Ridley Scott

Der Marsianer – Rettet Mark Watney

Mark Watney (Matt Damon) mit seinem Marsmobil . Foto: © 2015 Twentieth Century Fox

(Kinostart: 8.10.) Robinsonade eines Marsmenschen: „Alien“-Regisseur Ridley Scott setzt Matt Damon auf dem roten Planeten aus und lässt ihn zweieinhalb Stunden lang auf Rettung hoffen. In diesem Weltraum-Epos passiert realistischerweise nicht viel.

Ridley Scott, den Regisseur von „Alien“ (1979) und „Prometheus – Dunkle Zeichen“ (2012) zieht es wieder hinaus in die Weiten des Weltalls. Diesmal allerdings nur bis zum Mars, wo Astronaut Mark Watney (Matt Damon) unter Scotts Regie seine Robinsonade erlebt. Dort kommt er mit einer fünfköpfigen US-Raummission an.

 

Info

 

Der Marsianer – Rettet Mark Watney

 

Regie: Ridley Scott,

141 Min., USA 2015;

mit: Matt Damon, Jessica Chastain, Kristen Wiig

 

Website zum Film

 

Nach einem Sandsturm halten ihn sein Kollegen für tot und treten die Rückreise ohne ihn an. So muss sich der zurückgelassene Watney auf ein paar Jahre Einsamkeit einstellen. Es gelingt ihm, die NASA auf sein Schicksal aufmerksam zu machen; sie setzt Rettungsmaßnahmen in Gang. Doch der Mars ist weit. Um zu überleben, bis Hilfe eintrifft, lässt sich Watney allerhand einfallen – zum Beispiel pflanzt er Kartoffeln in der Raumsonde an, die er mit eigenen Exkrementen düngt.

 

Wie Tom Hanks als Pazifik-Insulaner

 

Bis zum finalen rendez-vous mit seinen Rettern im Mars-Orbit ist das die ganze Handlung des neuesten Weltraum-blockbuster. Wie Tom Hanks als Einsiedler auf einer Südsee-Insel in „Cast Away – Verschollen“ (2000) muss Damon die schauspielerische Hauptlast schultern – nur agiert er meist im Raumanzug.

Offizieller Filmtrailer


 

Tom Cruise hätte das auch gekonnt

 

Er braucht auch keinen Volleyball zur Unterhaltung wie Hanks, denn Watney hat eine Bord-Kamera, der er seine Logbuch-Einträge diktiert: the medium is the massage. Das erklärt wohl auch, warum er in seiner Isolation nicht wahnsinnig wird, sondern auch nach heftigen Rückschlägen schnell wieder der Alte ist: augenzwinkernd, improvisierend und schließlich triumphierend. Matt Damon eben. Tom Cruise hätte man auch nehmen können.

 

Während der erste Mars-Kolonist also dank angewandter Pioniertugenden überlebt, bastelt die NASA mit militärischem Ehrbewusstsein daran, dass kein Astronaut auf dem Schlachtfeld zurückgelassen wird. Das gehorcht eingeübten Drehbuch-Standards so mechanisch, dass es kaum interessant wird: Der Film hat außer dem Offensichtlichen wirklich nichts zu erzählen.

 

Mars-Panoramen aus Jordanien

 

Regisseur Scott begnügt sich mit immensen Schauwerten: Panorama-Ansichten der zerklüfteten Mars-Landschaft in 3D, die in Jordanien aufgenommen wurden, und space action bei Schwerelosigkeit. Figuren werden da schnell zu Ornamenten. Und da der Film keine Menschheits-Fragen aufwirft, drängen sich während seiner beträchtlichen Länge ganz andere auf.

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „Interstellar“Science-Fiction-Epos von Christopher Nolan

 

und hier einen Beitrag über den Film „Chappie“Science-Fiction-Komödie von Neill Blomkamp

 

und hier einen Bericht über den Film “Prometheus – Dunkle Zeichen”Science-Fiction-Epos über Alien von Ridley Scott

 

Zum Beispiel: Ob Chinas Rolle im Drehbuch – die Chinese National Space Agency hilft der NASA mit high tech aus – durch die Beteiligung chinesischer Investoren bedingt ist? Oder ob der Film so seltsam leblos wirkt, weil alle Mitwirkenden von vorneherein wussten, dass hier schlicht die spektakuläre Erfolgsformel von Alfonso Cuaróns „Gravity“ (2013) mit sieben Oscars und mehr als 700 Millionen Dollar Einspielergebnis wiederholt werden soll?

 

Commander lässt disco hits dudeln

 

Oder: Wer um Himmels willen ist bei der NASA dafür verantwortlich, dass die Behörde häufiger als blockbuster-Sponsor von sich reden macht – zuletzt als Hoffnung der leidenden Menschheit in „Interstellar“ (2013) von Christopher Nolan – als durch tatsächliche Erfolge in der Weltraumfahrt? Oder die Frage, ob bei NASA-Missionen wirklich allein der Commander bestimmt, welche Musik auf der Kommandobrücke gespielt wird – Jessica Chastain lässt nur 1980er-Jahre-disco hits dudeln.

 

Was alle realen künftigen Mars-Missionen betrifft, sendet dieser Film keine besonders ermutigenden Signale: Der Mars hat nicht viel zu bieten, außer ein paar tausend Möglichkeiten zu sterben. Dass sich ein Normalsterblicher dabei so elegant aus der Affäre ziehen kann wie Matt Damon – das glaubt nun wirklich keiner.


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