Jemaine Clement + Taika Waititi

5 Zimmer Küche Sarg

Viago (Taika Waititi) steht auf. Foto: © Kane Skennar. Fotoquelle: Weltkino Filmverleih

(Kinostart: 30.10.) Neuseeland als Schattenreich: Die weltweit erste Doku über Vampire kommt aus dem Südpazifik. Dass auch eine Blutsauger-Hausgemeinschaft die üblichen WG-Probleme hat, walzen die Komiker Clement und Waititi mit derben Späßen aus.

Was für eine bizarre Begrüßung: „Hallo! Ich bin Zombie, das ist meine Freundin, sie ist ein Vampir. Was sind Sie?“ – „Ich bin Systemadministrator…“. Wer darüber lachen kann, dürfte seinen Spaß haben am weltweit ersten Dokumentarfilm über Vampire. Er wurde unter lebensgefährlichen Umständen für das gesamte Team gedreht: Alle Mitwirkenden mussten ständig Kreuze tragen und Spaghetti in Knoblauch-Öl essen.

 

Info

 

5 Zimmer Küche Sarg

 

Regie: Jemaine Clement + Taika Waititi,

85 Min., Neuseeland 2014;

mit: Jemaine Clement, Taika Waititi, Jonathan Brugh

 

Website zum Film

 

Ein Dokumentarfilm über den Lebensalltag von Vampiren? Kein Problem für die beiden neuseeländischen Komiker und Filmemacher Taika Waititi und Jemaine Clement mit Maori-Wurzeln. Sie haben ihren ersten gemeinsamen Spielfilm einfach als Doku inszeniert; samt improvisierten Dialogen, Texteinblendungen, nachgestellten Spielszenen und Interviews mit den Untoten.

 

Erotik von Rache + Allmacht

 

Die Idee ist reizvoll: Aus einem angesagten fantasy-Genre eine reality show zu machen, zeugt von wahrem Verständnis für Popkultur. Bücher, Filme und TV-Serien über Vampire boomen und betören vor allem Jugendliche. Unterschwellige Erotik, Rache- und Allmachtsphantasien, die Blutsauger auf der dunklen Seite des Daseins angeblich ausleben, wirken zeitlos unwiderstehlich und anziehend.


Offizieller Filmtrailer


 

Altersunterschied von 8000 Jahren

 

Für Liebhaber des Genres gibt es Anspielungen auf diverse Klassiker wie „Nosferatu“. Fans der „Twilight“-Filmreihe werden ebenfalls einiges aus ihren Lieblingsfilmen wiedererkennen, allerdings mehr als herzhafte Parodie, denn als Hommage: Es fehlen weder Werwölfe, die aus ihren Hosen platzen, noch die ständige Versuchung, mit der Vampire kämpfen. Sie endet in diesem Fall mit einer spritzenden Halsschlagader auf einem dadurch übel zugerichteten Sofa.

 

Die Protagonisten sind vier Vampire, die in einer WG zusammenleben. Ihnen macht der Altersunterschied von knapp 8000 Jahren zu schaffen; Diskussionen über den Abwasch (the bloody dishes) und herumliegende Knochen bleiben nicht aus. Schließlich bringt Neuzugang Nick, gerade frisch angebissen, moderne Errungenschaften in die WG.

 

Selfies statt Spiegelbild, Sonne bei YouTube

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „Only Lovers Left Alive“ – satirische Vampir-Liebesgeschichte von Jim Jarmusch mit Tilda Swinton

 

und hier einen Bericht über den Film „Abraham Lincoln Vampirjäger“History-Fantasy-Spektakel von Tim Burton

 

und hier einen Beitrag über den Film „Juan of the Dead“ – kubanische Zombie-Komödie von Alejandro Brugués.

 

Handys und Computer halten Einzug; die Jungs ersetzen ihr fehlendes Spiegelbild durch selfies und gucken sich Sonnenaufgänge auf YouTube an. Im Umgang mit high tech hilft ihnen Systemadministrator Stu, der beste Freund von Nick. Er ist ein normaler, recht appetitlicher Mensch, doch die Vampir-Clique garantiert seine Unversehrtheit, weil er so ein netter Kerl ist.

 

Doch es gibt auch Werwölfe in der Nachbarschaft, womit Ärger vorprogrammiert ist. Die Werwölfe sind die heimlichen Stars des Films: Gut aussehend, witzig und äußerst diplomatisch: „We are werewolves, not swearwolves“. In der deutschen Version wird daraus: „Wir sind Werwölfe, keine Streitwölfe.“ Da bleibt in der Synchronfassung viel Wort- und Sprachwitz auf der Strecke, was aber die jugendliche Zielgruppe kaum stören dürfte.

 

Ironie-Orgie mit albernem Charme

 

Warum der Film ab zwölf Jahren freigegeben wurde, ist allerdings rätselhaft; der Film spielt recht deftig mit Gruseleffekten. Als Scherze kann man sie nur auffassen, wenn man das Ganze als Ironie-Orgie versteht, deren alberner Witz trotz dramaturgischer Schwächen durchaus Charme hat. Andernfalls reduziert sich der Film auf ein paar derbe, unheimliche freaks, die Jugendliche meucheln.


Diesen Artikel drucken