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Kunst ist Körperarbeit: Dina Delsanto (Juliette Binoche) bleibt trotz ihrer Krankheit aktive Malerin. Foto: Senator Filmverleih

Words & Pictures


(Kinostart: 22.5.) Paragone am Elite-Internat: Literaturdozent Clive Owen hält Wörter für entscheidend, Kunstlehrerin Juliette Binoche dagegen Bilder. Regisseur Fred Schepisi inszeniert die romantische Hochschul-Komödie so vergnüglich wie betulich.


Der häufige Gebrauch einer Redensart bedeutet noch lange nicht, dass sie allgemeingültig und wahr ist. "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte" reizt wohl jeden Wortmenschen zum Widerspruch. Von dieser Prämisse geht "Words & Pictures" aus: Regisseur Fred Schepisi lässt zwei der schönen Künste im Kampf um die Vorrangstellung aufeinander los; ihre jeweiligen Verfechter sind praktischerweise beiderlei Geschlechts.

 

Info

 

Words & Pictures –
In der Liebe und in der Kunst ist alles erlaubt

 

Regie: Fred Schepisi,

111 Min., USA 2013;

mit: Clive Owen, Juliette Binoche, Valerie Tian

 

Website zum Film

 

Vertreter der Wortfraktion ist Schriftsteller Jack Marcus (Clive Owen). Er schrieb als junger Mann einen Erfolgsroman; nun lebt er als Literaturdozent an einem Elite-Internat in Neuengland vom inzwischen verblassten Ruhm. Seinen ausgeprägten Zynismus lässt er gerne an seinen lahmen Schülern aus; seine private Misere befeuert er mit reichlich Alkohol.

 

Von der Vernissage in die Schulklasse

 

Zum neuen Schuljahr wird die unnahbare Dina Delsanto (Juliette Binoche) eingestellt; sie soll Kunst unterrichten. Noch vor kurzem war sie eine gefeierte Künstlerin mit Ausstellungen weltweit; dieser Ruf eilt ihr voraus. Allerdings ist sie nicht ohne Grund bei ihrer Schwester in der Provinz untergekommen: Eine Gelenk-Erkrankung schränkt ihre Bewegungsfreiheit zunehmend ein, was sie aber entschieden zu verbergen versucht.


Offizieller Filmtrailer


 

Erotisches Knistern löst Privatfehde aus

 

Gleich die erste Begegnung von Jack und Dina artet zum Schlagabtausch aus, dem heftiges erotisches Knistern folg. Bis das in Wohlgefallen enden darf, liefern sich die beiden eine kleine Privatfehde, in die sie bald die ganze Schule mit hineinziehen.

 

Als Künstlerin ist Dina davon überzeugt, das Worte nur lügen und Bildern mehr Bedeutung zukommt. Diese Haltung vermittelt sie im Unterricht ihren Schülern, die sie bewundern: wegen ihrer Verve und ihrer mitunter verletzenden Ehrlichkeit. Literatur-Liebhaber Jack kann das nicht auf sich sitzen lassen.

 

Schreibblockade + Malen mit Krücken

 

Der folgende schulinterne Wettstreit wird mit allen Mitteln geführt, denn für Jack geht es um seine Existenz: Bisher schmückte sich die Schule mit ihm als echtem Künstler im Lehrer-Kollegium, nun läuft ihm die Malerin bei der Schuldirektion den Rang ab. Er hat schon seit Jahren nichts Brauchbares mehr geschrieben; auch die von ihm geleitete literarische Schülerzeitung hat schon bessere Tage gesehen.

 

Dina hingegen versucht, trotz ihrer Behinderung weiter zu malen. Sie quält sich mit diversen Hilfsmitteln, ist jedoch in unbeobachteten Momenten genau so verzweifelt wie der vermeintliche Konkurrent – zwei sehr verletzliche und verletzte Seelen, die es wohl gut miteinander hätten. Statt dessen beharken sie sich gegenseitig und haben viel Spaß daran.

 

Wie in screwball comedies der 1940er

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films "Der Dieb der Worte" - Hochstapler-Thriller im Literaturbetrieb von Brian Klugman + Lee Sternthal

 

und hier einen Beitrag über den Film "Shadow Dancer" - Polit-Thriller über IRA-Terror von James Marsh mit Clive Owen

 

und hier einen Bericht über den Film Die Liebesfälscher – Copie Conforme – Beziehungsdrama von Abbas Kiarostami mit Juliette Binoche.

 

Neben großen Schriftstellern wie Proust oder Updike, mit denen Jack seine Schüler im Unterricht nervt, sind Wortspiele seine Leidenschaft. In Dina hat er eine ebenbürtige Gegnerin gefunden. Lustvoll raunen sie sich in den Pausen gegenseitig die abstrusesten Wortschöpfungen zu. Das erinnert in den besten Momenten an screwball comedies der 1940er Jahre. Da stimmen timing, Wortwitz und die Chemie zwischen den Protagonisten.

 

Ansonsten kommt die akademisch-romantische Komödie von Hollywood-Altmeister Fred Schepisi jedoch reichlich betulich daher. Mitunter wirkt es arg didaktisch, wenn etwa Schüler aus der Wort- und Bilder-Fraktion im offiziellen Wettstreit gegeneinander auf dem Podium antreten – um am Ende einvernehmlich herauszufinden, dass natürlich beide Künste gleich wichtig sind.

 

Befriedigtes Harmoniebedürfnis

 

Die Idee, den Kampf der Geschlechter als einen künstlerisch-intellektuellen zu erzählen, ist allemal originell. Doch der Film kann sich nicht entscheiden, ob er high school-Drama, Künstler-Porträt oder eine flockige RomCom im Lehrer-Milieu sein will. Dass man trotzdem gern zusieht, liegt vor allem an den beiden Hauptdarstellern: Sie machen aus ihren Figuren echte Charaktere mit den nötigen Ecken und Kanten.

 

Außerdem sieht Clive Owen selbst im schlabberigen Cord-Anzug noch manierlich aus. So geht man geistig nicht unterfordert aus dem Kino – das allgemeine Harmoniebedürfnis wird auch befriedigt. Und: Sie kriegen sich natürlich. Mehr braucht es manchmal nicht.



Von Ingrid Beerbaum, veröffentlicht am 20.05.2014





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