Emily Watson

Dido Elizabeth Belle

Dido Elizabeth Belle (Gugu Mbatha-Raw) bei einem Spaziergang im Park. Foto: © 2014 Twentieth Century Fox

(Kinostart: 14.8.) Adlig, gebildet, reich – und dunkelhäutig: Die Admirals-Tochter Dido wirkte im England des 18. Jahrhunderts wie eine Außerirdische. Ihre Leben verfilmt Regisseurin Amma Asante als Episode schwarzer Emanzipation mit Jane-Austen-Touch.

Leserinnen der Romane von Jane Austen ist vertraut, wie junge Frauen als Verhandlungsmasse für möglichst profitable Ehen behandelt werden; was Kostümfilme über England im späten 18. Jahrhundert ebenso vorführen. Das zeigt auch Regisseurin Amma Asante in ihrem Film „Dido Elizabeth Belle“ – allerdings aus äußerst untypischer Perspektive.

 

Info

 

Dido Elizabeth Belle

 

Regie: Amma Asante,

104 Min., Großbritannien 2014;

mit: Gugu Mbatha-Raw, Emily Watson, Sam Reid

 

Website zum Film

 

Als Inspiration diente ihr das Gemälde eines Salonmalers von 1779, das zwei junge Damen zeigt: eine blond und weißhäutig, eine schwarzhaarig und dunkelhäutig. Beide stehen gleichberechtigt nebeneinander und lächeln den Betrachter direkt an. Sie scheinen sich gut zu kennen und zu mögen – eine für diese Epoche sehr ungewöhnliche Darstellung: Farbige kamen damals höchstens als unterwürfig hochblickende Sklaven ins Bild. Noch ungewöhnlicher ist die Geschichte hinter dem Bild, die Asante sehr frei nacherzählt.

 

Tochter von Admiral und Ex-Sklavin

 

Die dunkelhäutige Frau namens Dido Elizabeth Belle (1765-1808) ist die uneheliche Tochter eines Admirals der königlichen Marine und vermutlich einer ehemaligen Sklavin. Nach dem Tod ihrer Mutter gibt ihr Vater das Mädchen in die Obhut seines Großonkels Lord Mansfield (Tom Wilkinson), damals Oberster Richter des Landes, und dessen Gattin (Emily Watson). Auf deren Landgut wächst Dido wohlbehütet gemeinsam mit ihrer Halbcousine Elizabeth auf, die auf dem Gemälde neben ihr steht. Dido (großartig: Gugu Mbatha-Raw) erhält eine gute Ausbildung und erbt ein ansehnliches Vermögen.


Offizieller Filmtrailer


 

Alleine essen + nur als Anstandsdame tanzen

 

So ganz normal ist ihr Leben im Haushalt ihres Onkels doch nicht. Bei offiziellen Anlässen darf sie erst nach dem Essen informell zur Gesellschaft stoßen; als Halbcousine Elizabeth auf ihrem ersten Ball debütieren soll, ist sie nur als Begleitung vorgesehen. Dido ist darüber nicht glücklich, nimmt diese Zurücksetzung aber als gegeben hin.

 

Erst die Begegnung mit dem jungen John Devinier (Sam Reid) bringt sie zum Nachdenken. Der zukünftige Anwalt geht im Haus der Mansfields ein und aus; er stellt infrage, warum Dido allein speisen muss und kaum unter Leute kommt. Bald interessiert er sich nicht nur für ihre Rechte, sondern auch für sie als Person.

 

Liebeswunsch als Luxus einer reichen Erbin

 

Asante verwebt die wenigen verbürgten Fakten über die historische Person geschickt zu einem originellen Sittenbild des georgianischen Englands. Obwohl Dido adliger Herkunft ist, gehört sie als unehelich geborene Mulattin nicht zur besseren Gesellschaft, wie man sie außerhalb der Familie immer wieder spüren lässt. Da sie geerbt hat, ist sie nicht wie Elizabeth auf eine reiche Heirat angewiesen. Dido will sich aber auch nicht mit der für sie vorgesehenen Rolle einer Landgut-Verwalterin abfinden.

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films “Twelve Years a Slave”  – fesselnde Sklaverei-Saga von Steve McQueen, mit Oscar 2014 als bester Film prämiert

 

und hier einen Bericht über den Film “Der Butler”  – Biopic über schwarzen Diener im Weißen Haus von Lee Daniels mit Forest Whitaker

 

und hier eine Kritik des Films “Django Unchained” – umstrittener Italo-Western über Südstaaten-Sklaverei von Quentin Tarantino.

 

Der Heiratsantrag des jungen Lord Ashford kommt da gerade recht. Doch als ihr klar wird, dass er nur hinter ihrem Vermögen her ist, löst sie die Verlobung und lehnt sich erstmals bewusst gegen Konventionen auf. Sie will einfach geliebt werden; damit hat sie wesentlich höhere Ansprüche, als sich ihre Halbcousine leisten kann, was das innige Verhältnis der beiden empfindlich stört.

 

142 Sklaven ins Meer geworfen

 

Alles spielt sich vor dem historischen Hintergrund des Gerichtsverfahrens um das Massaker auf dem Sklavenschiff Zong ab: 1781 hatte dessen Besatzung 142 Afrikaner ins karibische Meer geworfen, um Wasser- und Lebensmittelvorräte zu sparen. Der Vorfall wurde von Abolitionisten als Musterbeispiel für die Grausamkeit des Sklavenhandels angeprangert. Für seine Abschaffung engagiert sich auch John Devinier; mit Didos Unterstützung versucht er, Lord Mansfield zu einem gerechten Urteil zu bewegen.

 

Seine Ziehtochter wird sich immer stärker ihres Außenseiterinnen-Status schmerzhaft bewusst und verflucht ihr Spiegelbild. Sie trägt herrschaftliche Roben, erfährt aber von einer farbigen Dienerin, wie sie ihre Haare kämmen muss. Um sich herum sieht sie nur Darstellungen von schwarzen, unterwürfigen Sklaven. Nur in ihrer Familie wird sie aufrichtig geliebt und akzeptiert: Ihr Großonkel adoptiert sie und gibt das Doppel-Porträt mit Elizabeth in Auftrag.

 

Kitschiges Finale

 

Zwar erzählt Regisseurin Asante auch eine Episode aus der Geschichte schwarzer Emanzipation, doch geht es in erster Linie um Didos Selbstfindung und ihre große Liebe – die ihre Halbcousine wahrscheinlich nie erleben wird. Finanzielle Unabhängigkeit gestattet Dido schließlich, ihren Gefühlen zu John Devinier nachzugeben, was das reichlich kitschige Finale halbwegs erträglich macht.


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