Paul W.S. Anderson

Pompeii (3D)

Schlafender Riese: Der Vesuv thront über dem Golf von Neapel. Foto: Constantin Film

(Kinostart: 27.2.) Selten hat man die finale Katastrophe so herbeigesehnt: ein Sandalenfilm als Wiedergänger sattsam bekannter Blockbuster. Regisseur Anderson lässt eine antike Welt untergehen, die man keinen Augenblick länger ertragen würde.

War business as usual: Im Jahr 62 n. Chr. massakrieren schick uniformierte römische Soldaten in Nordbritannien einen naturnah lebenden Kelten-Stamm. Der befehlshabende Tribun Corvus (Kiefer Sutherland) gönnt sich höchstpersönlich den Spaß, einer hübschen Frau die Kehle durchzuschneiden.

 

Info

 

Pompeii

 

Regie: Paul W.S. Anderson,

105 Min., USA 2014;

mit: Kit Harington, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Kiefer Sutherland

 

Website zum Film

 

Sie war Mutter des kleinen Milo, der überlebt. Er wird von Sklavenhändlern an Römer verkauft und kommt nach London; dort sinnt er 15 Jahre später als Gladiator (Kit Harington) auf Rache. Als Mordstalent entdeckt, wird er vom Präfekten nach Süditalien verschickt.

 

Erstes Opfer bei der Ankunft

 

Im mondänen Badeort Pompeji hilft der schöne junge Sklave noch in Ketten der anmutigen jungen Adligen Cassia (Emily Browning) mit ihrem Pferd. Kurz nach seiner Ankunft im Kellergewölbe des Amphitheaters erledigt Milo einen ersten dummdreisten Angreifer.


Offizieller Filmtrailer


 

„Ich werde dich töten.“ – „Nein, ich dich.“

 

Dann liefert er sich mit dem schwarzen Star-Gladiatoren Atticus (Adewale Akinnuoye-Akbaje) in ihrer gemeinsamen Zelle schwergewichtige Wortkämpfe im brummelnden Bass: „Ich werde dich töten.“ – „Nein, ich dich.“ usw. Dem folgen erste Probe-Kämpfe, in denen sich Atticus als edler Charakter entpuppt.

 

Es gibt fiese Machenschaften gegen die Gladiatoren und eine Präsentation der muskelbepackten Kämpen im Haus von Cassias Vater; zufällig bekommt der Kaufmann gerade Besuch vom offenbar steinreichen und inzwischen zum Senator aufgestiegenen Corvus. Der Bösewicht ist nicht an Investitionen in Pompeji interessiert, wie sein Gastgeber hofft, sondern an seiner Tochter.

 

Mit wehendem Haar in die Freiheit reiten

 

Doch Corvus‘ Gelüsten hat sich Cassia schon in der Hauptstadt widersetzt. Zuhause gibt sie ihren Widerstand gegen Rom ebenso wenig auf wie der stolze Kelte, weswegen beide schon bald mit wehendem Haar auf einem rassigen Schimmel in die Freiheit sprengen.

 

Milo ist genauso edelmütig wie Atticus; er bringt Cassia zurück nach Hause, handelt sich dafür viele Peitschenhiebe ein, was seinen Rachedurst gegen Corvus weiter steigert, und kämpft pausenlos siegreich in der Arena von Pompeji – bis der Vesuv, der im Hintergrund schon die ganze Zeit grollte, endlich ausbricht. Selten hat man eine Katastrophe so herbeigesehnt.

 

Feuerwerk der Spezialeffekte

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit

 

Lesen Sie hier eine Besprechung der Ausstellung „Pompeji – Leben auf dem Vulkan“  – in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München

 

und hier einen Beitrag über die Doppel-Ausstellung “Pompeji – Nola – Herculaneum: Katastrophen am Vesuv”  im Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle/Saale, und dem Gartenreich in Wörlitz

 

und hier einen kultiversum-Bericht über den Film „Agora – Die Säulen des Himmels“ von Alejandro Amenábar über die Zerstörung der antiken Bibliothek von Alexandria.

 

Anlass für ein ganzes Feuerwerk von computergenerierten Spezialeffekten: markerschütternde Explosionen, riesige Lavaströme, alles unter sich begrabende Flutwellen, herrliche Verfolgungsjagden und Rettungs-Aktionen in letzter Sekunde. Überraschend sterben nicht nur der Oberschurke und Normalmenschen, sondern alle, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht haben – und das sind wenige.

 

Regisseur Paul W.S. Anderson reiht Klischee an Klischee. Er lässt seine Schauspieler so eindimensional und vorhersehbar agieren, dass es fast schon eine Lust an der Typenkomödie ist. Dabei kupfert Anderson bedenkenlos bei einigen der erfolgreichsten blockbuster in den letzten Jahre ab: natürlich beim Antiken-Monumentalfilm „Gladiator“ von Ridley Scott, dessen Besetzung bis zum sidekick des schwarzen Kampffreundes nachgeäfft wird.

 

Ästhetik der Haaresbreite

 

Aus „Titanic“ von James Cameron übernimmt Anderson die herzerwärmende Romanze des Helden mit formvollendeten Manieren, während sein dekadenter Konkurrent von kruder Besitzgier getrieben wird. Roland Emmerichs Weltuntergangs-Epos „2012“ liefert seinem Nachfolger eine Ästhetik der Haaresbreite, dank derer die Helden stets einstürzenden Neubauten um Sekundenbruchteile entkommen.

 

„Pompeii“ macht mit diesem Schielen auf erprobte Erfolgsrezepte einschließlich Grafik-Animation und 3D-Effekten alles richtig und alles falsch. Was dieser Untergang einer blühenden Provinzstadt für das römische Reich bedeutete, wird keinen Augenblick lang deutlich. Doch Fans von action-Spektakeln, die sich um historische Hintergründe nicht scheren, dürfte das herzlich egal sein.


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