Helen Mirren

Die Frau in Gold

Maria Altmann (Helen Mirren) und ihr Anwalt Randy Schoenberg (Ryan Reynolds) erhalten Klimts Gemälde zurück. Foto: SquareOne Entertainment

(Kinostart: 4.6.) Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Der Fall um die Rückgabe von Klimt-Gemälden, die Nazis österreichischen Juden geraubt hatten, an ihre Erbin zog sich jahrelang hin. Regisseur Curtis macht daraus Talmi nach Hollywood-Geschmack.

Der Fall um die Rückgabe des Bildes „Die Frau in Gold“ und weiterer Gemälde des Jugendstil-Künstlers Gustav Klimt an die Erbin der rechtmäßigen Besitzer hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Dabei ging es nicht einfach nur um Restitution von zu Unrecht beschlagnahmten Kulturgütern. Er zeigte das ganze Ausmaß an Ungerechtigkeiten, die Nazis den jüdischen Besitzern angetan hatten.

 

Info

 

Die Frau in Gold

 

Regie: Simon Curtis,

110 Min., USA/ Großbritannien 2015;

mit: Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl

 

Website zum Film

 

Zugleich war auch der österreichische Staat herausgefordert, sich dem unrühmlichen Teil seiner Vergangenheit zu stellen. Klar, dass so ein Stoff in Hollywood nicht lange unentdeckt bleibt. Nun versucht der britische Regisseur Simon Curtis („My Week with Marilyn“) mit großem Star-Aufgebot, die komplizierte Geschichte massenkompatibel aufzubereiten.

 

Acht Jahre Streit um Adele

 

Ab 1998 zog sich der Fall vor Gericht fast acht Jahre lang hin. Er wurde in den USA von Instanz zu Instanz weitergereicht, bis schließlich ein Schiedsgericht in Österreich zugunsten der Klägerin Maria Altmann entschied. Sie war die Nichte von „Adele Bloch-Bauer“, so der ursprüngliche Titel des Bildes: das Porträt einer Dame im prunkvollen Gold-Ornat.

Offizieller Filmtrailer


 

Lauder kaufte Bild für 135 Millionen

 

Altmann gab dem Drängen der Regierung nicht nach, die „österreichische Mona Lisa“ in der Galerie des Belvedere in Wien hängen zu lassen. Sie verkaufte das Bild für 135 Millionen US-Dollar an den Kosmetik-Magnaten Ronald Lauder – unter der Bedingung, dass er es in seiner New Yorker Galerie für jedermann zugänglich ausstelle.

 

Diese verzwickte story in knapp zwei Stunden Film unterzubringen, ist nicht einfach. Darüber hinaus will Regisseur Curtis auch die Geschichte der Bloch-Bauers erzählen, einer alteingesessenen jüdischen Bildungsbürger-Familie in Wien, dazu noch Österreichs „Anschluss“ ans Deutsche Reich 1938 und die einsetzende Verfolgung von Juden.

 

Schönberg-Enkel als Rechtsanwalt

 

Das geht nicht ohne radikale Verknappungen; Drehbuchautor Alexi Kaye Campbell nimmt sich einige dichterische Freiheiten. Dabei hat er vieles arg an Hollywood-Klischees angepasst und Fakten verdreht, wie die österreichische Zeitung „Der Standard“ vor wenigen Tagen auflistete. Was man vernachlässigen könnte, wäre der Film in sich plausibel; doch er fokussiert allzu sehr auf zwei all american heroes.

 

Zum einen Maria Altmann (Helen Mirren), die 1938 unter Lebensgefahr vor den Nazis aus Wien in die USA geflohen war; sie hatte in Kalifornien eine neue Heimat gefunden. Ihr zur Seite steht der junge Anwalt Randol Schoenberg (Ryan Reynolds). Er ist der Enkel des Komponisten Arnold Schönberg; der Erfinder der Zwölftonmusik war ein Freund der Bloch-Bauers.

