Düsseldorf

Kunst und Alchemie – Das Geheimnis der Verwandlung

Neo Rauch: Goldgrube, 2007, Öl auf Leinwand, 80 x 160 cm. Foto: Uwe Walter, Berlin. Fotoquelle: Museum Kunstpalast, Düsseldorf

Kröten zu Gold destillieren und Schnaps aus Beuys‘ Fettecke brennen: Alchemisten können alles in anderes verwandeln. Welche Spuren diese Proto-Chemie in der Kunst hinterlassen hat, zeigt eine glänzend vermarktete Ausstellung im Museum Kunstpalast.

Den Stein der Weisen, wie man Besucher scharenweise in Ausstellungen lockt, hat das Museum Kunstpalast noch nicht gefunden; doch es macht große Fortschritte. Kleine Gold-Nuggets, die in der Stadt verteilt werden, sollen Neugierige magisch anziehen: Wer sie mitbringt, erhält ermäßigten Einlass.

 

Info

 

Kunst und Alchemie – Das Geheimnis der Verwandlung

 

05.04.2014 – 10.08.2014

täglich außer montags 

11 bis 18 Uhr,

donnerstags bis 21 Uhr 

im Museum Kunstpalast,

Ehrenhof 4-5, Düsseldorf

 

Katalog 29,90 €

 

Weitere Informationen

 

Dieselbe Vergünstigung genießen „Goldkehlchen“, die an der Kasse ein Lied anstimmen; etwa „Gold und Silber lieb‘ ich sehr“ – Noten liegen bereit. Wer sich eher von Instrumental-Klängen oder Düften verführen lässt, darf im Begleitprogramm einem Acoustic-Techno-Konzert oder dem Auftritt eines Parfümeurs lauschen. Und Freunde harter Sachen kamen Ende Juli auf ihre Kosten: Ein Künstler-Trio destillierte die Reste der berühmt-berüchtigten Fettecke von Joseph Beuys zu 80-prozentigem Alkohol. Er soll „nach Parmesan schmecken“.

 

Natur erforschen + Neues schaffen

 

Diese Schnapsidee sorgte nicht nur bundesweit für Schlagzeilen. Sie passt auch zur Grundaussage dieser Ausstellung: Alles hängt mit allem zusammen, und alles lässt sich in anderes verwandeln. Kunst und Alchemie seien beide bestrebt, die Natur zu erforschen und Neues zu erschaffen, heißt es: Das ist so zutreffend wie trivial. Aber die Verbindung reicht tiefer, wie das Museum mit rund 350 Exponaten aufzeigt – von der Antike bis zur Gegenwart.


Impressionen der Ausstellung; © IKS-Medienarchiv, Quadriennale Düsseldorf


 

Entdeckungen durch Scheitern machen

 

Was Künstler machen, ist geläufig. Das Treiben der Alchemisten ist dagegen in Vergessenheit geraten; bekannt blieb allenfalls, dass sie Gold herstellen wollten. Das versuchten sie so emsig wie vergeblich, und diese Erfolglosigkeit diskreditierte ihren Berufsstand: Sie galten meist als Scharlatane. Doch bei ihren endlosen Experimenten gewannen sie zahlreiche Einsichten, die oft in neue Entdeckungen und Erfindungen mündeten. Darum geht es in dieser Schau.

 

Sie fasst den Alchemie-Begriff sehr weit und betrachtet viele Phänomene, die heutzutage zur Chemie zählen. Mit einem entscheidenden Unterschied: Während die Chemie wie alle modernen Naturwissenschaften ihre Gegenstände analytisch auf Elemente reduziert und anschließend rekombiniert, dachten die Alchemisten völlig anders: in Symbolen, Analogien und Metaphern.

 

Erlösung des Besten aus der Natur

 

Für sie waren alle Stoffe in offensichtlichen oder geheimen Korrespondenzen aufeinander bezogen und mit dem übrigen Universum verbunden. So ordneten sie den wichtigsten Metallen je einen Himmelkörper zu. Alchemistische Praxis wurde als Reinigungsprozess aufgefasst: Es galt, den richtigen Urstoff (materia prima) zu finden und durch Behandlung mit Säuren, Feuer etc. minderwertige Bestandteile abzuscheiden. Dabei durchlief das Material verschiedene Stadien bis zur so genannten Transmutation: der Entstehung von Gold.

 

Dieses Stufenmodell vom Niederen zum Höchsten war analog zur christlichen Heilsgeschichte konstruiert: Wie Christus die Menschheit erlöst, befreit der Alchemist das Beste aus der Natur. Bis zur „chymischen Hochzeit“, der Vereinigung von Sonne und Mond, also des männlichen und weiblichen Prinzips – gern als Liebesakt von Mann und Frau dargestellt. Eines von vielen seltsamen Symbolen, mit denen die Alchemisten ihr Wissen weitergaben: So stand etwa eine Blut ausschwitzende Kröte für den zu reinigenden Urstoff.

 

Porzellan, Feuerwerke + Marmelade

 

Gold-Gewinnung blieb ein eitler Traum: Die Alchemie bekam höchstens gelb schimmerndes Silber hin. Quasi als Abfallprodukte erfand sie aber zahlreiche nützliche Dinge: von Metalllegierungen und Färbemitteln über Medikamente bis zu farbigem Glas und Porzellan. Die von Francesco I. de Medici 1586 in Florenz gegründete Gießerei (fonderia) in Florenz war Alchemie-Labor und Apotheke – zugleich auch für Feuerwerke, Zucker-Skulpturen und Marmeladen-Zubereitung zuständig.

 

Dieses Zeitalter wild herumprobierender Proto-Chemiker, die rätselhafte Traktate studierten und durch Versuch und Irrtum aus ihren Mixturen neues Material hervorzauberten, beschwört das Museum sehr gelungen herauf: mit bizarr illustrierten Schriften, alten Apparaturen und einer frühneuzeitlichen Kunstkammer voller Kuriosa von Riesen-Muscheln und -Korallen bis zu ausgestopften Kugelfischen. Was aber hat das mit Kunst zu tun?


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