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Arman (Vincent Macaigne) und Amélie (Maud Wyler) fahren zusammen nach Hause. Foto: déjà-vu Filmverleih

2 Automnes 3 Hivers


(Kinostart: 3.7.) Eine auf eineinhalb Stunden gestreckte Kurzfilmidee: Regisseur Sébastien Betbeder begleitet vier Jungerwachsene in Paris. Sie grübeln viel und sprechen ihre Gedanken in die Kamera – als fades Potpourri belangloser Assoziationen.


Mitten im Sommer kommt kurioserweise ein richtiger Herbst/Winter-Film ins Kino; er ist von der speziellen Atmosphäre geprägt, die diese Jahreszeiten so besinnlich macht. Wie der Titel besagt, handelt der Film von 2 Herbsten und 3 Wintern: In dieser Zeitspanne beobachtet der französische Regisseur Sébastien Betbeder einige junge Erwachsene, die in Paris leben.

 

Info

 

2 Automnes 3 Hivers
(2 Herbste 3 Winter)

 

Regie: Sébastien Betbeder,

93 Min, Frankreich 2013,

mit: Vincent Macaigne, Maud Wyler, Bastien Bouillon

 

Weitere Informationen

 

Ihre Erinnerungen sowie große und kleine Ereignisse des Daseins reiht Regisseur Betbeder in betitelten Kapiteln aneinander; so fasst er eine Lebensphase mit mehr oder weniger wichtigen Veränderungen zusammen. Das ergibt einen zwar formal ungewöhnlichen Film, der aber gewollt philosophisch und recht langatmig daherkommt; die bei den Figuren um sich greifende Depression ermüdet schnell.

 

Gedanken + Erinnerungen ganz genau

 

Hauptfigur Arman (Vincent Macaigne) wird 33 Jahre alt. Er sieht nicht mehr sehr jugendlich aus, trägt sein schütteres Haar dennoch lang, hat keinen interessanten Job und grübelt oft. Woran der Zuschauer ausgiebig teilhaben darf: Man erfährt seine Gedanken und Erinnerungen ganz genau. Häufig blicken die Protagonisten in die Kamera und erzählen, was gerade geschehen ist und wie sie sich dabei fühlen. Solche direkte Publikumsansprache wechselt ab mit Spielszenen und voice-over-Kommentaren.


Offizieller Filmtrailer OmU


 

Mit Hirnschlag in die Hecke

 

Da Herbst ist, kommt Arman auf den guten Vorsatz, etwas zu ändern und mehr Sport zu treiben. Fortan joggt er jedes Wochenende im Park um die Ecke. Und siehe da, die Veränderung lässt nicht lange auf sich warten: Amélie (Maud Wyler), ebenfalls sinnierend durch den Park laufend, wird von Arman umgerannt und stolpert so in sein Leben.

 

Das lässt eine klassische boy meets girl story erwarten, doch plötzlich wird eine neue Figur eingeführt. Sie darf sich ebenfalls mit Blick in die Kamera persönlich vorstellen: Armans bester Freund Benjamin (Bastien Bouillon) denkt auch viel über das Leben nach. Er wird im ersten Herbst einen Hirnschlag erleiden und in eine Hecke fallen.

 

Episoden ohne Substanz

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films "Beziehungsweise New York" - turbulente Patchwork-Beziehungskomödie
von Cédric Klapisch

 

und hier einen Bericht über den Film “Drei Stunden” – federleichte Sommerkomödie über fast verpasste Liebe von Boris Kunz

 

und hier einen Beitrag über den grandiosen Film “Tilt”  – Teenager-Liebe im Post-Wende-Bulgarien von Viktor Chouchkov Jr.

 

Durch diesen Unfall findet auch Benjamin seine Liebste; die nunmehr vier Freunde verleben so manchen gemeinsamen Abend. Dabei spazieren munter weitere Menschen durch den Film, die für Episoden ohne Substanz sorgen: eine gemeinsame Studienkollegin, ein suizidgefährdeter Cousin, besorgte Eltern, eine verrückte Schwester – all diese Figuren tauchen auf und verschwinden, bevor man ihnen nahe gekommen ist.

 

Schnell verliert der Film seinen Fokus und roten Faden. So reizvoll die Idee scheint, drei Jahre in assoziativen Erinnerungen Revue passieren zu lassen, so rasch erschöpft sich der Plot in Langeweile. Regisseur Betbeder zeigt vor allem die Zwischenräume des Lebens, den Alltag vor und nach großen Ereignissen: Doch warum soll man zuhören, wie Arman sich wortreich fragt, an welcher Supermarktkasse er sich anstellen soll?

 

Ein paar schön skurrile Momente stellen sich ein, aber auf Dauer fühlt man sich vor allem mit Banalitäten zugetextet. Betbeder hat aus einer Kurzfilmidee, für die er Filmförderungs-Gelder bekam, einen Langfilm gemacht. Diese aufgeblähte Fassung retten auch diverse eingestreute Zitate aus der Filmgeschichte nicht. Da geht man stattdessen besser sommerlich Eis essen.



Von Lydia Starkulla, veröffentlicht am 27.06.2014





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