Lech Majewski

Die Mühle und das Kreuz

"Die Kreuztragung Christi" von Pieter Bruegel, heute im Kunsthistorischen Museum Wien, dient als Vorlage für "Die Mühle und das Kreuz". Foto: Neue Visionen

Bildanalyse am lebendigen Objekt

 

Diese Elemente und Bezüge überträgt Majewski kongenial auf die Leinwand. Teilweise lässt er originalgetreu kostümierte Schauspieler direkt vor einer Kopie des Gemäldes agieren, teilweise die auf ihm festgehaltenen Szenen in realen Landschaften nachspielen. Dabei sind dank Computertechnik die einzelnen Bildebenen derart ineinander verwoben, dass sie ununterscheidbar werden – die Illusion ist perfekt.

 

Nur Bruegel (Rutger Hauer) und sein Auftraggeber Jonghelinck (Michael York) sprechen miteinander: Der Maler erläutert, welche Absichten er mit seiner Komposition verfolgt. So werden ihre Dialoge zur Bildanalyse am lebendigen Objekt – und ihre Darstellung zum Essay über Möglichkeiten und Grenzen von Malerei.

 

Von Vögeln zu Tode gepickt

 

Alle übrigen Figuren äußern sich allenfalls in inneren Monologen. Maria (Charlotte Rampling) etwa sinniert über die wankelmütige Menge, die ihrem Sohn anfangs zujubelte und ihn nun verflucht, sowie das ihm zugefügte Leid. Das erfährt ein armer Bauer am eigenen Leib: Er wird von spanischen Schergen gerädert und aufgespießt, damit ihn Vögel zu Tode picken.

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

Meist fängt die Kamera jedoch Alltags-Szenen ein: Wie Leute ihr Tagwerk erledigen, Korn mahlen und Brot schneiden oder zu den schlichten Weisen eines Hornbläsers einfache Tänze vollführen. Mit aufwändigem historischen Dekor und vollkommener Detailtreue lässt Majewski eine längst vergangene Epoche wieder auferstehen. Obwohl streckenweise etwas statisch, wird daraus ein Augenschmaus, der seinesgleichen sucht. Und insofern doch ein gottgefälliges Werk, das an künstlerischer Hingabe der von Bruegel gleichkommt. 


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