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Liszt im Konzertsaal, Zeichnung von Theodor Hosemann 1842. Foto: © Klassik Stiftung Weimar

Franz Liszt – Ein Europäer in Weimar


Er erfand das Merchandising und wollte Kultur-Olympiaden ausrichten: Zum 200. Geburtstag von Liszt feiert die Klassik-Stiftung den Virtuosen und Komponisten mit einer opulenten Doppel-Ausstellung.


Wenn heute von der «Kulturstadt Weimar» die Rede ist, denkt man an Goethe und Schiller, vielleicht noch an Herder, aber kaum an Franz Liszt. Dabei hat der Musiker und Komponist nach seiner Ernennung zum Hofkapellmeister einen großen Teil seines Lebens in Weimar verbracht.

 

Info

Franz Liszt - Ein Europäer in Weimar

 

24.06.2011 - 31.10.2011
täglich außer montags 11 - 18 Uhr im Schiller-Museum, Schillerstr. 12

 

Katalog 29 €

 

Weitere Informationen

 

Kosmos Klavier

 

24.06.2011 - 31.10.2011
täglich außer montags 11 - 18 Uhr im Schlossmuseum, Burgplatz 4, Weimar

 

Katalog 19,80 €

 

Weitere Informationen

Von 1848 bis 1861 lebte er am Stadtrand auf der Altenburg, einem Herrenhaus. Ab 1869 wohnte er bis zu seinem Tod 1886 in den Sommermonaten mitten in der Stadt. Dort befindet sich heute ein Museum, das noch wie zu seinen Lebzeiten eingerichtet ist.

 

Zudem verwaltet die Klassik Stiftung Weimar seinen Nachlass mit mehr als 11.000 Originalen. Davon wird ein Teil, ergänzt um andere Exponate der Epoche, nun im Schiller-Museum gezeigt. Um das heutige Bild von Liszt als reinem Klavier-Virtuosen zu erweitern, erklärt Kurator Detlef Altenburg: Liszt habe gesamteuropäisch gedacht und gewirkt.

 

Ein Orden vom Sultan

 

Neben Autographen und Partituren sind auch viele Zeugnisse der „Lisztomanie“ zu sehen, als der Pianist in den 1830/40er Jahren auf dem ganzen Kontinent umjubelte Konzerte gab. In Konstantinopel hörte ihm sogar der Sultan zu und verlieh ihm hernach einen Orden. «Ein neuer Mozart ist uns erschienen», titelte bereits 1823 die Augsburger Allgemeine Zeitung.

 

Diese grenzenlose Begeisterung verwandelten Liszt und seine Entourage in klingende Münze. Sie dürfen als Erfinder des Merchandising gelten: Sein Konterfei schmückte nicht nur Büsten und Medaillen, sondern auch Briefbeschwerer und Kaffeetassen. Allerdings setzte ihm der Tournee-Stress zu. Dem wollte er entfliehen und sich höheren Aufgaben widmen, als er sich nach Weimar zurückzog

 

Impressionen der Ausstellung

 

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Was reizte ihn an der thüringischen Kleinstadt? Nicht nur, dass hier Goethe gelebt hatte, den Liszt bewunderte: Dessen «Faust» vertonte er als Symphonie. Weimar wurde nach der gescheiterten Revolution von 1848 auch zum Kristallisationspunkt für das Streben nach einer Kulturnation als Ersatz für fehlende staatliche Einheit. Die Kulturnation wollte Liszt an zentraler Stelle mitgestalten.

Für den Komponisten wurde die Weimarer Zeit zu seiner produktivsten Schaffensphase: Hier entstanden seine beiden großen Symphonien und etliche weitere Werke. Daneben ermöglichte Liszt Uraufführungen von Opern von Berlioz und Wagner, seinem künftigen Schwiegersohn, und gab viele Hofkonzerte am Klavier.

 

Interview mit Christoph Stölzl, Präsident der Musik-Hochschule, über Liszts kühne Kulturpolitik

 

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Daran erinnert eine zweite Ausstellung im Schlossmuseum: «Kosmos Klavier» zeigt historische Tasteninstrumente. Ihr Höhepunkt ist der von Liszt selbst gespielte Boisselot-Flügel. Er ist heute zwar unbrauchbar, wurde aber für die Schau originalgetreu nachgebaut.

 

Liszt beschränkte sich in Weimar aber nicht auf das Tonsetzen, sondern schmiedete auch große Pläne. Eine von ihm angeregte Goethe-Stiftung sollte alljährlich eine Art Kultur-Olympiade ausrichten und die besten Werke der Musik, Literatur, Bildenden Künste usw. in einem Nationalmuseum versammeln. Daraus wurde nichts: Fürst Carl Alexander wollte die deutschen Großmächte nicht brüskieren. Liszt musste sich mit der Gründung des «Alldeutschen Musikvereins» begnügen, der ab 1861 Festspiele veranstaltete.

 

Interview mit Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung, über Liszts Bedeutung für Weimar

 

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An seinen hoch fliegenden Plänen solle sich Weimar dennoch ein Vorbild nehmen, wünscht sich Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung: Noch mit 70 Jahren habe Liszt seinen  «Speer in die unendlichen Räume der Zukunft werfen» wollen. Auch die Stadt dürfe nicht allein das Erbe der Klassiker pflegen, sondern müsse innovative Ideen hervorbringen.

 

Zumindest ist der Komponist hier nicht vergessen: Abgesehen von Liszt-Haus und –Denkmal tragen die örtliche Musik-Hochschule und zwei Musik-Wettbewerbe seinen Namen. Und es gibt das nach einem seiner Klavierwerke benannte Festival «Pelerinage», das Nike Wagner leitet – wenigstens bis 2013.



Von Oliver Heilwagen, veröffentlicht am 26.06.2011





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