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Margaret Bourke-White: US-Präsident Franklin D. Roosevelt und Ehefrau Eleanor, 1938; © VG Bild-Kunst. Foto: Martin-Gropius-Bau Berlin

Margaret Bourke-White: Fotografien 1930 bis 1945


Die erste Frau, die für das Life-Magazin und in der Sowjetunion fotografierte: Bourke-White war eine Pionierin in der Männer-Domäne Bild-Reportage. Der Martin-Gropius-Bau zeigt einen umfassenden Überblick über ihr vielfältiges Werk.


Die US-Amerikanerin Margaret Bourke-White (1904-1971) war langjährige Fotoreporterin des Life-Magazins und äußerst vielseitig. Ob Industrie-Architektur, Porträts oder Kriegs-Reportagen: Sie fotografierte alles mit demselben hohen ästhetischen Anspruch. 

 

Info

Margaret Bourke-White: 
Fotografien 1930 bis 1945

 

18.01.2013 – 14.04.2013
täglich außer dienstags 
10-19 Uhr 
im Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Berlin

 

Katalog 29 €
(in englischer Sprache) 

 

Weitere Informationen

In der männerdominierten Welt des Foto-Journalismus war sie bereits in den 1930er Jahren ein Medienstar – als Pionierin eines neuen Frauenbildes. Die Ausstellung von rund 150 Aufnahmen im Martin-Gropius-Bau zeigt Bourke-Whites‘ Werk in chronologischer Folge; allerdings fehlt die letzte Schaffensperiode nach dem Zweiten Weltkrieg

 

Debüt in Stahlwerken von Cleveland

 

Von den Eltern ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen, studierte Bourke-White biologische Fächer, entwickelte jedoch gleichzeitig ein lebhaftes Interesse an der Fotografie. Fasziniert von Welt der Technik, betätigt sie sich nach dem Studium als Architektur-Fotografin; mit ihren Bildern der Stahlwerke von Cleveland erlangt sie schnell großes Renommee.

Interview mit MGB-Direktor Gereon Sievernich + Impressionen der Ausstellung; © "City ilike"


 

Missverhältnis von Maschine + Mensch

 

Ihre Industrie-Fotografien, die der jungen Fotografin die Tür in den Foto-Journalismus öffnen, künden von früher Meisterschaft in diesem Medium. Bauten und Maschinen nimmt Bourke-White betont ästhetisch im Stil der Neuen Sachlichkeit auf; dabei überhöht sie feierlich die abgebildeten Gegenstände. 

 

Auffallend sind dabei die verschiedenen Proportionen von Maschine und Mensch: Die Maschinen rücken in imposanter Größe ins Zentrum der Aufnahmen, den Menschen bleiben nur winzige Randpositionen. Dieses Missverhältnis ist keineswegs negativ konnotiert, im Gegenteil: Daraus spricht eine geradezu kultische Verehrung, die der neuen Technik allgemein entgegengebracht wurde. 

 

Porträt von Stalins alter Mutter

 

Mit 25 Jahren wird Bourke-White vom Henry Louce, Herausgeber des Magazins Time, als erste und lange Zeit auch einzige Fotografin für sein neues Magazin Fortune engagiert. Ab 1936 arbeitet sie viele Jahre lang als Fotoreporterin für Life und unternimmt im Auftrag der Illustrierten ausgedehnte Reportage-Reisen in zahlreiche europäische Länder. 

 

Bereits als junge Frau hat die ehrgeizige Fotografin nach eigenen Worten das «unstillbare Verlangen, zur Stelle zu sein, wenn Geschichte geschrieben wurde». 1930 darf sie als erste westliche Fotoreporterin in die Sowjetunion reisen: Dort spürt sie Stalins alte Mutter in Georgien auf, um sie abzulichten.

 

Ausstellung thematisiert Bezüge kaum

 

Anders als in der Frühphase ihres Schaffens stehen auf den Bildern aus der Sowjetunion nicht Maschinen im Zentrum, sondern die an ihnen hantierenden Menschen. Emblematisch dafür ist das Foto jenes muskulösen Arbeiters auf dem Generatoren-Gehäuse des Dnjeprostroj-Wasserkraftwerks, das auch als Plakatmotiv dient.

 

Es wirkt wie ein visuelles Echo auf das heroische Menschenbild, das in der stalinistischen Kultur gepflegt – und von sowjetischen Künstlern gefordert – wurde. Leider werden diese ästhetisch-gesellschaftlichen Bezüge in der Ausstellung, die inhaltlich allein der Biographie der Künstlerin folgt, kaum bis gar nicht thematisiert. 

 

Fotos vom Bombardement des Kreml

 

1938 reist Bourke-White nach Mitteleuropa. In ihren Berichten, zu denen sie die Texte oft selbst schreibt, dokumentiert sie die Sudeten-Krise in der Tschechoslowakei und den sich verschärfenden Antisemitismus: Fotografien von faschistischen Aufmärschen und fanatischen Anhängern kontrastiert die Schau mit Bildern des traditionellen Lebens osteuropäischer Juden, etwa in Talmud-Schulen.

 

1941 kehrt Bourke-White in die Sowjetunion zurück. Als die Wehrmacht einfällt, ist sie die einzige westliche Foto-Reporterin in Moskau. Am 19. Juli nimmt sie vom Dach der US-Botschaft aus das nächtliche Bombardement des Kreml auf: Seine Silhouette wird von Scheinwerfern der Luftabwehr und Leuchtspur-Munition beleuchtet.

 

Größtmögliche ästhetische Wirkung

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine Rezension der Ausstellung „True Stories – Amerikanische
Fotografie aus der Sammlung Moderne Kunst
“ in der Pinakothek der Moderne, München

 

und hier eine Besprechung der Ausstellung
Henri Cartier-Bresson: 
Die Geometrie des Augenblicks
“ im Kunstmuseum Wolfsburg

 

sowie hier Eindrücke der Ausstellung „André Kertész – Fotografien“ im Martin-Gropius-Bau, Berlin.

Wenige Tage später darf sie Stalin persönlich porträtieren. Er gibt sich während der Sitzung äußerst unwirsch, doch sie erhascht zufällig einen Augenblick, als er lächelt. Der milde großväterlich wirkende Josip Wissarionowitsch ziert im März 1943 das Titelblatt von Life: Es soll den Lesern ein freundliches Bild des Diktators vermitteln, der in dieser Phase der wichtigste Alliierte der USA ist.

 

Zugleich belegt diese Aufnahme, wie Bourke-White bei wirklich jedem Motiv nach größtmöglicher ästhetischer Wirkung strebte – ganz egal, was es zeigte. Falls die Amerikanerin noch andere Kriterien berücksichtigt hat, erfährt man in der Ausstellung darüber wenig.

 

Fotos als Zeitzeugnisse

 

Doch Bourke-White war keine unabhängige Künstlerin: Ihre Bild-Berichte während des Krieges verbreiteten patriotische Botschaften. Auch ihre übrigen Reportagen für mehrere der auflagenstärksten US-Illustrierten haben die öffentliche Meinung stark mitgeprägt: Sie sind Zeitzeugnisse. In jedem Fall wirken diese Bilder noch nach Jahrzehnten so stark, dass sie ihre Fragen gleichsam von selbst stellen.

 


Von Katharina Granzin, veröffentlicht am 26.02.2013





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