Vinko Brešan

Gott verhüte!

In göttlicher Mission unterwegs: Der junge Priester Fabian (Krešimir Mikić) und Petar, der Kioskbesitzer (Nikša Butijer). Foto: Neue Visionen Filmverleih
(Kinostart: 7.8.) Demographischer Wandel andersherum: Ein Insel-Pfarrer sorgt in seinem Dorf für einen überraschenden Baby-Boom. Der gottgefällige Kindersegen hat tragische Folgen. Anfangs amüsante, später klamaukige Kleriker-Komödie aus Kroatien.

Wenn die Sommertouristen abgereist sind, wird es verdammt ruhig auf der Insel von Pater Fabian (Krešimir Mikić) an Dalmatiens Küste. Keine Hochzeiten oder Taufen; nur die Alten kommen am Sonntag in den Gottesdienst oder zu den immer häufiger stattfindenden Begräbnissen. Dabei gibt es hier durchaus junge Menschen hier – nur machen die keine Anstalten, sich zu vermehren.

 

Info

 

Gott verhüte!

 

Regie: Vinko Brešan,

93 Min., Kroatien/Serbien 2013;

mit: Krešimir Mikić, Nikša Butijer, Marija Škaričić, Dražen Kühn

 

Website zum Film

 

Das geht nicht mit rechten Dingen zu, argwöhnt der Pater, und richtig: In der Beichte taucht der örtliche Kioskbesitzer Petar (Nikša Butijer) auf und entlastet seine Seele. Anstatt brav ihrer Christenpflicht zur Vermehrung nachzukommen, kaufen die Einwohner bei ihm Kondome en gros und haben einfach nur Spaß am Sex.

 

Kondome mit Nadeln durchlöchern

 

Pater Fabian wittert eine Chance, endlich gegen seinen beliebten Amtsvorgänger aufzutrumpfen und sein angeknackstes Ego aufzupolieren. Fortan durchlöchern Petar und er neu gelieferte Kondome haarfein mit einer Nadel, und der Insel-Apotheker verkauft anstelle Antibabypillen nur noch Placebos; alles im Namen des Herrn und des Bevölkerungswachstums. Die Erfolge zeigen sich neun Monate später, aber bringen nicht nur den gewünschten Wohlgefallen.


Offizieller Filmtrailer


 

Liebes-Diagramme + Loch-Automaten

 

Aus der aberwitzigen Grundkonstellation schlägt Regisseur Vinko Brešan einiges komödiantisches Kapital; ebenso aus der räumlichen Beschränkung auf ein verschlafenes Inselkaff. Wie die Vermehrungs-Verschwörer sämtliche amourösen Verbindungen der Inselbewohner auskundschaften und in einem verzwickten Diagramm festhalten, um womöglich hier und da einzugreifen, ist wirklich amüsant.

 

Ebenso hübsch ist der Einfall, eine alte Nähmaschine zum Loch-Automaten für Kondome umzufunktionieren. Nachdem das Zuwachsproblem gelöst scheint, fangen aber die Probleme erst an. Auch für das Drehbuch: Die flockig gestartete Komödie versandet zusehends in ziemlich flachem Witz.

 

Antiklerikale Pädophilie-Spitzen

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films "Ein griechischer Sommer" - griechische Insel-Komödie von Olivier Horlait mit Emir Kusturica

 

und hier einen Bericht über den Film "Cirkus Columbia"  - Tragikomödie über den Beginn des Bosnien-Kriegs von Danis Tanović

 

und hier einen Beitrag über den Film "Belgrad Radio Taxi"  - Tragikomödie aus Serbien von Srdjan Koljevic.

 

Für ein erzkatholisches Land wie Kroatien zieht Regisseur Brešan beim Thema Geburtenkontrolle ordentlich gegen die Kirche vom Leder. Als der Bischof nolens volens Ermittlungen gegen Fabian einleiten muss, fragt er den Pater zunächst besorgt, ob die Vorwürfe etwas mit kleinen Jungs zu tun haben – und stellt erfreut fest, dass es nur um ungewollte Schwangerschaften geht. Erleichtert braust er mit seiner Luxus-Yacht davon.

 

Bei solchen antiklerikalen Spitzen belässt es der Film nicht; er schwenkt im letzten Drittel noch in Richtung Tragödie. Zunächst klappt eine von Pater Fabian und Spießgesellen angebahnte Eheschließung nicht. Beide Gatten in spe sind kreuzunglücklich; der künftige Ehemann klettert betrunken auf einen Hafenmasten und klagt von dort aus eine ganze Nacht lang dem Inseldorf sein Leid.

 

Schöne Insel-Bilder

 

Dann wird noch ein Baby vor Fabians Tür ausgesetzt und muss mit passenden Eltern versorgt werden; eine mysteriöse Teenager-Schwangerschaft wirft noch schlechteres Licht auf die Kirche. Bei aller Sympathie für die etwas schlichten Charaktere des Films rutscht der doch allmählich in die Niederungen einer moralisierenden Klamotte ab.

 

Dazu passt ein Folklore-Soundtrack wie im Balkan-Restaurant. Für diese Mischung aus Klamauk, rabiater Kirchenkritik und menschelndem Familien-Drama entschädigen schöne Aufnahmen von Eiland und Mittelmeer. So bleibt dieser Film, der in Kroatien zum Publikumshit wurde, ein durchwachsener Genuss – der allerdings gehörig das Fernweh nach Insel-Sonnenuntergängen schürt.


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