet ihn die „Schwulenseuche“ erwischt haben soll.

 

Zu krank für Medikamente

 

Wenig später stellt er sich den Tatsachen und bittet die Ärztin Dr. Eve Saks (Jennifer Garner), an einer Studie mit AZT teilnehmen zu dürfen, dem einzigen damals verfügbaren Anti-AIDS-Medikament. Da man ihn als zu krank einstuft, wird sein Gesuch abgelehnt. Ron besorgt sich AZT illegal, doch damit geht es ihm noch schlechter. Schließlich bekommt er den Tipp, dass er bei einem Arzt in Mexiko Medikamente erhalten kann.


Offizieller Filmtrailer


 

Arznei frei für Club-Mitglieder

 

Dieser Arzt versorgt ihn mit einem Cocktail aus Protein- und Vitamin-Präparaten, womit es Ron bald viel besser geht. Er wittert ein großes Geschäft und schmuggelt die Medikamente in die USA. Dort tut er sich mit dem Transsexuellen Rayon (Jared Leto) als Geschäftspartner zusammen.

 

Beide gründen den „Dallas Buyers Club“, der gegen eine hohe Aufnahmegebühr seine Mitglieder unbegrenzt mit den alternativen Medikamenten versorgt – quasi eine Arznei-flatrate. Doch das ist nicht erlaubt: Die US-Gesundheitsbehörde FDA macht Ron und Rayon das Leben schwer.

 

Ruhige Handkamera + natürliches Licht

 

Regisseur Jean-Marc Vallée hat ausschließlich mit ruhig geführter Digital-Handkamera und natürlichen Lichtquellen gedreht. So schafft er eine Atmosphäre großer Authentizität; sie kommt der auf wahren Begebenheiten basierenden Geschichte sehr zugute. Dabei konzentriert sich der Film ganz auf die phänomenale performance seines Hauptdarstellers Matthew McConaughey.

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „Der Fremde am See“  – schwuler Kammerspiel-Thriller von Alain Guiraudie

 

und hier einen Bericht über den Film „The Wolf of Wall Street“  – mit Matthew McConaughey von Martin Scorsese

 

und hier einen Beitrag über den Film „Laurence Anyways“ – bewegend romantisches Liebesdrama eines Transsexuellen von Xavier Dolan.

 

McConaughey ist gebürtiger Texaner; er nahm für diese Rolle in vier Monaten 25 Kilo Gewicht ab. Seine ausgemergelte Gestalt macht absolut glaubwürdig, dass er zwischen Leben und Tod schwebt, wenn er von Husten-Attacken geschüttelt wird. Schon früher hatte der Schauspieler gezeigt, dass er sich darauf versteht, grenzwertige Charaktere zu verkörpern; in Martin Scorseses aktuellem Film „The Wolf of Wall Street“ glänzt er als skrupelloser Banker mit schrägen Ticks.

 

Einzelkämpfer gegen Pharma-Kartell

 

Auch als Ron Woodroof ist er anfangs ein klassischer Unsympath: ein rücksichtsloser Prolet, der zuerst rein egoistisch handelt und im Lauf der Handlung eine erstaunliche menschliche Veränderung durchmacht, ohne dabei zum Heiligen zu werden. Dazu trägt die ungewöhnliche Freundschaft bei, die zwischen ihm und dem sensiblen Rayon entsteht, den Jared Leto ebenso grandios darstellt.

 

Alleine die Tatsache, dass diese Entwicklung völlig frei von typischem Hollywood-Kitsch erzählt wird, macht „Dallas Buyers Club“ zu einem hervorragenden Film. Darüber hinaus zeigt er anschaulich, wie die Interessen milliardenschwerer Pharma-Konzerne das Gesundheitswesen bestimmen – zu Lasten schwerkranker Patienten, denen günstige Alternativen verweigert werden. Die Übermacht des Pharma-Kartells wird oft beklagt; hier ist zu sehen, wie ein gewöhnlicher Mensch mit Mut und Entschlossenheit etwas dagegen bewirken konnte.


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