Berlin

Wiedereröffnung des Museums Berggruen

Pablo Picasso: Tanzende Silene, 1933; Gouache und Tusche auf Papier, 34 x 45 cm. Foto: © Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2013 / bpk / Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Museum Berggruen

Alles gleichzeitig können

 

Anfang der 1920er Jahre wendet sich Picasso einem sachlichen Neoklassizimus mit Strandszenen und rundlichen Aktdarstellungen zu. Bevor ihm diese zu gefällig werden, zerlegt er die Formen wieder, entdeckt den Surrealismus und komponiert Bilder von einer Formvielfalt, die unter dem Eindruck des Totalitarismus in Europa immer aggressiver wird.

 

In den 1940er Jahren etabliert sich Picasso dann als Universal-Künstler, der alles kann und vor allem alles gleichzeitig, der sich selbst stilisiert, aber immer wieder vor den Einschränkungen des eigenen Ruhms zu flüchten versteht. Berggruens zweiter Liebling, auf dessen Werk sich seine Sammlung stützt, wird im zweiten Haus gezeigt.

 

Klee in karg-kleinen Kommandantur-Räumen

 

Paul Klee war ein Zeitgenosse Picassos; doch seine Kunst ist subtiler, philosophischer, mit Ausschlägen ins Esoterische. Beide Künstler sind sich nur einmal begegnet. Sie haben sich allerdings gegenseitig geachtet und geschätzt. Im Museum Berggruen werden sie aber auch als Gegenspieler präsentiert.

 

Während sich Picasso voller Energie im Stüler-Bau breitmacht, muss Klee mit den karg-kleinen Räumen der Kommandantur Vorlieb nehmen. Dafür wird er im Kontext von Henri Matisse und Paul Cezanne sowie weiteren Skulpturen von Giacometti gezeigt.

 

Unterschiedliche Sammel-Strategien

 

Hintergrund

Lesen Sie hier einen Beitrag zur Ausstellung “1912 – Mission Moderne” über die berühmte Sonderbund- Schau im Wallraf-Richartz-Museum, Köln

 

und hier eine Besprechung der Ausstellung „Léger – Laurens: Tête-à-tête„, eine Gegenüberstellung der Werke von Fernand Léger + Henri Laurens im Museum Frieder Burda, Baden-Baden

 

und hier einen Bericht über die Wiedereröffnung der Neuen Galerie in Kassel für Kunst des 19. + 20. Jahrhunderts.

Heinz Berggruen hat Klee und Picasso auch völlig unterschiedlich gesammelt: Picasso hat er chronologisch über viele Jahrzehnte verfolgt, bei Klee setzte er den Akzent auf seine Arbeiten aus den 1920er Jahren. Dieser intim-persönliche Charakter wird bei der Neupräsentation seiner Privatsammlung bewahrt.

 

Die Nationalgalerie tut gut daran – bei aller Abhängigkeit von der Generosität der vielen Privatsammler und Dauerleihgeber –, nicht zu vergessen, dass auch mit diesen Werken aktiv gearbeitet werden muss. Nur so können die Museen lebendig bleiben und ihrem Anspruch als wissenschaftliche Forschungs-Einrichtungen gerecht werden. Ein Anfang ist im Museum Berggruen gemacht.

 

Sonderschau über Gaukler + Clowns

 

Beim Umbau wurden Räume für Wechselausstellungen eingerichtet. Eine Schau in zwei Kabinetten beschäftigt sich mit dem Thema Zirkus: Gaukler, Narren und Clowns tauchen sowohl im Werk von Picasso wie von Klee auf. Im Kontrast mit historischen Grafiken wie einer Serie des Rokoko-Malers Antoine Watteau stellt sich die einzigartige Sammlung von Heinz Berggruen nun der Auseinandersetzung mit den Beständen der Nationalgalerie.

 

NB: Seit dem 28.10.2013 ist der Erweiterungsbau geschlossen und wird wegen Schimmelbefall im Dachboden bis Ende 2014 saniert. Die Hauptwerke von Paul Klee und Henri Matisse aus der Kommandantur werden ab dem 05.12. im Stüler-Bau gezeigt.