Köln + Wien

Ludwig goes Pop

Tom Wesselmann: Great American Nude No. 98 (Detail); 1967, Öl auf Leinwand; © VG Bild-Kunst, Bonn. Fotoquelle: Museum Ludwig, Köln

50 Jahre Pop Art: Aus der größten deutschen Kollektion filtern Museum Ludwig und MUMOK Highlights, die überraschende Einsichten bieten. Diese Strömung war viel sperriger und hintergründiger, als meist angenommen – von wegen gefällige Deko-Kunst.

Pop Art erlebt gerade ein revival: Während die Frankfurter Schirn derzeit mit „German Pop“ deutsche Varianten dokumentiert, holt das Museum Ludwig in Köln zum Rundumschlag aus. „Ludwig goes Pop“ zeigt mehr als 150 Werke aus dem riesigen Erbe des Sammler-Magnaten Peter Ludwig (1925-1996), das auf 14 Museen in sechs Ländern verteilt ist. Eines von ihnen, das MUMOK in Wien, präsentiert die Ausstellung anschließend.

 

Info

 

Ludwig goes Pop

 

02.10.2014 – 11.01.2015

täglich außer montags

10 bis 18 Uhr,

donnerstags bis 20 Uhr

im Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, Köln

 

Katalog 38 €

 

Weitere Informationen

 

12.02.2015 – 13.09.2015
täglich 10 – 19 Uhr,

montags ab 14 Uhr,

donnerstags bis 21 Uhr

im Museum für Moderne Kunst (MUMOK), Museumsplatz 1, Wien

 

Weitere Informationen

 

Der Süßwarenfabrikant erwarb Pop Art ab Mitte der 1960er Jahre im großen Stil. 1969 wurde seine Kollektion aktueller Kunst in Köln erstmals öffentlich ausgestellt – und zum Publikumsmagneten mit 200.000 Besuchern. Der avantgardistisch gestaltete Katalog erlebte fünf Auflagen in einem Jahr. Dieser Erfolg bewogen Sammler und Stadt zur Gründung des Museums Ludwig, das 1976 eröffnet wurde; Pop Art war seine Initialzündung.

 

Pop als Museums-Erkennungsmelodie

 

Die Kuratoren nennen sie treffend die „Erkennungsmelodie“ des Hauses: Hier haben mehrere Generationen erlebt, wie zeitgenössische Kunst aussieht und interpretiert werden sollte. Jedes Schulkind kennt Andy Warhols Siebdrucke von Stars wie Marilyn Monroe und Elvis, seine Campbell-Suppendosen oder die gerasterten Cartoon-Motive von Roy Lichtenstein.

 

Man könnte nun den edlen Mäzen preisen, der sein Vermögen in erhabene Werke steckte und sie selbstlos der Allgemeinheit zugänglich machte. Um damit ebenso heutige art flippers zu geißeln – Zocker, die mit Kunst spekulieren, um Profite einzustreichen – wie öffentliche Einrichtungen, die ihren Fundus entrümpeln. Die NRW-Spielbanken, die jüngst zwei Warhol-Siebdrucke versteigern ließen, mussten dafür von Teilen der Presse viel Prügel einstecken.

Impressionen der Ausstellung


 

Von Geltungsdrang beseelter Großsammler

 

Man kann es aber auch lassen. Peter Ludwig war genauso von Geltungsdrang beseelt wie jetzige Großsammler – verständlich: Schokoladenherstellern errichtet man keine Denkmäler. Allerdings setzte sich Ludwig geschickt mit Kommunalpolitikern ins Benehmen. Seine weltweit errichteten Tempel für Gegenwartskunst waren stets joint ventures, keine Privatmuseen. Doch alle tragen seinen Namen.

 

Ihn trägt diese Ausstellung im Titel; an erster Stelle. Was unverschämt großspurig klänge, wäre es nicht völlig richtig: Peter Ludwig hat Pop Art in der Bundesrepublik popularisiert, und durch ihn haben die Westdeutschen sie für sich entdeckt – mithilfe seiner Sammlung. Da lohnt sich Jahrzehnte später eine Neubesichtigung: Was genau war eigentlich in den Augen von Peter Ludwig Pop Art? Erstens: fast nur Werke aus dem angelsächsischen Raum.

 

Anfänge Mitte der 1950er Jahre

 

Dabei überrascht, wie früh sie anfing: Die ältesten Arbeiten des Briten Richard Hamilton, der als „Erfinder der Pop Art“ gilt, stammen aus der Mitte der 1950er Jahre. In den USA experimentierten zur gleichen Zeit schon Jasper Johns und Robert Rauschenberg mit einfachen, gemalten Zeichen und Collagen aus Alltagsdingen.

 

Was eine Kulturrevolution auslöste, deren Wucht man sich heute kaum vorstellen kann. Kurz zuvor war noch die Kunstwelt von Abstraktem beherrscht: unübersichtlichen Farb- und Materialschlachten, deren Schöpfer und Deuter wie Hohepriester auftraten. Plötzlich tauchten banale, glatte, industriell gefertigte Formen und Objekte auf: Ausstellungen schienen sich in Verkaufsmessen für Handelsartikel zu verwandeln.


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