John Travolta

Criminal Activities

Eddie (John Travolta) und sein Handlanger Gerry (Jackie Earle Haley) Foto: © Tiberius Film

(Kinostart: 31.3.) Verbrechen will gelernt sein: Vier Amateure versuchen, mit Kidnapping ihre Mafia-Schulden loszuwerden − vergeblich. Die Gangster-Komödie von Regisseur Jackie Earle Haley glänzt mit stilvollen Genre-Konventionen und erstaunlicher Auflösung.

Hätten sie ihr Verbrechen doch besser Profis überlassen! Vier ehemalige Klassenkameraden legen sich versehentlich mit der Mafia an; um ihre Schulden zu begleichen, müssen sie einen waschechten gangster entführen. Mit mehr Glück als Verstand gelingt es ihnen zwar, den Auftrag auszuführen − doch ihre Unerfahrenheit und flatternden Nerven lassen sie von einer Krise in die nächste taumeln.

 

Info

 

Criminal Activities

 

Regie: Jackie Earle Haley,

94 Min., USA 2015;

mit: John Travolta, Michael Pitt, Dan Stevens

 

Weitere Informationen

 

Mit viel schwarzem Humor, Macho-Gehabe, coolen Dialogen und genre-Zitaten gelingt Regisseur Jackie Earle Haley mit „Criminal Activities“ eine solide Gaunerkomödie, deren Handlung manche Haken schlägt. Fans von heist films, in denen es um die Durchführung eines spektakulären coup geht, kommen voll auf ihre Kosten.

 

Treffen bei Trauerfeier

 

Eine Beerdigung führt sie wieder zusammen: Vier ehemalige Kumpels aus highschool-Tagen genehmigen sich nach der Trauerfeier für ihren gestorbenen buddie Matthew noch einen drink. Wirklich erfolgreich ist keiner der thirtysomethings: Zach (Michael Pitt) macht immer noch auf großen Macker, ist aber nur ein kleiner Anlageberater geworden.

Offizieller Filmtrailer


 

Vom Leichenschmaus zur Börse

 

Schluckspecht Warren (Christopher Abbott) ist schon seit 22 Tagen trocken, aber wie immer notorisch pleite. Bryce (Rob Brown) ist der schweigsame gentleman des Quartetts: Er träumt vom schnellen Geld und hat einen dubiosen insider-Tipp parat. Schließlich ist da noch rich kid Noah (Dan Stevens): Er war schon immer der unbeholfene Außenseiter der Gruppe, auf dessen Kosten alle Scherze gehen.

 

Mit dem guten Vorsatz, alle Chancen im Leben zu nutzen, endet der Leichenschmaus mit einer irrwitzigen Idee: Der Anlage-Tipp von Bryce soll sie alle an der Börse reich machen. Noah besorgt das Startkapital von 200.000 Dollar, danach wird redlich geteilt − ein todsicherer Plan!

 

Entführung als Gegengeschäft

 

Natürlich geht er schief, und danach fängt es richtig an. Das Geld ist weg − es dauert nicht lange, bis Mafiaboss Eddie (John Travolta) die überforderten Pleitegeier kontaktiert. Er hatte die Summe Noah geliehen: Zur Überraschung seiner drei compagnons stehen sie nun alle vier bei Eddie derart tief in der Kreide, dass sie sich notgedrungen auf ein Gegengeschäft einlassen müssen. Um seine entführte Nichte freizupressen, sollen sie den schwarzen Gangster Marques (brillant affektiert: Edi Gathegi) kidnappen; dann werden ihnen die Schulden erlassen.

 

„Criminal Activities“ wäre keine raffiniert gestrickte gangster-Komödie, hätte das Drehbuch nicht allerlei Überraschungen parat: Selbst wer alle Wendungen der Geschichte aufmerksam beobachtet, wird von der Auflösung erstaunt sein. Nicht ob, sondern wie das Ganze schief geht, ist die Frage, die von Regisseur Jackie Earle Haley lässig gedehnt beantwortet wird.

 

Travoltas Haar-Transplantation irritiert

 

Rasch wird klar, welche Kino-Ära sich action-Routinier Haley zum Vorbild genommen hat: Sein Werk ist eine Hommage an wilde gangster-Filme der 1990er Jahre, die mit verschachteltem plot und Gewalt-Explosionen einer anarchischen Lust an sex and crime huldigten. Dass der Regisseur vor allem seinen Kollegen Quentin Tarantino verehrt, zeigt sich an der Figur des Mafia-Handlangers Garry, die Haley selbst übernimmt.

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films „El Clan“ – packender Kidnapping-Thriller aus Argentinien von Pablo Trapero

 

und hier eine Besprechung des Films „Only God forgives“ – bildgewaltiger Rache-Triller von Nicolas Winding Refn mit Ryan Gosling

 

und hier einen Beitrag über den Film „Gangster Squad“ – Mafia-Thriller im Los Angeles der 1940er Jahre von Ruben Fleischer mit großem Staraufgebot.

 

Dieser Garry wirkt wie eine Art alter ego von Vince Vega − jenem killer aus Tarantinos Welterfolg „Pulp Fiction“ (1994), den damals John Travolta spielte und damit Kinogeschichte schrieb. Hier ist Travolta zum Boss aufgerückt. Er gibt den skrupellosen mafioso mit selbstironischem Augenzwinkern; nur seine Haar-Transplantation, die einer Perücke gleicht, ist irritierend anzusehen.

 

Nur zwei Frauen mit Gesichtern

 

Punkteabzug erhält der Regisseur allerdings für sein verheerendes Frauenbild: Nicht mal in den Drehbüchern seiner 1990er-Jahre-Vorbilder wurden Frauen derart ignoriert. In „Criminal Activties“ sind nur bei zwei Frauen nicht nur einzelne Körperteile, sondern auch ihre Gesichter zu sehen. Das ist selbst in diesem Macho-genre eine harte Ansage.

 

Ansonsten helfen ein außergewöhnlich atmosphärischer score, solide schauspielerische Leistungen und das ausgetüftelte Ende über ein paar Schwächen der Konstruktion hinweg. Gelegentlich schleicht sich das Gefühl ein, man hätte Ähnliches schon anderswo eleganter und eloquenter gesehen; insgesamt bedient Haley die genre-Konventionen aber stil- und lustvoll. Ob es sich bei seinem low budget look um liebevoll inszenierten retro charme handelt, mag dabei jeder selbst entscheiden.


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