Berlin

Königsstadt Naga: Grabungen in der Wüste des Sudan

Widder-Allee vor dem Amun-Tempel in Naga, 1. Jh. n. Chr.; Foto: © Naga-Projekt Berlin

Monumentale Widder-Allee

 

Die Raubkatzen wurden von Nagas Bewohnern angebetet: Sie verehrten den Schöpfergott Apedemak in Löwengestalt. Im übrigen Reich von Meroë spielte er nur eine untergeordnete Rolle. Doch in Naga war ihm der größte Tempel geweiht, dessen Wände riesige Löwenköpfe zieren. Die Ausgräber holten auch zahlreiche Katzen-Figuren ans Licht: von Portal-Plastiken bis zu handlichen Opfergaben.

 

Ebenso häufig kommen Widder vor: Darstellungen von Amun, dem höchsten ägyptischen Gott. Auf den Amun-Tempel von Naga läuft eine monumentale Widder-Allee zu. Zwölf überlebensgroße Sandstein-Skulpturen hielten zwischen den Vorderläufen Statuen des Königs Natakamani. Er und seine Gattin Amanitore ließen im 1. Jahrhundert n.Chr. die Sakral-Bauten von Naga errichten.

 

Üppige Kurven und volle Brüste

 

Wobei die Monarchin jeweils auf der wichtigeren rechten Seite abgebildet ist: Sie war dem König ebenbürtig, wenn nicht überlegen. Die gleichrangige Stellung der meroitischen Frauen geht auf schwarzafrikanische Kulturen zurück. Ihr Einfluss zeigt sich auch im weiblichen Schönheitsideal: Körper mit üppigen Kurven und vollen Brüsten, nicht feingliedrig-schlank wie im Pharaonen-Reich.

 

Fremde Elemente prägen auch die Architektur von Naga, die römisch-hellenistische, altägyptische und lokale Bautraditionen kombinierte. Etwa bei der von Wildungs Team aufwändig restaurierten Hathor-Kapelle: Auf den ersten Blick ähnelt sie einem griechischen Tempel. Tore, Säulen und Kapitelle changieren wie viele der Exponate zwischen europäischen und afrikanischen Formensprachen.

 

Nur fünf Prozent erschlossen

 

Hintergrund

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Die rätselhafte Multikulti-Gesellschaft von Naga zerfiel etwa 350 n.Chr. Aus unbekannten Gründen wurde die Stadt verlassen. Bis 1650 Jahre später Archäologen anrückten: Bislang haben sie nur fünf Prozent des Terrains erschlossen. Dennoch könnten ihre Funde bereits ein Museum vor Ort füllen.

 

Baupläne dafür hat Star-Architekt David Chipperfield entworfen. Jetzt wird für die Umsetzung ein Sponsor gesucht. Er würde dem Sudan, der bis zur Teilung im Sommer Afrikas größter Flächenstaat war, eine bedeutende Komponente seines historischen Erbes zurückgeben – und damit seine fragile nationale Identität erheblich stärken.


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