Jennifer Lawrence

Serena

George Pemberton (Bradley Cooper) zeigt seiner Frau Serena Pemberton (Jennifer Lawrence) sein Imperium. Foto: Studiocanal Filmverleih

(Kinostart: 18.12.) Lady Macbeth in North Carolina 1929: Ein Ehe-Drama unter Waldbaronen und Holzfällern verfilmt Regisseurin Susanne Bier als Schauerstück voller Neurosen und Wahnsinn. Am Ende steht der vernebelte Wald schwarz und schweiget.

Vor zwölf Jahren war die dänische Regisseurin Susanne Bier noch Dogmatikerin: Ihr Debütfilm „Für immer und ewig“ (2002) folgte dem puristischen Regelwerk ihres Landsmannes Lars von Trier. 2011 gewann ihr Familiendrama „In einer besseren Welt“ den Auslands-Oscar – was Bier ein Ticket nach Hollywood einbrachte. Nach der eher seichten Komödie „Love Is All You Need“ (2012) taucht die Regisseurin mit „Serena“ nun wieder in die Abgründe des Daseins ein – bei ihr meist das von Paaren.

 

Info

 

Serena

 

Regie: Susanne Bier,

109 Min., USA 2013;

mit: Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Rhys Ifans

 

Website zum Film

 

1929, zu Beginn der Great Depression, baut sich Unternehmer George Pemberton (Bradley Cooper) eine lukrative Holzplantage in den abgelegenen Smokey Mountains von North Carolina auf. Dabei träumt George von Brasilien, wo er ebenfalls Land besitzt. Als er die zupackende Serena (Jennifer Lawrence) kennen lernt, die zudem etwas vom Geschäft versteht, wird schnell geheiratet.

 

Gegen Umweltschützer + Sheriff

 

Die junge Frau stammt aus einer alten Holzfäller-Dynastie. Sie übernimmt bald das Ruder beim Holzeinschlag, während sich George mit Umweltschützern herumschlägt, die sein Waldgebiet zum Nationalpark machen wollen. Außerdem ist der örtliche Sheriff (Toby Jones) wegen undurchsichtiger Finanzen hinter ihm her.


Offizieller Filmtrailer


 

Adler gegen Klapperschlangen abrichten

 

Serena ficht das ebenso wenig an wie die Einsicht, dass ihr Gatte doch nicht so reich ist, wie er vorgab. Schließlich hegen beide den Traum vom unbeschwerten Leben in Brasilien. Dabei ist sie die treibende Kraft, was ihr den Respekt der Arbeiter einbringt. So richtet Serena eigenhändig einen Adler zur Jagd ab, der Klapperschlangen in Schach halten soll. Das Paar ist rundum glücklich.

 

Als Serena jedoch erfährt, dass George die einzige junge Frau weit und breit geschwängert hat, bekommt ihre Ehe die ersten Risse. Zudem ruft die Abgeschiedenheit der Bergkette bei ihr wieder Erinnerungen an ihre tragische Familiengeschichte wach: Serena war als kleines Mädchen die einzige Überlebende bei einem Brand in ihrem Elternhaus. Daran fühlt sie sich immer noch schuldig. Nun hofft sie, ihr eigenes Kind, das sie erwartet, werde ihr Glück perfekt machen.

 

Berg-Western mit Thriller-Elementen

 

Allerdings werden die Ermittlungen des Sheriffs gegen George zur Bedrohung; deshalb lässt Serena ihn einschüchtern. Dabei wird Vorarbeiter Galloway (Rhys Ifans) zum skrupellosen Erfüllungsgehilfen. Dann erlebt sie eine dramatische Fehlgeburt; danach steigert sie sich in paranoiden Hass gegen die Mutter von Georges anderem Kind hinein. Serena will die vermeintliche Konkurrentin loswerden – rasch gerät die Situation außer Kontrolle.

 

Den 2008 veröffentlichten Roman von Ron Rash verfilmt Susanne Bier als Berg-Western mit Thriller-Elementen: Im düsteren Nirgendwo endloser Wälder haben diverse Neurosen und andere Charakter-Defizite viel Raum, um sich zu entfalten. Mit viel Sorgfalt malt die Regisseurin das einfache, raue Leben in mehr oder weniger gut ausgestatteten Blockhäusern aus.

 

Jennifer Lawrence wütet wie eine Irre

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films Love Is All You Need – beschwingte Sommerkomödie von Susanne Bier mit Pierce Brosnan

 

und hier einen Bericht über den Film Der Dieb der Worte – Hochstapler-Thriller mit Bradley Cooper von Brian Klugman + Lee Sternthal

 

und hier einen Beitrag über den Film Der große Gatsby  – Roman-Verfilmung über die „Roaring Twenties“ in den USA von Baz Luhrmann mit Leonardo DiCaprio.

 

Selten verirren sich Sonnenstrahlen zwischen die hohen Bäume, die im Lauf der Jahreszeiten dem Geschehen quasi als Zuschauer beiwohnen. Zudem macht das „Rauchige Gebirge“ mit ständig waberndem, schön ins Bild gerückten Nebel seinem Namen alle Ehre. Vor dieser majestätischen Kulisse zeigt die Riege von Star-Schauspielern den Willen zum großen Drama. Sie erhalten reichlich Gelegenheit, aus sich herauszugehen, was mitunter arg theatralische Züge annimmt.

 

Vor allem Jennifer Lawrence, die mit den „Tribute von Panem“- und „X-Men“-Serien zum Hollywood-Superstar wurde, scheint es zu genießen, wie eine Irre wüten zu können. Damit empfiehlt sie sich als Lady Macbeth-Kandidatin für Shakespeare-Inszenierungen.

 

Treuherzig gucken reicht nicht

 

Bradley Cooper, ihr Psycho-Liebespartner in „Silver Linings“, macht dagegen das, was er immer tut: treuherzig gucken, um Sympathie-Punkte zu sammeln. Diesmal ist er auf dem Holzweg: Als doppelt blauäugiger Ehemann hat er zwar eine aussichtsreiche Vision, doch zu viele Bedenken, um wirklich erfolgreich zu sein.

 

Das könnte durchaus spannend sein, würde sich Regisseurin Bier nicht viel zu sehr auf Serenas Wahnsinn konzentrieren. Aufkommender Naturschutz, der Georges Pläne durchkreuzt, oder die Figur des Vorarbeiters sind interessante Nebenstränge, die aber schnell ins Nichts verschwinden. Sie bleiben Dekor für ein Beziehungsdrama ohne happy end, das hübsch anzusehen ist, doch zu sehr an der Oberfläche verharrt. Und ins Schauermärchen umschlägt: Serena geht buchstäblich über Leichen. Am Ende sind fast Alle tot, und der Wald steht schwarz und schweiget.


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