Revolutionär Frantz Fanon gegen Staatschef Léopold Sédar Senghor: Um ihre Thesen kreisen Afrikas Debatten seit 50 Jahren. Manthia Diawara plädiert für Rückbesinnung auf Senghors Négritude-Konzept als Ausweg aus der Falle des Nationalismus.
Endspurt für die documenta: Abseits ausgetretener Pfade verstecken sich interessante Werke. Vom Ritter-Spielplatz bis zum Flöten-Konzert auf dem ältesten Instrument der Welt – zu erleben nur mit Helm tief im Berg.
Potpourri in Pavillons: Mehr als 50 über Grünflächen verteilte Werke zeigen alles Mögliche zwischen Agitprop und diskreter Land Art, die im Barock-Park kaum wahrnehmbar ist. Für einen anregenden Sonntags-Spaziergang taugt das allemal.
Vom Warenumschlag- zum Schuttablade-Platz: Im heutigen Kultur-Bahnhof wird ein Sammelsurium von Werken gezeigt, das seine wechselvolle Geschichte widerspiegelt. Leer stehende Lager-Hallen beherbergen aufwändig inszenierte Beiträge.
Aushänge-Schild der Arabellion: Der Ägypter Wael Shawky setzt Geschichts-Bilder der islamischen Welt in komplexe Video-Installationen um. Die der Westen kaum versteht – das zeigen sein Beitrag zur documenta und die KunstWerke in Berlin.
Einsamer Höhepunkt der documenta 13: facettenreiche Arbeiten afghanischer Künstler, die sich alter Traditionen bedienen und virtuos moderne Techniken einsetzen. So entsteht ein verblüffend vielschichtiges Bild der dortigen Gegenwarts-Kultur.
In Kassels wiedereröffnetem Museum für Kunst seit dem 19. Jahrhundert geht es zu wie im Supermarkt: Originelles findet sich neben Dutzendware, Raritäten neben Ramsch wie vom Grabbeltisch – für jeden Geschmack etwas.
Öko-Kunst im Naturkunde-Museum: Acht Künstler zeigen Werke über Landraub, Arten-Vielfalt, Wasser-Reinhaltung oder eine Fantasie-Währung, die mit Erde gedeckt wird. Und ein Kleinod: die erste und größte «Holz-Bibliothek» der Welt.
Unansehnlich und unpraktisch: Die documenta-Halle ist nur für spezielle Exponate geeignet. Leiterin Christov-Bakargiev füllt sie mit Sammel-Werken und Mega-Installationen, von denen nur wenige überzeugen.
Das zentrale Ausstellungs-Gebäude der documenta steht ganz im Zeichen von Krieg und Gewalt. Leiterin Christov-Bakargiev versammelt Artefakte, die von Zerstörungs-Wut künden – aus sechs Jahrtausenden.
Mit Doku-Dramen zur documenta: Von Wedemeyer stellt die Geschichte eines Nazi-KZs im früheren Kloster simultan in drei Film-Episoden nach. Zugleich ist sein China-Reisebericht «Metropolis» in der Berlinischen Galerie zu sehen.
Eine radikale Avantgarde siegt sich zu Tode: Gegen eine trostlos verwaltete Welt setzten die Situationisten auf kreative Spontaneität, erklärt Kunst-Historiker McDonough. Womit sie ein halbes Jahrhundert prägten – doch anders als erhofft.
Wenn Radio-Nachrichten in sechs Sprachen 20 Minuten dauern: Der australische Filmemacher und Künstler Warwick Thornton schildert, wie die Jahrtausende alte Kultur der australischen Aborigines mithilfe modernster Technik fortbesteht.
Rückblick auf einen völlig entgrenzten Kunst-Begriff: Revolutionäre Künstler in der Sowjet-Union wollten den neuen Menschen formen – mit kollektiv produzierten und konsumierten Werken. Kuratorin Degot sieht Parallelen zur Gegenwart.
Wider den Mythos vom Kanon der Weltkunst: André Malraux träumte vom imaginären Museum – Chris Marker und Alais Resnais kritisierten ihn als Kultur-Chauvinisten. Philosoph Didi-Huberman erklärt, was das mit der documenta zu tun hat.
Jetzt schlägt’s dreizehn: Leiterin Carolyne Christov-Bakargiev bemüht sich nach Kräften, mit wirren Worten und Taten die weltgrößte Kunst-Schau zu ruinieren. Ohne Erfolg: In der Überfülle von 300 Beiträgen finden sich beeindruckende Werke.
Kulturkampf in Kassel: Bildhauer Balkenhol stellt in einer Kirche aus, documenta-Chefin Christov-Bakargiev protestiert – und die ganze Stadt ergreift Partei. Obwohl banale Holz-Figuren kaum erbitterten Streit lohnen.