Philippe de Chauveron

Monsieur Claude und seine Töchter

Isabelle Verneuil (Frédérique Bel) stellt Charles Koffi (Noom Diawara) ihren Eltern vor. Foto: Neue Visionen Filmverleih

(Kinostart: 24.7.) Französische Multikulti-Familienkomödie: Mit jeder Heirat holen die Töchter von Monsieur Claude eine andere Weltkultur ins Haus. Regisseur de Chauveron spießt Vorurteile und Klischees angenehm unverkrampft und provokativ auf.

Erfrischend komisch und unverschämt frech kommt diese Komödie aus Frankreich daher: „Monsieur Claude und seine Töchter“ hat dort zehn Millionen Zuschauer ins Kino gelockt. Mit Spielfreude und Lust an political uncorrectness wirbeln die Darsteller als bunte Multikulti-Familie durch den Film – und trauen sich mit geballtem Charme à la francaise auch an heiße Eisen heran.

 

Info

 

Monsieur Claude und seine Töchter

 

Regie: Philippe de Chauveron,

97 Min., Frankreich 2014;

mit: Christian Clavier, Chantal Lauby, Frédérique Bel

 

Website zum Film

 

„Isabelle Verneuil, nehmen Sie Rachid Abdoul Mohamed Benassem zu Ehemann?“ Mit dem „Ja“ von Isabelle (Frédérique Bel) beginnt ein Albtraum für ihre traditionsbewussten und konservativen Eltern Claude (Christian Clavier) und Marie Verneuil (Chantal Lauby). Vier Töchter hat das Ehepaar in seine heile, rein französische und gut katholische Welt gesetzt; nun sorgen die undankbaren Gören dafür, dass es plötzlich globalisiert zugeht.

 

Ein Enkel beschnitten, einer Mahmoud

 

Zwei weitere Töchter kommen unter die Haube: Sie heiraten David, einen Juden, und den Chinesen Chao. Natürlich bemühen sich die Eltern um Toleranz und Weltoffenheit, doch innerhalb ihrer eigenen Familie hören die guten Vorsätze irgendwann auf. Die Beschneidung des ersten Enkelkindes ertragen beide noch zähneknirschend; bei der Ankündigung, der zweite Enkel solle Mahmoud heißen, entgleiten Claude die Gesichtzüge unkontrolliert.


Offizieller Filmtrailer


 

Schwarzer Schauspieler von der Elfenbeinküste

 

Auf einer Familienfeier mit chinesischem Essen kommt es zur offenen Konfrontation. Auch unter den Schwiegersöhnen geht es keineswegs harmonisch zu: Jeder hegt so seine Vorurteile und sieht den jeweils anderen als Problemfall. Die Familienbeziehungen liegen auf Eis.

 

Die letzte Hoffnung ruht auf dem Nesthäkchen der Familie: Laure soll bitte einen Katholiken ehelichen. Dieser Wunsch wird den Eltern zwar erfüllt, doch auch dieser Schwiegersohn hat einen Haken: Charles ist Schauspieler und stammt von der Elfenbeinküste. Vater und Mutter Verneuil sehen im Wortsinne schwarz.

 

Bündnis der Patriarchen alten Schlages

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „Beziehungsweise New York“  – turbulente transatlantische Patchwork-Komödie von Cédric Klapisch

 

und hier einen Bericht über den Film “Der Schaum der Tage”  – Michel Gondrys Verfilmung des Romans von Boris Vian mit Romain Duris + Audrey Tautou

 

und hier einen Beitrag über den Film 2 Tage New Yorkfranko-amerikanische Culture-Clash-Komödie von Julie Delpy

 

Monsieur Claude will diese Hochzeit verhindern und findet überraschend einen Verbündeten: Der Vater von Charles ist sein afrikanisches Pendant. Beide granteln so ebenbürtig durch alle Fettnäpfchen, dass sich alle anderen nur dagegen solidarisieren können. Am Ende müssen die Patriarchen zugeben, dass sie sich nicht nur verstehen, sondern sogar gut leiden können.

 

Bei diesem Feuerwerk von Gags bekommt jede Ethnie und Religion ihr Fett weg; das lässt an den ähnlich gestrickten Kassenschlager „Ziemlich beste Freunde“ denken. Auch kommt einem der eine oder andere Scherz aus US-Heirats-Komödien wie „Meine Braut, ihre Eltern und ich“ bekannt vor – dennoch ist dieser rasante Rundumschlag angenehm unverkrampft provokativ.

 

Lachen für die Völkerfreundschaft

 

Zwar bemüht Regisseur de Chauveron etliche Stereotypen und schießt gelegentlich über das Ziel hinaus, doch alle Figuren bleiben dabei liebenswert und sympathisch. Sicher präsentiert der Film die Integrationsprobleme von Frankreich und ganz Westeuropa in einem denkbar übersichtlichen Rahmen, aber man darf gemeinsam über Andersartigkeiten und Vorurteile lachen. Und gemeinsames Lachen ist noch immer das beste Rezept zur Völkerverständigung.


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