Ryan Gosling

Aufbruch zum Mond

Neil Armstrong (Ryan Gosling). Foto: Daniel McFadden. Fotoquelle: Universal Pictures International Germany
(Kinostart: 8.11.) Der Adler ist gelandet: Im Juli 1969 betraten erstmals US-Astronauten den Mond. Dabei hätte ihre waghalsige "Apollo 11"-Mission jederzeit schief gehen können, wie das Weltraum-Drama von Regisseur Damien Chazelle mitreißend anschaulich zeigt.

Falls man nicht gerade überzeugt ist, die US-Mondlandung sei als große Täuschung von Regisseur Stanley Kubrick im Filmstudio inszeniert worden, kennt man den Ausgang der Geschichte: Als Astronauten der "Apollo 11"-Mission betreten Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin am 21. Juli 1969 als erste Menschen den Trabanten; anschließend kehren sie wohlbehalten zur Erde zurück. Für einen Film wie "Aufbruch zum Mond", im Original "First Man", geht es also nicht um ein nervenzerfetzendes Finale. Stattdessen ist der Weg das Ziel.

 

Info

 

Aufbruch zum Mond

 

Regie: Damien Chazelle,

143 Min., USA 2018;

mit: Ryan Gosling, Claire Foy, Jason Clarke

 

Website zum Film

 

Diesen Weg spannend zu gestalten, glückt Regisseur Damien Chazelle ausnehmend gut; sein Film beruht auf der gleichnamigen, umfangreichen Biografie von James R. Hansen über Armstrong. Mit elliptischen Zeitsprüngen wird die Vorgeschichte der Mission erzählt: Im Wettlauf mit der Sowjetunion zum Mond haben die Amerikaner lange das Nachsehen. Moskau kann eine Reihe großer Erfolge verbuchen, angefangen mit dem ersten Sputnik-Satelliten 1957. Vier Jahre darauf wird Juri Gagarin als erster Mensch in eine Umlaufbahn im All geschossen.

 

NASA ist knapp bei Kasse

 

Die amerikanischen Raketentests hingegen gehen immer wieder schief: Piloten sterben, teures Material wird zerstört. Mit dem US-Kongress streitet sich die NASA ständig um Geld und die Fortführung des Projekts. Das Wahlvolk fragt sich, ob die Unsummen für die Eroberung des Weltraums nicht besser für soziale Zwecke verwendet werden sollten.

Offizieller Filmtrailer

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Flugzeug verlässt die Atmosphäre

 

Unterdessen beginnt das harte Training der Astronauten. Dabei gelingt dem Film vorzüglich, die extremen physischen und psychischen Belastungen der Beteiligten zu verdeutlichen – ebenso den nahezu handwerklichen Charakter der damaligen Raumfahrt: "Saturn"-Transportraketen sehen aus, als wären sie per Hand zusammengehämmert worden.

 

Der Film beginnt mit einem Flug von Neil Armstrong (Ryan Gosling) im raketengetriebenen X-15-Flugzeug; es konnte bereits Anfang der 1960er Jahre in Höhen vordringen, bei denen die Erdatmosphäre verlassen wurde. Diese Simulation eines Testflugs beeindruckt mit heftigen Vibrationen und ungeheurem Lärm – dann folgt plötzlich wohltuende Stille, wenn das Flugzeug über die Atmosphäre aufgestiegen ist.

 

Tod als ständiger Begleiter

 

Hintergrund

 

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und hier einen Bericht über den Film "Blade Runner 2049" - brillante Fortsetzung des SciFi-Klassikers von Denis Villeneuve mit Ryan Gosling

 

und hier einen Beitrag über den Film „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ – monumentale Robinsonade auf dem Mars mit Matt Damon von Ridley Scott.

 

Sehr spannend inszeniert Regisseur Damien Chazelle auch den Landeanflug der Mondfähre "Eagle": In der Perspektive der Astronauten sieht man die Oberfläche des Mondes rasend schnell näher kommen. Allerdings müssen sie erst noch ein Gebiet überfliegen, das für eine Landung wenig geeignet ist, während der Treibstoff dafür immer knapper wird.

 

Bei allen Testläufen der "Gemini"- und "Apollo"-Programme ist der Tod ständiger Begleiter: Mehrfach sterben Armstrongs Kollegen bei Unglücken; etwa, als beim Start einer Rakete der Sauerstoff in ihrer Kapsel explodiert. Doch was kurzfristig wie Versagen aussieht, sichert langfristig den Erfolg – weil man bestimmte Fehler nicht zweimal begeht. Als die Apollo-11-Mondmission endlich startet, werden allerdings bei der NASA vorsichtshalber schon Nachrufe auf die tapferen Astronauten verfasst.

 

Beiläufiger Schritt der Menschheit

 

Der unbestreitbare Zynismus, der dem ganzen Unternehmen innewohnt, macht auch Armstrong zu schaffen; aus seiner Perspektive wird Film erzählt. Der verschlossene Astronaut frisst Trauer und Wut stets in sich hinein; es fällt ihm schwer, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

 

Als er auf Drängen seiner Frau den gemeinsamen Kindern erklären soll, dass er von der gefährlichen Mond-Reise vielleicht nicht zurückkehren wird, verläuft das wie eine unpersönliche Pressekonferenz: „Noch irgendwelche Fragen?“ Gottlob weiß man, dass am Ende alles gut ausgeht: "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit." Der Satz fällt eher beiläufig.


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