Oscar Isaac

Ex Machina

Die Roboterfrau Ava (Alicia Vikander). Foto: Universal Pictures.

(Kinostart: 23.4.) Zum Stelldichein mit der Roboterfrau: Ein Programmierer soll herausfinden, ob die bildschöne Maschine menschliches Bewusstsein besitzt. Sein Regiedebüt legt Science-Fiction-Drehbuchautor Alex Garland als subtiles Kammerspiel an.

Nach dem action trash-Spektakel „Chappie“ Anfang März kommt mit „Ex Machina“ schon der nächste science fiction-Film ins Kino, dessen Hauptdarsteller eine intelligente Maschine ist. Doch während „Chappie“ eine punkige Variante von künstlicher Intelligenz (KI) feierte, ist „Ex Machina“ ein über weite Strecken zurückhaltendes Kammerspiel. Beide Filme verbindet jedoch ihre kluge Auseinandersetzung mit dem Thema KI und menschliches Bewusstsein.

 

Info

 

Ex Machina

 

Regie: Alex Garland,

108 Min., Großbritannien 2015;

mit: Oscar Isaac, Domhnall Gleeson, Alicia Vikander, Sonoya Mizun

 

Website zum Film

 

Der 24-jährige Web-Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) gewinnt in einem Wettbewerb seiner Firma einen einwöchigen Aufenthalt im Domizil von Konzernchef Nathan (Oscar Isaac). Fernab der Zivilisation lebt und arbeitet dieser in einer high tech-Villa in den Bergen inmitten atemberaubender Natur.

 

Warnung beim Stromausfall

 

Der Boss braucht seinen Mitarbeiter für ein besonderes Experiment: Caleb soll herausfinden, ob die von Nathan konstruierte Roboterfrau Ava (Alicia Vikander) menschliches Bewusstsein besitzt. Ava ist ein schönes, sensibles und sympathisches Geschöpf. Sie und der schüchterne IT-nerd Caleb kommen sich rasch näher. Nathan überwacht ihre Gespräche per Kamera. Doch bei plötzlichen Stromausfällen können sich beide unbeobachtet austauschen. Dabei warnt Ava Caleb vor Nathan.


Offizieller Filmtrailer


 

Rückgriff auf den Turing-Test

 

„Ex Machina“ ist das Regie-Debüt des Briten Alex Garland. Er schrieb 1996 seinen ersten Roman „The Beach“, der vier Jahre später von Danny Boyle mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle verfilmt wurde. Seither hat Garland zwei weitere Romane und vier Drehbücher für Horror- und science fiction-Filme verfasst.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen des Genres setzt Garland bei „Ex Machina“ nicht auf Überwältigung durch überbordende visuelle Effekte, sondern auf eine durchdachte Story. Der Kern der Geschichte ist ein „Turing Test“. Das von Computer-Pionier Alan Turing – dessen Leben kürzlich in „The Imitation Game“ verfilmt wurde – erdachte Verfahren dient dazu, Maschinen zu testen, ob sie über menschliches Bewusstsein verfügen.

 

Mensch als Schiedsrichter für Bewusstsein

 

Beim Turing-Test interagiert ein Mensch mit einem unsichtbaren Partner, von dem er nicht weiß, ob es sich um einen Menschen oder Computer handelt. Wenn die Antworten und Reaktionen des Partners nicht von denen eines Menschen unterschieden werden können, wird ihm menschliches Bewusstsein zugesprochen.

 

Konstrukteur Nathan variiert den Test im Film: Caleb weiß von Anfang an, dass er es mit einem Roboter zu tun hat. Wenn er trotzdem zu der Überzeugung gelangen sollte, dass Ava über ein menschliches Bewusstsein verfügt – wäre das nicht der perfekte Turing-Test?

 

Zuschauer als Test-Teilnehmer

 

Das Konzept des Turing-Test ist Alex Garland wohl vertraut. Er baut seinen Film um die einzelnen Versuchs-sessions herum auf, was zunächst fast ein wenig spröde wirkt. Doch die Handlung zieht den Zuschauer immer mehr in ihren Bann: Er wird selbst zum Teilnehmer am Turing-Test – mit einer Maschine, die so sexy ist, dass kein Computer mithalten kann.

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „Chappie“intelligente Sci-Fi-Komödie über einen kreativen Roboter von Neill Blomkamp

 

und hier einen Bericht über den Film “Jupiter Ascending” – Science-Fiction-Epos von Lana + Andy Wachowski über die Rettung der Menschheit

 

und hier einen Beitrag über den Film “The Zero Theorem – Das Leben passiert jedem” – sarkastische SciFi-Groteske von Terry Gilliam.

 

Das funktioniert dank guter Darsteller hervorragend. Mit ihnen wird „Ex Machina“ zu einem überzeugenden Psychodrama, das sich am Ende in einen Thriller verwandelt. Die ruhige Dramaturgie wird visuell durch stilvolle Zurückhaltung in der Ausstattung unterstrichen. Das nüchtern moderne Design der Villa steht in starkem Kontrast zur wilden Natur, die sie umgibt. Darin spiegelt sich visuell die zentrale Auseinandersetzung zwischen organischem Leben und künstlicher Technik.

 

Gewichte stemmen + Saufen

 

Der einzige Störfaktor im stimmigen Ganzen ist Nathan, den Oscar Isaac verkörpert. Der Schauspieler wurde einem größeren Publikum in der Hauptrolle von „Inside Llewyn Davis“ der Coen-Brüder bekannt – als rettungslos erfolgloser Folk-Musiker. Derzeit ist er in „A Most Violent Year“ von JC Chandor im Kino zu sehen: als souveräner Unternehmer, der alle Widrigkeiten meistert.

 

Nun spielt Isaac in „Ex Machina“ ein IT-Genie als cleveren Proleten, der seine Freizeit mit Gewichte stemmen und Saufen verbringt. Mit arrogantem Gerede, das cool klingen soll, sprengt er immer wieder das subtile Gesamtkonzept. Doch vermutlich wollte Garland damit erreichen, dass sein Film nicht zur trockenen Versuchsanordnung gerät – was ihm nahezu perfekt gelungen ist.


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