Woody Allen

Magic in the Moonlight

Stanley Crawford (Colin Firth) fühlt Sophie Baker (Emma Stone) auf den Zahn. © 2014 GRAVIER PRODUCTIONS, INC., Foto: Jack English, Fotoquelle: Warner Bros. Pictures Germany

(Kinostart: 4.12.) Nächste Station auf Woody Allens Europa-Tournee fürs Kino: Berlin und die Côte d’Azur in den 1920er Jahren. Ein stocknüchterner Magier verfällt einer bezaubernden Hellseherin – als süffiger Filmgenuss wie ein Stück Lieblings-Torte.

Jetzt wird’s zauberhaft: Man nehme ein solides Staraufgebot, die Sehnsucht weckende Kulisse der sommerlichen Côte d’Azur, die fotogenen 1920er Jahre, eine Prise Jazz und eine kleine, aber feine Geschichte rund um Liebe und Magie – voilà, ein neuer Woody-Allen-Film ist fertig!

 

Info

 

Magic in the Moonlight

 

Regie: Woody Allen,

97 Min., USA 2014;

mit: Colin Firth, Emma Stone, Marcia Gay Harden

 

Website zum Film

 

Diesmal begibt sich der 79-jährige workaholic in die Welt übersinnlicher Fähigkeiten und Zaubertricks. Tatsächlich weht eine Ahnung von echter Magie durch „Magic in the Moonlight“ – das liegt vor allem an den versierten Schauspielern; allen voran der charmanten Emma Stone, die in Colin Firth einen wunderbaren Gegenspieler und Herzensbrecher findet.

 

Chinesen-Zauber in Berlin

 

Berlin in der Weimarer Republik: Das Theater ist voll besetzt, die Zuschauer halten den Atem an. Der bärtige, chinesische Zauberer Wei Ling Soo lässt einen Elefanten verschwinden und zaubert sich selbst ans andere Ende des Raumes. Ein Hauch von geheimnisvollem glamour umgibt den gefeierten Unterhaltungs-Künstler.


Offizieller Filmtrailer


 

Hellseherin nimmt Pensionärinnen aus

 

Doch backstage verwandelt sich der Chinese in den schlecht gelaunten Engländer Stanley Crawford (Colin Firth), der seine wahre Identität vor der Öffentlichkeit verbirgt. Zwischen Geräten und Seilzügen, die seine Tricks erst ermöglichen, rüffelt Crawford seine Mitarbeiter: Hier geht es um harte Arbeit und Konzentration, um eine perfekte Illusion zu erzeugen; keineswegs um übersinnliche Zauberei. Die ist Crawford äußerst suspekt; er hat eine starke Abneigung gegen alles Spirituelle: Wahre Magie gibt es nicht.

 

Bereitwillig hilft er daher seinem Kollegen und Freund Howard Burkan (Simon McBurney) in einem speziellen Fall: An der Côte d’Azur treibt die vermeintliche Hellseherin Sophie (Emma Stone) ihr Unwesen. Sie nimmt angeblich Kontakt mit Verstorbenen auf und zieht damit älteren reichen Damen das Geld aus der Tasche.

 

Wissen, was keiner wissen kann

 

Auch die gut betuchte Familie Catledge hat sich von Sophie einwickeln lassen. Nun schickt sich Catledge Junior an, Sophie zu heiraten, was Burkan als Freund der Familie verhindern will. Stanley soll ihm helfen, die Dame zu enttarnen und sie loszuwerden.

 

Doch so einfach ist es nicht: Der eitle Stanley glaubt, er könne Sophie in Null Komma Nichts entlarven – und ist zunehmend verblüfft. Die junge Frau liest Gedanken und weiß Dinge über ihn, die niemand wissen kann; schließlich ist in Frankreich sein Beruf und seine Kunstfigur Wei Ling Soo völlig unbekannt.

 

Zauber der Welt durch rosarote Brille

 

Emma Stone spielt ihre Sophie mit so viel natürlichem Charme und unbedarfter Unschuld, dass man ihr genau wie Stanley sofort alles glauben möchte. Der raubeinige Charme von Colin Firth, die zart trotzige Mädchenhaftigkeit von Stone und der verbale Schlagabtausch zwischen ihnen – Dialoge, die so nur Woody Allen schreiben kann – runden sich zum süffigen Filmgenuss.

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „Plötzlich Gigolo“ – Komödie mit Woody Allen von John Turturro

 

und hier einen Bericht über den Film  “Blue Jasmine” – Tragikomödie von Woody Allen mit Cate Blanchett

 

und hier eine kultiversum-Lobeshymne auf  den Oscar-prämierten Film The King’s Speech – Die Rede des Königs  mit Colin Firth als George VI. von Tom Hooper

 

Stanleys Welt gerät aus den Fugen: Er verliebt sich in die schöne Frau, die für all das steht, was er stets ablehnte. Nun sieht er die Welt plötzlich mit anderen Augen: Überall erscheinen Magie und Zauber! Bereit, sein Weltbild über Bord zu werfen, schlägt er sich vorbehaltlos auf Sophies Seite: der Auftakt zu einer Reihe von Verwicklungen, Tricks und Täuschungen, die am Ende mit hübschen Volten aufgelöst werden.

 

Versatzstücke aus Europa-Filmen

 

„Magic in the Moonlight“ ist eine klassische Allen-Komödie; sie unterhält und verbindet solides Handwerk mit der Lust am Geschichtenerzählen. Seine ganz persönliche Handschrift hat hohen Wiedererkennungswert; das macht die Stärke seiner Filme aus und Fans seit Jahrzehnten glücklich.

 

Andererseits wird man das Gefühl nicht los, diesen Film so ähnlich schon einmal gesehen zu haben. „Magic in the Moonlight“ reiht sich ein in Woody Allens andere „europäischen Filme“. Versatzstücke erinnern an „To Rome with Love“ (2012), „Midnight in Paris“ (2011) und natürlich „Ich sehe den Mann deiner Träume“ von 2010: Da ging es um eine Wahrsagerin in London.

 

Kleine Pause vom Alltag

 

So mundet der neue Film von Allen wie ein Stück Torte vom Lieblingskonditor: Man freut sich über das lieb gewordene Geschmackserlebnis eines süßen Leckerbissens, genießt die kleine sorgenfreie Pause vom Alltag – ohne große Überraschungen oder Offenbarungen zu erwarten.


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