Olivier Assayas

Carlos – Der Schakal

Vor einem Anschlag feuert Carlos schreiend in die Luft. Foto: Warner
(Kinostart: 4.11.) Der definitive Film über den linksradikalen Terrorismus der 1970er Jahre: Das epische Porträt des charismatischen Einzelgängers Carlos bietet einen umfassenden Einblick in die Abgründe des Kalten Krieges.

Carlos war der gefährlichste und skrupelloseste Terrorist der 1970er Jahre. Der Venezolaner Ilich Ramirez Sanchez flog aus der Moskauer Uni und schloss sich der «Palästinensischen Befreiungsfront» (PFLP) an. Als deren Kopf Mohammad Boudia stirbt, übernimmt Carlos sein Netzwerk. 1975 landet er seinen größten Coup: Der Überfall auf die Konferenz der OPEC-Ölminister in Wien macht ihn zum Medienstar.

 

 

Carlos – Der Schakal

 

Regie: Olivier Assayas,

187 Min., Frankreich/ Deutschland 2010;

mit: Edgar Ramirez, Alexander Scheer, Nora von Waldstätten

 

Weitere Informationen zum Film

 

In den Folgejahren wird Carlos zur terroristischen Ich-AG. Er kooperiert mit allen, die ihm Waffen und Geld geben: den «Revolutionären Zellen» und der baskischen ETA, den Geheimdiensten in Syrien, Libyen und Irak, dem KGB und der Stasi. Carlos gründet Filialen in Budapest und Ost-Berlin. Seine Operationen werden unberechenbar, seine Gewalttaten auch.

 

Verhaftung im Sudan

 

Bis das Ende des Ost-West-Konflikts auch Carlos zu Fall bringt. Seine Gönner im Ostblock wollen den unkontrollierbaren Handlanger loswerden; er flüchtet in den Sudan. Dort wird er 1995 verhaftet; seit 1997 sitzt er bei Paris eine lebenslange Haftstrafe ab.

Offizieller Filmtrailer


 

Gebräu aus Ideologie + Brutalität

 

Dieser Film ist ein Bombenanschlag auf die Kinobranche. Alle seine Bestandteile gelten als Kassengift: Einer der meistgefürchteten Männer des 20. Jahrhunderts als Hauptfigur; ein Ensemble von 120 Nebenrollen; eine endlose Kette undurchsichtiger Aktivitäten; ein unverdauliches Gebräu aus halbgarer Ideologie und nackter Brutalität.

 

Regisseur Olivier Assayas gelingt das Kunststück, diesen monströsen Stoff in ein Antihelden-Epos zu verwandeln. Trotz fünfeinhalb Stunden in der Lang- und dreieinhalb Stunden in der Kurzversion langweilt es keine Sekunde.

 

Alexander Scheer + Nora von Waldstätten

 

Das Porträt des Terroristen als Latino-Macho (brillant: Edgar Ramirez) ergänzt ein umfassender Einblick in die mörderischen Abgründe des Kalten Krieges. Neben Carlos glänzen Alexander Scheer als seine rechte Hand Johannes Weinrich und Nora von Waldstätten als seine Frau Magdalena Kopp. Ein Meisterwerk.