Bill Murray

Rock the Kasbah

Rock-Manager Richie Lanz (Bill Murray) spielt Luftgitarre vor paschtunischem Publikum. Foto: Tobis Film

(Kinostart: 24.3.) DSDS am Hindukusch: Bill Murray will als abgehalfterter Musikmanager eine Sängerin groß herausbringen – was Afghanen wenig schätzen. Regisseur Barry Levinson schwelgt in Klischees und ignoriert die desaströse Lage im Land.

Selbst im kriegsversehrten Afghanistan gibt es eine casting show wie „Deutschland sucht den Superstar“: „Afghan Star“ wird seit 2005 produziert, in mittlerweile elf Staffeln. Als 2007 die Kandidatin Setara Hussainzada wagte, gegen die strenge Kleider- und Verhaltensordnung zu verstoßen, wurde sie dafür massiv angegriffen und mit dem Tod bedroht. Dagegen äußerten sich ihre Unterstützer eher leise.

 

Info

 

Rock the Kasbah

 

Regie: Barry Levinson,

106 Min., USA 2015;

mit: Bill Murray, Bruce Willis, Kate Hudson

 

Website zum Film

 

Über diese Ereignisse produzierte zwei Jahre später die britische Regisseurin Havana Marking den Dokumentarfilm „Afghan Star“. Nun hat der 74-jährige US-Regieveteran Barry Levinson einen Spielfilm zum Thema gedreht; er ist ausdrücklich Setara Hussainzada gewidmet, die immer noch bedroht wird. Doch als Hauptfiguren agieren hier nicht Afghanen, sondern in alter Hollywood-Manier ein nach Zentralasien eingeflogener Rock-Manager aus Kalifornien.

 

Madonna-Entdecker + Hendrix-Muse

 

Diesen Richie Lanz gibt ein gewohnt verknuffter Bill Murray; in seiner bräsig vorgetragenen Legende stellt er sich gern als Entdecker von Madonna vor oder gar als derjenige, der Jimi Hendrix einst zu seinem legendären Woodstock-Auftritt gedrängt habe, bei dem er „The Star Spangled Banner“ spielte. Aber das war wohl in einem sehr anderen Leben.

Offizieller Filmtrailer


 

Sängerin brennt mit Geld + Pass durch

 

Zu Filmbeginn ist Richie jedenfalls als Impresario am Ende und völlig abgebrannt. So kann er nur auf seine Sekretärin Ronnie (Zooey Deschanel) als Nachwuchs-Sängerin zurückgreifen, als ihm angeboten wird, eine Konzert-Tournee bei den US-Streitkräften in Afghanistan zu organisieren. Von Land und Leuten hat er nicht die leiseste Ahnung; dafür lodert sein Missionsgeist.

 

In Kabul brennt Ronnie sofort mit Pass und Reisekasse von Richie gen Dubai durch. Der gerät fast zwangsläufig – mit einem einheimischen Taxifahrer als Dolmetscher und sidekick –in die Gesellschaft dubioser Glücksritter, die sich in den wenigen Bars der afghanischen Hauptstadt tummeln. Um Geld für seine Rückreise aufzutreiben, nimmt Richie einen zweifelhaften Auftrag an: Er soll ein paar kleine Munitions-Kisten nach Südosten bringen – eine ganz harmlose Sache.

 

Songs von Cat Stevens zum Ruhme Allahs

 

Im Grenzgebiet wartet schon das übliche Hindukusch-Szenario auf ihn: samt Bergwüste, paschtunischer Reitermilizen und opiumsatter Herrenkränzchen. Aber auch eine schüchterne Schönheit: Salima Khan (Leem Lubany) singt in einer Höhle zum höheren Ruhme Gottes englische pop songs, meist sanfte Weisen von Yusuf Islam alias Cat Stevens. Die junge Frau träumt von einem Auftritt bei „Afghan Star“, um auch dort Allah zu lobpreisen. Was sie zurecht verheimlicht, wie sich bald herausstellt, als Richie seine „Entdeckung“ groß herausbringen will.

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films „Welcome to Karastan“ – Culture-Clash-Komödie von Ben Hopkins über einen West- Filmemacher in Zentralasien

 

und hier einen Beitrag über den Film Zwischen Welten – Drama über die Bundeswehr in Afghanistan von Feo Aladag mit Ronald Zehrfeld

 

und hier einen Bericht über den Film Hyde Park am Hudson – Polit-Sittenkomödie von Roger Michell mit Bill Murray als US-Präsident Franklin Delano Roosevelt.

 

Mit diesem plot rumpelt „Rock the Kasbah“ mehr schlecht als recht vor sich hin; Regisseur Levinson stolpert von einem abgegriffenen Klischee ins nächste. Dazu passt, dass ausgerechnet eine überdrehte Hure mit goldenem Herzen (Kate Hudson), die in einem Wohnwagen neben dem US-Hauptquartier haust, zur engsten Verbündeten des Helden wird.

 

Bruce Willis als schwacher Söldner

 

Die komödiantische Tonlage ist ähnlich grell, aber angesichts der tatsächlichen Zerrüttung Afghanistans krass verharmlosend. Falls Levinson so etwas wie eine sarkastische Abrechnung mit dem gescheiterten Krieg der US-geführten Militärallianz gegen die Taliban im Sinn hatte, ist ihm das gründlich misslungen.

 

Allein schon deshalb, weil er abseits von „Afghan Star“-show, zwielichtiger expat-Gemeinde und Paschtunen-Turbanträgern die Lebenswirklichkeit im Land völlig ausblendet. So dienen Sängerin Salima, die verhalten aufbegehrt, oder Bruce Willis in einer schwachen Nebenrolle als US-Söldner ebenso wie das übrige Ensemble nur als Staffage für die versöhnliche Selbstvergewisserung und Läuterung des gealterten Zampanos: ein Rock-Zirkus voller Nullnummern.


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