Michael Caine

Abgang mit Stil – Going in Style

Willie Davis (Morgan Freeman), Joe Harding (Michael Caine) und Al Garner (Alan Arkin, v.l.n.r.) beim Polizeiverhör. Foto: © Warner Bros. Germany

(Kinostart: 13.4.) Robin-Hood-Räuberpistole mit Ruheständlern: Drei um ihre Rente betrogene Senioren rächen sich mit einem Bankraub. „Garden State“-Regisseur Zach Braff jongliert virtuos mit Versatzstücken aus Gaunerkomödien – ein diebisches Vergnügen.

Gelegenheit macht Diebe: Der Pensionär Joe Harding (Michael Caine) erlebt in der Schalterhalle seiner Hausbank zufällig einen Bankraub mit. Ihn beeindruckt, wie schnell, glatt und gewaltfrei alles abläuft; die maskierten Täter waren offenbar bestens vorbereitet. Wenig später geschieht Joe sowie seinen Freunden Willie Davis (Morgan Freeman) und Albert Garner (Alan Arkin) schweres Unrecht: Ihr früherer Arbeitgeber schließt alle US-Standorte, verlagert die Produktion nach Asien, streicht ihre Firmenrenten – und ihre Hausbank wickelt alles ab.

 

Info

 

Abgang mit Stil
– Going in Style

 

Regie: Zach Braff,

96 Min., USA 2017;

mit: Morgan Freeman, Michael Caine, Alan Arkin

 

Engl. Website zum Film

 

Um sich zu rächen und drohende Altersarmut abzuwenden, entschließt sich das Trio zum nächsten Banküberfall; das könne ja nicht so schwierig sein. Schon der erste Test im Supermarkt nebenan, bei dem sie Zutaten fürs Abendessen klauen wollen, belehrt sie aber eines Besseren: Für Raubzüge im großen Stil fehlt den rüstigen Herren die Fachkompetenz.

 

Starthilfe vom Fachmann

 

Die verschafft ihnen der gutmütige Kleinganove Jesus (John Ortiz): Der Latino mit großem Respekt vor Altersweisheit hilft bei Waffenbeschaffung und Wahl des Fluchtautos, übt mit ihnen Probeläufe, um den Überfall in weniger als drei Minuten abzuwickeln, und tüftelt für sie ein perfektes Alibi aus.

Offizieller Filmtrailer


 

Remake der „Rentner-Gang“ von 1979

 

Am Tag X helfen Joe, Willie und Al bei einem charity event für Kinder mit, gut sichtbar für Hunderte von Besuchern – und büxen diskret eine knappe Stunde aus, um ihr kriminelles Ding durchzuziehen. Maskiert als Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis jr.; wie das rat pack der 1960er Jahre aussah, weiß kein heutiger Bankkunde mehr. Um der Polizei zu entwischen und die erbeuteten Millionen zu behalten, sind die weißhaarigen gangsters aber auf Komplizenschaft der jungen Generation angewiesen. Wofür sie reichlich belohnt wird.

 

Sonderlich plausibel ist das alles nicht, doch darauf kommt es gar nicht an. Zumal „Abgang mit Stil – Going in Style“ keine Neuerfindung für eine alternde Gesellschaft ist, sondern ein remake: Das Original von 1979 („Die Rentner-Gang“) war noch skurriler motiviert. Der damalige Regisseur Martin Brest – er hatte fünf Jahre später mit „Beverly Hills Cop“ einen Welterfolg – ließ sein Senioren-Trio aus purer Langeweile eine Bank ausrauben. Ein Schwerverbrechen als acte gratuit – es brachte zwei von ihnen ins Grab und den dritten in den Knast.

 

Lebenserfahrung erklärt alles

 

Da geht Regisseur Zach Braff mit seinen betagten Akteuren deutlich pfleglicher um. Er hat 2004 die wunderbar bittersüße coming of age-Tragikomödie „Garden State“ gedreht; ihre schwebeleichten Episoden aus Realismus, Romanze und einer Prise Magie wurden zum Autorenkino-Hit. Sein nächster Spielfilm „Wish I was Here“ (2014) über einen arbeitslosen Schauspieler als Anti-Helden wurde zwar ein flop, vermied aber ebenso gängige Klischees.

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films „Ewige Jugend“ – wunderbare Tragikomödie übers Altwerden von Paolo Sorrentino mit Michael Caine + Harvey Keitel

 

und hier eine Besprechung des Films „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ – charmante Rentner-WG-Komödie von Stéphane Robelin mit Jane Fonda

 

und hier einen Beitrag über den Film „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ – schwedische Krimi-Komödie von Felix Herngren.

 

In seinem neuen Film jongliert Braff virtuos mit gängigen Elementen von heist movie und Gaunerkomödie. Dass um ihre Altersversorgung betrogene Wut-Rentner eine Bank knacken, scheint ihm immer noch besser, als wenn sie Trump wählen würden. Und dass sie dabei allen CCTV-Kameras, SEK-Fahndern und Kreuzverhören gewachsen sind, erklärt sich problemlos mit langjähriger Lebenserfahrung.

 

Besser als Opas Kriegsgeschichten

 

Die spielen die lebenden Legenden Caine, Freeman und Arkin mit feinsinnigem Schalk aus – so wohldosiert, wie Regisseur Braff genre-übliche Versatzstücke einstreut. Ob rasante Verfolgungsjagd, Rettungsaktion in letzter Sekunde oder Gegenüberstellung mit Zeugen: Alles wird mit Augenzwinkern herbeizitiert und ausgemalt, aber nicht übertrieben. Nie rutscht der Film in Klamauk oder alberne action ab.

 

Da lässt sich leicht anarchistische Schadenfreude unbeschwert genießen: „Abgang mit Stil“ ist eine Robin-Hood-Räuberpistole, der man so gerne lauscht, als würde Opa davon erzählen – anstelle der alten (Nach-)Kriegsgeschichten. Und wer weiß? Bei der heutigen Lebenserwartung und der fitness vieler best ager wird es vielleicht nicht mehr lange dauern, bis dieser plot Nachahmungstäter in der Realität inspiriert.


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