Julie Delpy

Lolo – Drei ist einer zu viel

Lolo (Vincent Lacoste) fühlt sich in der Modewelt, in der seine Mutter Violette (Julie Delpy) arbeitet, sehr wohl. Foto: NFP marketing & distribution*

(Kinostart: 17.3.) Zwergenaufstand im Hotel Mama: Ein Muttersöhnchen will Mamas neuen Liebhaber aus der Provinz mit allen Mittel loswerden. Sittenkomödien-Spezialistin Julie Delpy greift diesmal zu abgeschmackten Scherzen, die etwas infantil wirken.

Alleinerziehende Mütter haben oft eine besonders enge Bindung zu ihren Söhnen. Die verwöhnten kleinen Prinzen wachsen umhegt auf und genießen die volle Aufmerksamkeit ihrer Übermutter. Was aber, wenn aus dem süßen Spross ein hinterhältiger Jüngling wird, der nicht daran denkt, sich abzunabeln und die enge Beziehung aufzulösen?

 

Info

 

Lolo – Drei ist einer zu viel

 

Regie: Julie Delpy,

100 Min., Frankreich 2015;

mit: Julie Delpy, Dany Boon, Vincent Lacoste, Karin Viard

 

Website zum Film

 

Eine 45-jährige, die nach langjährigem Single-Dasein endlich einen neuen Partner findet, aber ihr 19-jähriges Muttersöhnchen nicht los wird, steht im Mittelpunkt der neuen Komödie von Julie Delpy. Das französische Multitalent verfilmt sein eigenes Drehbuch und spielt zudem die neurotische Hauptfigur in „Lolo – Drei ist einer zu viel“. In seinen besten Szenen ist der Film spritzig und frisch, doch insgesamt gerät er zur etwas infantilen Klamotte.

 

Thalasso-Therapie gegen Sex-Frust

 

Violette (Julie Delpy) ist zwar beruflich erfolgreich und geht ganz in ihrer Arbeit auf, hat aber Pech mit den Männern und den Wunsch nach einem „ganz normalen Leben mit jemandem“ längst aufgegeben. Also versucht die sexuell frustrierte, gestresste Karrierefrau, beim Urlaub im baskischen Seebad Biarritz ihren vernachlässigten Körper mit Schlamm- und Thalasso-Therapie zu entspannen.

Offizieller Filmtrailer


 

Computer nerd für one-night-stand

 

Ihre mitgereiste Freundin Ariane (Karin Viard) ist da pragmatischer: Ein one-night-stand macht mehr Spaß, wirkt schneller und gehört für sie zum Urlaub einfach dazu. Ariane sucht nach geeigneten Kurschatten für sich und Violette. Weil die Auswahl nicht allzu prickelnd ist, wird der computer nerd Jean-René (Dany Boon) auserkoren, der überspannten Violette ein wenig Wohlbefinden zu schenken.

 

Er macht seine Sache so gut, dass die schicke Pariserin es nicht bei einer Nacht belassen mag. Trotz großer Unterschiede zwischen der event-Managerin aus der Modebranche und dem bodenständigen Provinzler – die beiden verstehen und verlieben sich. Glücklicherweise plant Jean-René ohnehin seinen Umzug nach Paris: Es scheint, als hätte Violette endlich den Mann fürs normale Leben gefunden.

 

Scherze scheuen keine Peinlichkeit

 

Wäre da nicht Violettes Sohn: Der 19-jährige Lolo (Vincent Lacoste) reagiert sehr eifersüchtig auf männliche Konkurrenz im Haus. Er denkt gar nicht daran, seine Mama mit jemandem zu teilen, und nimmt sich vor, Jean-René möglichst rasch aus dem Hause zu ekeln. So schlau wie perfide intrigiert Lolo gegen den Naivling, der fortan von einer Falle in die nächste tappt und sich dabei immer lächerlicher macht.

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films 2 Tage New York – geistreich-pointierte Culture-Clash-Komödie von Julie Delpy

 

und hier einen Beitrag über den Film „Maman und Ich“ – hinreißend witzige Identitätssuche-Tragikomödie von Guillaume Gallienne

 

und hier einen Bericht über den Film “Before Midnight” von Richard Linklater über eine unendliche Liebesgeschichte mit Ethan Hawke + Julie Delpy.

 

Die folgenden Scherze lassen nichts aus: Juckpulver in der Unterhose, eingeschmuggelte Blondinen im Ehebett, falsche Klamotten auf einem fashion event – mit einem amüsanten Gastauftritt von Karl Lagerfeld – und verbale Entgleisungen nach Tabletten-Missbrauch. Dany Boon ist sich für keine Peinlichkeit zu schade; er erträgt als Jean-René jeden Schabernack, den sich Julie Delpy ausdenkt, mit erstaunlicher Würde.

 

Keine Franko-Raffinesse

 

All das spielt sich auf dem Niveau einer teenie-Klamotte ab; bald stellt sich gepflegte Langeweile ein. Die Diskrepanz zwischen braven Streichen und recht derben Dialogen über Sex zwischen den Freundinnen Violette und Ariane ist gewaltig; so wirkt ihr frecher Plauderton eher bemüht statt cool oder provokativ.

 

Die drei erwachsenen Hauptdarsteller sind professionell genug, um den Film immer wieder aufzufangen, aber retten können sie die Geschichte nicht. Vincent Lacoste wird als junges Talent gefeiert; in seiner Rolle als Lolo fehlt ihm jedoch Feingefühl und Seele. Als Haustyrann und Nervensäge im Hotel Mama überspannt er den Bogen. Von der Raffinesse, mit der viele französische Komödien glänzen, ist hier wenig zu sehen; sie hätte vielleicht Wunder gewirkt.


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