Michal Kosakowski

Zero Killed

Inszenierung einer Mordfantasie: Amoklauf. Foto: Drop-Out Cinema

(Kinostart: 6.2.) Herren über Leben und Tod: Regisseur Kosakowski lässt seine Bekannten ihre Mordfantasien in Videos darstellen und befragt sie anschließend dazu. Die Antworten fallen beeindruckend offen aus, doch der Sinn der Übung bleibt unklar.

Bad news are good news: Das Böse und Abgründige übt eine besondere Faszination aus ebenso die Frage, was einen Menschen zum Mörder machen kann. Soeben kam Stefan Ruzowitztkys Dokumentarfilm „Das radikale Böse“ ins Kino: Er behandelt deutsche Einsatzgruppen, die im Zweiten Weltkrieg zwei Millionen Juden in Osteuropa ermordet hatten.

 

Info

 

Zero Killed

 

Regie: Michal Kosakowski,

81 Min., Deutschland/ Österreich 2011;

mit: Uli Aigner, Aylin Ayaz, Teresa Behr

 

Website zum Film

 

Nun zeigt Michael Kosakowski die Mordfantasien ganz normaler Bürger. In seinem Kunstprojekt „Fortynine“ bat der Regisseur Personen aus seinem Bekanntenkreis, Videos ihrer geheimen Mordfantasien zu drehen mit ihnen selbst als Täter oder Opfer. Ausschnitte aus diesen Videos verbindet Kosakowski in „Zero Killed“ mit später geführten Interviews.

 

Motive von Rache bis Sadismus

 

Die Mordfantasie-Videos zeigen brutale Folterungen und kaltblütige Morde. Die Motive reichen von persönlicher Rache bis zur rein sadistischer Tötung völlig Unbekannter: Opfer werden erschossen, erstochen oder vor fahrende Autos gestoßen. Diese Szenarien wirken komisch, grotesk oder bizarr, bis hin zu stark verstörend.


Offizieller Filmtrailer


 

Todesstrafe spart Kosten

 

In seinen Interviews fragt Kosakowski nach den Gründen für die gewählten Szenarien und stellt weitere brisante Fragen; etwa die, ob eine Todesstrafe in bestimmten Fällen sinnvoll und angemessen wäre. Mordfantasien hatte sicherlich jeder schon einmal. Doch vermutlich gehen nur wenige so weit wie eine der Interviewten, die die Entsorgung der Leiche mit bedenkt.

 

Viele Eltern würden sicher zum Schutz ihrer Kinder notfalls bis zum Äußersten gehen. Aber wer befürwortet offen die Todesstrafe mit dem pragmatischen Argument, dass sich damit Kosten für Unterkunst und Verpflegung der Straftäter sparen ließe? Der Film befördert viele solcher zynischen Aussagen zutage.

 

Unklar, ob Aussagen repräsentativ sind

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „The Act of Killing“ – Doku von Joshua Oppenheimer über Massaker an Kommunisten in Indonesien 1965, Europäischer Filmpreis 2013

 

und hier einen Bericht über den Film “Camp 14 – Total Control Zone” – Doku von Marc Wiese über unmenschliche Haft in Nordkoreas Arbeitslagern.

Damit wirkt „Zero Killed“ wie eine Schmalspur-Ausgabe der faszinierend makaberen Dokumentation „The Act of Killing“ von Joshua Oppenheimer, die mit dem Europäischen Filmpreis 2013 prämiert wurde. Dieser Film über Protagonisten der Massaker an Kommunisten im Indonesien den 1960er Jahre ist aber weitaus verstörender: Mörder stellen ihre eigenen Untaten nach und glorifizieren sich dabei selbst.

 

Dagegen sind die in „Zero Killed“ gezeigten Szenarien jederzeit als reine Fantasieprodukte erkennbar. Problematisch an diesem Film ist auch, dass völlig unklar bleibt, ob und inwieweit die Aussagen der Befragten repräsentativ sind. Der Regisseur betont, er habe Menschen aus ganz unterschiedlichen Gruppen interviewt.

 

Doch die überwiegende Mehrheit sind Filmemacher, Schauspieler und weitere Künstler: Dadurch wirkt das Gezeigte wenig aussagekräftig. Zwar beantworten alle Gesprächspartner auch brisante Fragen beeindruckend direkt und unverstellt doch der Erkenntnisgewinn fällt gering aus.


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