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Der Führer-Nachfolger Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier). Foto: © Splendid Film, 2018

Iron Sky 2: The Coming Race


(Kinostart: 21.3.) Endkampf gegen Echsen: Regisseur Timo Vuorensola landete 2012 mit seiner überdrehten Nazi-SciFi-Trash-Komödie einen Überraschungserfolg. Die Fortsetzung wirkt fad – Kultfilm-Status durch unfreiwillige Komik lässt sich nicht erzwingen.


Der finnische Regisseur Timo Vuorensola weiß genau, wie man potentielles Kinopublikum auf die Folter spannt. 2012 machte seine gut platzierte Online-Kampagne mit witzigen Trailern neugierig auf die Nazi-SciFi-Trash-Komödie "Iron Sky"; damit gelang ihm, zehn bis 15 Prozent des Budgets von 7,5 Millionen Euro per Crowdfunding einzutreiben. Zudem erlebte der Film seine Premiere auf der Berlinale.

 

Info

 

Iron Sky 2:
The Coming Race

 

Regie: Timo Vuorensola,

90 Min., Belgien/ Finnland/ Deutschland 2019;

mit: Udo Kier, Julia Dietze, Lara Rossi

 

Website zum Film

 

Schon damals kündigte Vuorensola eine Fortsetzung an. Die ließ aber sieben Jahre auf sich warten – zu lange, wie sich jetzt zeigt. Zwar zieht das Marketing abermals alle Register, doch "Iron Sky 2: The Coming Race" reicht in Sachen Witz und Absurdität nicht an den Vorgängerfilm heran; der hatte auch schon manche Längen.

 

Hunger in der Mondbasis

 

Die Story beginnt zwanzig Jahre nach dem ersten Teil. Nach einem Atomkrieg mit den Mond-Nazis ist die Erde unbewohnbar geworden; die wenigen Überlebenden haben sich in eine alte NS-Basisstation auf der dunklen Seite des Mondes zurückgezogen. Dort werden langsam die Vorräte knapp. Bald werden die letzten Menschen verhungern, falls nicht die altersschwache Mondbasis ohnehin schon vorher auseinander bricht. Nur ein paar Aufrechte wehren sich dagegen; darunter Obi Washington (Lara Rossi), die Tochter von Renate Richter und James Washington, dem Liebespaar im ersten Teil.

Offizieller Filmtrailer

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Nokia-Mobiltelefon rettet die Welt

 

Ein Raumschiff von der Erde bringt neue Hoffnung, denn es transportiert kostbare Fracht: eine Karte zum Eingang ins Innere der Erde. Dort leben Reptilmenschen in Saus und Braus, die in ihrer Tarnung als Präsidenten und Diktatoren seit Jahrhunderten die Geschicke des Planeten lenken. Hier winkt Rettung – also machen sich Obi, ihr Kleiderschrank von Kumpel Malcolm (Kit Dale) und der russische Ingenieur Sasha (Vladimir Burlakov) auf, das Erdinnere zu erobern.

 

Dieser Plot ist weder neu noch überraschend; er variiert nur altbekannte SciFi- und Western-Motive. Zudem verschießt der Regisseur bereits in den ersten fünf Minuten sein kreatives Pulver. Zwar gibt es ein paar hübsche Einfälle: So hat Apple-Mitgründer Steve Jobs eine Sekte hinterlassen, deren Mitglieder in Weiß gekleidet allesamt Apple-Produkten huldigen. Und ein altes Nokia-Mobiltelefon hilft entscheidend bei der Rettung der Welt; es kommt ebenso aus Finnland wie Regisseur Vuorensola und Produzent Tero Kaukomaa.

 

Lieblos halbherziges Drehbuch

 

Doch solche Scherze haben geringe Haltbarkeitsdauer; sie hätten beim ursprünglich geplanten Filmstart 2015 wohl besser gezündet. Auch die Bezüge auf diverse Verschwörungstheorien, etwa die über außerirdische Echsenmenschen, sind nur halbherzig ausgeführt und hinterlassen den Eindruck von liebloser Wurschtigkeit des Drehbuchs.

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Iron Sky" - Nazi-Science-Fiction-Komödie von Timo Vuorensola mit Udo Kier als Hitler-Nachfolger

 

und hier einen Beitrag über den Film "Er ist wieder da" – brillant sarkastische Satire über Hitlers Rückkehr von David Wnendt

 

und hier einen Bericht über den Film "Die Blumen von gestern" - halsbrecherische Tragikomödie über NS-Zeit-Aufarbeitung von Chris Kraus

 

und hier eine Besprechung des Films "Arteholic" - schräge Hommage an Udo Kier als Kunstsüchtigen von Hermann Vaske.

 

So wird dieser Film zum prägnanten Beispiel dafür, dass man Genre-Trash nicht bewusst kreieren oder seinen Erfolg erzwingen kann. Solche Machwerke werden von ihrer Fangemeinde eher geliebt, weil sie unfreiwillig komisch wirken; vor allem durch miserables Schauspiel und miese Spezialeffekte.

 

Saurier-Rennen wie im Sandalenfilm

 

Beides gerät aber in "Iron Sky 2" zu professionell, obwohl die Darsteller bewusst übertreiben und lahm durch die Szenerie stolpern. Man kann dem Film allenfalls zugute halten, er sei eine Verbeugung vor den Pappmaché-Kulissen in geläufigen Genre-Klassikern wie "Plan 9 aus dem Weltall" (1959) oder "Angriff der Killertomaten" (1978).

 

Schlicht dämlich wird es, wenn sich Echsenmenschen wie Stalin, Facebook-Chef Mark Zuckerberg und die US-Rechtsaußen-Politikerin Sarah Palin an einem Abendmahl-Tisch wie von Leonardo da Vinci treffen. Oder im Inneren der Erde ein Saurier-Rennen mit Streitwagen ausgetragen wird – als Referenz an Sandalenfilme der 1960er Jahre. Letztlich ist dieses Sequel nur der missratene Versuch, ein großmäuliges Versprechen einzulösen. Hoffentlich hält sich der Regisseur mit weiteren zurück.



Von Ingrid Beerbaum, veröffentlicht am 18.03.2019





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