Joël Vanhoebrouck

Brasserie Romantiek – Das Valentins-Menü

Der Chef Angelo (Axel Daeseleire) probiert einen Wein für die Stammgäste Paul (Filip Peeters) und Roos (Barbara Sarafia). Foto: © Rendezvous Filmverleih

(Kinostart: 12.2.) Die ganze Speisekarte des Liebeslebens an einem Abend: Der belgische Regisseur Joël Vanhoebrouck tischt eine delikat zubereitete Gastro-Komödie auf, indem er das Publikum alle Tischgespräche im Restaurant belauschen lässt. Bon Appetit!

Der Valentinstag mag eine Erfindung der Blumenhändler und Schokoladen-Hersteller sein – doch längst erwarten viele Menschen an diesem Tag von ihrem Partner einen Liebesbeweis. Der vom Kalender verordnete Romantik-Tag verspricht nicht nur langjährigen Partnern eine kurze Flucht aus dem Alltag und Singles die Chance auf einen Neuanfang in Liebesdingen. Auch Filmemacher nutzen diese Gelegenheit, Zuschauer anzulocken, die unter Zugzwang stehen, einen passenden Film für ihr date auszusuchen.

 

Info

 

Brasserie Romantiek – Das Valentins-Menü

 

Regie: Joël Vanhoebrouck,

102 Min., Belgien 2013;

mit: Filip Peeters, Koen De Bouw, Barbara Sarafian 

 

Weitere Informationen

 

Der belgische Film „Brasserie Romantiek“ kommt pünktlich zum Valentinstag ins Kino und bietet dafür maßgeschneiderte Unterhaltung. Regisseur Joël Vanhoebrouck macht handwerklich alles richtig: Vier verschiedene Episoden über Liebe, Sehnsucht und Romantik werden mit einigen Nebensträngen verwoben; sie decken die ganze Palette der Gefühle ab.

 

Spaß mit kantigen Figuren

 

Mal heiter, mal tragisch, skurril oder sehnsuchtsvoll: Hier ist für jeden Romantiker und Sehnsüchtigen etwas dabei. Auch wenn gängige Klischees aus dem Genre des „kulinarischen Kinos“ vorkommen und der Film nicht bahnbrechend originell ist, punktet Vanhoebrouck doch mit Figuren, deren Ecken und Kanten Spaß machen.


Offizieller Filmtrailer


 

Selbstmotivation auf der Herrentoilette

 

Das kleine Bistro „Brasserie Romantiek“ von Pascaline (Sara De Roo) und Angelo (Alex Daeseleire) in Gent ist ausgebucht. Alle Tische haben Paare reserviert, die hier den Abend des Valentinstags mit einem romantischen candle light dinner genießen wollen. Im gediegenen Gastraum herrscht gedämpft festliche Stimmung, in der Küche geht es laut und hektisch zu. In Echtzeit begleitet der Film die Wirtsleute, ihre Angestellten und Gäste durch diesen Abend.

 

Bei Roos (Barbara Sarafian) und Paul (Filip Peeters), seit langem verheiratete Stammgäste, will Abend so gar nicht romantisch werden. Der junge, verklemmte Walter hat ein blind date und bekommt vor Aufregung kein Wort heraus. Er verschwindet immer wieder auf die Herrentoilette, um sich vor dem Spiegel Mut zu zusprechen.

 

Im Gastraum brodelt Atmosphäre

 

Am Nachbartisch sitzt Mia; sie hatte für zwei Personen reserviert, ist aber allein gekommen. Offensichtlich braucht sie Trost und eine neue Perspektive. Da kommt der smarte Kellner Lesley (Wouter Hendrickx), der sonst nicht viel für Romantik übrig hat, gerade richtig.

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „Madame Mallory und der Duft von Curry“ – Bestseller-Verfilmung von Lasse Hallström mit Helen Mirren

 

und hier einen Bericht über den Film “Lunchbox” – indisches Kulinarik-Melodram von Ritesh Batra mit Irrfan Khan

 

und hier einen Beitrag über den Film „The Broken Circle“ – bewegendes Melodram unter Aussteigern in Belgien von Felix van Groeningen.

 

An den übrigen Tischen im Hintergrund sitzen weitere Paare; in kleinen Szenen geben sie Einblicke in ihre Beziehungen und verursachen die eine oder andere Turbulenz. Die Kamera wechselt von Tisch zu Tisch, folgt dem Kellner in die hektische Küche und wieder zurück ins Restaurant; dort brodelt es nur so vor emotionalen Spannungen und geplatzten Erwartungen. Der Zuschauer wird zum Zaungast: Unverholen kann man alle Anwesenden beim Turteln oder Streiten beobachten, als säße man selbst am Nebentisch.

 

Alles im Blick wie guter Kellner

 

Gewöhnlich meistert Chefin Pascaline solche Abende routiniert und beherrscht. Doch an diesem Abend steht plötzlich ihre alte Liebe Frank vor der Tür. Er will sie nicht nur zurückgewinnen; sie soll überdies noch an diesem Abend mit ihm nach Argentinien auswandern. Das bringt die Küche ordentlich durcheinander; Hilfskoch Kevin verpasst immer wieder den richtigen Moment, um Tellerwäscherin Ingrid zu fragen, ob sie mit ihm ausgehen will.

 

Die einzelnen Episoden sind dicht erzählt und eng miteinander verwoben, wobei Regisseur Vanhoebrouck gut die Balance wahrt: Wie ein guter Kellner behält er stets den ganzen Raum im Blick. Neben dem Schauspieler-Ensemble, das sichtlich alle Facetten des Liebeslebens freudig auslotet, sind es vor allem liebevoll gezeichnete Figuren, die den Film trotz aller Klischees lebendig halten. Sie glänzen mit leicht schrulligem belgischen Humor: eine erfrischende Abwechslung zu glatten US-romcoms, die meist bar jeder Ironie daherkommen.


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