Köln

Goldene Impressionen: Japanische Malerei 1400 – 1900

Gion-Fest (Detail): Unbekannter Künstler, zweiteiliger Stellschirm, Farben und Blattgold auf Papier, 158,5 x 170 cm, Japan, Edo-Zeit, spätere Kan’ei-Ära (1624-1644). Foto: Museum für Ostasiatische Kunst
Hundert Jahre lagen die Schätze im Depot, nun glänzen sie in voller Pracht: Das Museum für Ostasiatische Kunst präsentiert einen faszinierenden Überblick über klassische japanische Kunst mit Meisterwerken aus fünf Jahrhunderten.

Etikette der höheren Stände auf acht Metern

 

Neben diesen wandfüllenden Blickfängen finden sich auch kleinteiligere Arbeiten. Etwa die ukiyo-e, Bilder der «fließend-vergänglichen Welt», hier vertreten durch das Genre der «Bilder schöner Frauen» (bijinga). Sie können auch schöne Jünglinge oder männliche Schauspieler zeigen, die im Kabuki-Theater alle Frauen-Rollen spielten; es kommt auf die Anmut und Eleganz der Darstellung an.

 

Didaktischen Zwecken dienten Geschichten auf langen Querrollen: Sie erzählen von Legenden oder historischen Ereignissen und verbinden meist Text mit Bildern – diese illustrierten für Lese-Unkundige den Inhalt. Ohne Schrift kommt die Rolle «Zahlreiche Fertigkeiten und Etikette» aus dem späten 17. Jahrhundert aus: Auf fast acht Metern sind Beschäftigungen der höheren Stände zu sehen, wie Brett-Spiele oder Tee-Zeremonien.

 

Zen-Heilige aus wenigen Pinsel-Strichen

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine Rezension der Ausstellung "Ferne Gefährten" über 150 Jahre deutsch-japanische Beziehungen in den Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim

 

und hier eine Lobeshymne auf die grandiose "Hokusai-Retrospektive" im Martin-Gropius-Bau, Berlin

 

und hier einen Bericht zur Ausstellung "Positionen" über japanische Holzschnitte im 20. Jahrhundert im Völkerkundemuseum München

 

und hier einen Beitrag über die Ausstellung "Der chinesische Lustgarten" über erotische Kunst aus China im Museum für Asiatische Kunst, Berlin

Während solche Leporellos vor Einzelheiten fast überborden, kultiviert die Tusche-Malerei im chinesischen Stil (kanga) den Gegensatz von Leere und vereinzelten Motiven; sie werden häufig nur mit wenigen Strichen skizziert. So im Fächerbild «Landschaft mit zwei Personen» von Kenkô Shôkei aus dem späten 15. Jahrhundert: Rechts dominiert das Bild ein Felsen, aus dem ein zerzauster Baum wächst – in dieser monumentalen Natur-Ansicht verschwinden fast die beiden Gestalten auf der Brücke.

 

Eine spezielle Spielart der Tusche-Malerei sind zen-buddhistische Figuren-Darstellungen: Oft werden sie auf das Knappste reduziert. Wenige Umrisse und Akzente genügen, um Silhouette und Profil eines Heiligen oder Gelehrten entstehen zu lassen. Diese Tradition verband sich im 18. Jahrhundert mit westlichen Einflüssen: Als 1720 das Import-Verbot für ausländische Bücher gelockert wurde, sahen japanische Künstler erstmals Perspektiv-Darstellungen.

 

Zarte Lavierungen erzeugen Volumen

 

Nun erzeugten sie mit Binnen-Schattierungen ebenfalls die Illusion eines dreidimensionalen Raumes. Ein hervorragendes Beispiel ist das «Porträt eines Samurai», das Tsubaki Chinzan Mitte des 19. Jahrhunderts schuf: Ihm genügen zarte Lavierungen, um den Gewand-Falten Volumen zu geben. Dennoch bleibt das Bild mit starker Betonung von Umriss-Linien der herkömmlichen Nihonga-Malerei verhaftet.

 

So bietet der Rundgang einen Schnelldurchlauf durch ein halbes Jahrtausend japanischer Kunst. Anhand von makellosen Meisterwerken – rascher und schöner kann man die Entwicklung dieser einzigartigen Malerei nicht kennen lernen.