 

Frostiger Empfang in Wien

 

Die Flucht ihrer Familien in die Vereinigten Staaten ist zunächst das einzige, was das ungleiche Gespann verbindet. Nachdem Altmann im Nachlass ihrer Schwester Briefe über die Klimt-Gemälde gefunden hat, fragt sie den noch unerfahrenen Anwalt um Rat; der wittert bei einem geschätzten Streitwert von mehr als 100 Millionen US-Dollar ein saftiges Honorar. Da ist von Wiedergutmachung noch keine Rede.

 

Die alte Dame will eigentlich nur Gerechtigkeit, rechnet sich aber geringe Chancen aus. Als beide nach Wien reisen, werden sie von den österreichischen Behörden sehr frostig empfangen. Das bestärkt sie in ihrem Beschluss, das Bild von Marias Tante wieder in Familienbesitz zu bringen. Ihr einziger Unterstützer in Österreich ist der Ex-Herausgeber des Polit-Magazins „Profil“, Hubertus Czernin (Daniel Brühl).

 

Kulturbeamten als tumbe Knallchargen

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier den Artikel „Faktentreue ist eine schlechte Dramaturgin“ über „Die Frau in Gold“ aus der Zeitung „Der Standard“ vom 29.05.2015

 

und hier eine Besprechung des Films „The Monuments Men“NS-Raubkunst-Komödie von und mit George Clooney

 

und hier einen Bericht über den Film “Trance – Gefährliche Erinnerung”  – Psycho-Thriller über Kunstraub unter Hypnose von Danny Boyle

 

und hier einen Beitrag über den Film “My Week With Marilyn” von Simon Curtis über Marilyn Monroe.

 

Der Film will glauben machen, Czernin habe auf diese Weise die Nazi-Vergangenheit seines Vaters sühnen wollen, die ihm damals noch gar nicht bekannt war. Dagegen wird seine federführende Rolle heruntergespielt: Er trieb den entscheidenden Nachweis auf, dass ihr Onkel seine Klimt-Gemälde Maria und ihrer verstorbenen Schwester vermacht hatte.

 

Im Film ist Czernin nur ein hilfreicher Freund, der dem Duo Maria und Randol gegen die Front sturer und feindlicher Wiener Bürokraten beisteht. Regisseur Curtis stellt sich völlig auf die Seite Altmanns, ohne die Motive der österreichischen Seite zu beleuchten, das prominente Gemälde im Land zu halten – die Kulturbeamten werden durchweg als tumbe Knallchargen dargestellt.

 

Zwischen drei Genres lavieren

 

Fast können einem dabei die deutschen Stars leid tun, die dafür verheizt werden; etwa Justus von Dohnányi als intriganter Museumsdirektor. Oder Tom Schilling, der in den opulent ausgestatteten Rückblenden nach dem Einmarsch der Deutschen als fieser Nazi-Scherge auftaucht. Untermalt von zuckrig orchestraler Musik laviert der Film zwischen Gerichtsfilm, Historiendrama und buddy movie – und kann daher nur an der Oberfläche kratzen.

 

Fans von Helen Mirren, die mit braunen Kontaktlinsen und Dauerwellen-Perücke immer noch eine gute Figur macht, kommen definitiv auf ihre Kosten: Sie spielt ihren Film-Partner Reynolds glatt an die Wand. Dessen reales Vorbild hat übrigens ein Vermögen verdient. Schoenberg erhielt allein vom Erlös für „Die Dame in Gold“ 40 Prozent; vier weitere Klimt-Gemälde wurden für insgesamt fast 200 Millionen Dollar versteigert. Wer mehr über die tatsächlichen Hintergründe der Affäre erfahren will, sollte sich also anderweitig informieren: etwa mit der sachlichen Doku „Stealing Klimt“ (2007) von Jane Chablani.


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