Ethan Hawke

Tesla

Nikola Tesla (Ethan Hawke) weckt das Interesse von Anne Morgan (Eve Hewson). Foto: LEONINE Distribution GmbH

(Kinostart: 20.8.) Wie ein Griff in die Steckdose: Das Leben des exzentrischen Elektro-Erfinders Nikola Tesla verfilmt Regisseur Michael Almereyda als wirre Freistil-Übung – bedeutungshuberndes Technik-Geschwafel dürfte alle Nicht-Nerds abschrecken.

Tesla sells: Nicht von ungefähr hat sich der exzentrische Unternehmer Elon Musk 2004 eine Start-UpFirma namens Tesla Motors ausgesucht, um mit ihr im großen Stil Elektroautos zu produzieren. Auch Namenspatron Nikola Tesla (1856-1943) war ein Mann mit großen Plänen – ein ungeheuer kreativer und erfinderischer Visionär, dessen Ideen mitunter ins Phantastische abdrifteten.

 

Info

 

Tesla

 

Regie: Michael Almereyda,

96 Min., USA 2020;

mit: Ethan Hawke, Kyle MacLachlan, Eve Hewson 

 

Weitere Informationen auf Engl.

 

Zur Elektrifizierung der Welt trug der Erfinder des Tesla-Transformators erheblich bei: Damit ließ sich gefährlicher Wechselstrom für den Hausgebrauch nutzbar machen. Die Profite, die mit dieser und seinen übrigen Erfindungen gemacht wurde, strichen allerdings Andere ein.

 

Stromkrieg-Film neu im Kino

 

Von den Mythen und Fakten, die sich um Tesla ranken, erzählen aktuell gleich zwei Filme:  einmal „Edison – Ein Leben voller Licht“, den Alfonso Gomez-Rejon zwar schon 2017 drehte, der hierzulande aber erst jüngst ins Kino kam. Anders als der Titel suggeriert, geht es darin nicht allein um den Erfinder der Glühbirne, sondern um den so genannten „Stromkrieg“ zwischen ihm, seinem anfänglichen Mitarbeiter und späteren Konkurrenten Tesla sowie dem Elektro-Pionier George Westinghouse.


Offizieller Filmtrailer


 

Tesla fasziniert mehr als Edison

 

Und außerdem „Tesla“: Die Filmbiographie von Regisseur Michael Almereyda mit Ethan Hawke in der Hauptrolle steht in Sachen Exzentrik seiner Hauptfigur kaum nach. Zweifellos ist Tesla die ambivalentere und damit auch faszinierendere Figur als der berühmtere Edison; zudem gibt die Lebensgeschichte des serbischen Einwanderers, der 1943 verarmt in einem New Yorker Hotel starb, dramaturgisch mehr her.

 

Das will Almereyda offenbar für sein unkonventionelles Biopic nutzen; damit scheitert er allerdings weitgehend. Wobei der Regisseur durchaus Erfahrung mit verfilmten Biographien hat. So beschäftigte er sich 2015 in „Experimenter“ mit dem umstrittenen Sozialpsychologen Stanley Milgram; auf ihn geht etwa die „Kleine Welt“-These zurück, dass jeder Mensch über fünf oder sechs Zwischenstationen Kontakt zu jedem anderen Menschen hat.

 

Google-Einträge als Ruhm-Index

 

„Tesla“ wird von Anne (Eve Hewson) erzählt, der charmanten und cleveren Tochter des Bankiers J.P. Morgan, der auch Tesla finanzierte; zugleich ist sie so etwas wie die Beinahe-Freundin des weltfremden, wenig geschäftstüchtigen Erfinders. Anne führt nicht nur durch das Geschehen, sondern durchbricht dabei oft die Vierte Wand, wendet sich also direkt an den Zuschauer.

 

Zu Beginn klappt Anne ihren Laptop auf und rechnet vor, dass Google nur halb so viele Einträge über Tesla wie über Edison verzeichnet. Laptop und Google? Auch das gibt es in diesem Film, der um 1900 spielt; neben Rollschuhen, basslastiger Clubmusik und etlichem Zeitgenössischen mehr. An historischer Faktentreue liegt Regisseur Almereyda offenbar nicht. Ein grundsätzlich sympathischer Ansatz; biedere Kostümfilm-Biopics gibt es schließlich zuhauf.

 

Blitze mit Käfig einfangen

 

Anschließend hangelt sich der Film chronologisch durch Stationen im Leben des Erfinders; dabei werden vor allem die zwei Jahrzehnte ab 1884 beleuchtet, nachdem Tesla mit 27 Jahren in die USA eingewandert war. Er wirft ein Schlaglicht auf seine Arbeit für Edison (Kyle MacLachlan), mit dem Tesla sich bald überwarf, zeigt seine Forschungen in Colorado, wo er ab 1899 ein großes Labor aufbaute, und die oft verzweifelten Versuche, seine ambitionierten Projekte zu finanzieren. Dramatisch in Szene gesetzt werden seine Versuche, mithilfe eines Faradayschen Käfigs Gewitterblitze einzufangen.

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films „Edison – Ein Leben voller Licht“fesselndes Biopic über Thomas Alva Edison von Alfonso Gomez-Rejon

 

und hier einen Bericht über den Film „Marie Curie – Elemente des Lebens“ – facettenreiches Biopic über die zweifache Nobelpreisträgerin von Marjane Satrapi

 

und hier einen Beitrag über den Film „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ – erhellendes Biopic über den Physiker Stephen Hawking von James Marsh

 

Oft bleibt unklar, ob die Filmbilder wirkliche oder zumindest vermutete Ereignisse darstellen oder einfach nur Teslas rege Phantasie abbilden sollen. Trotz dieses assoziativen Ansatzes erfährt man wenig über das, was den Erfinder beschäftigt hat. Ideen sind nicht zu Ende gedacht, Szenen brechen unvermittelt ab. Statt dessen strotzt der Film vor bedeutungsschwerem Geschwurbel und technischen Ausführungen; ihnen dürften diejenigen Zuschauer kaum folgen können, die früher im Physikunterricht Löcher in die Luft gestarrt haben – wie es Ethan Hawkes hier dauernd tut.

 

Warum scheiterte Tesla finanziell?

 

Obwohl Tesla große Visionen hatte, schlitterte er offenbar eher planlos durchs Leben; dafür sind die erwähnten Rollschuhe eine recht plumpe Metapher. Dieser oft surreal wirkende Film ergibt trotz einiger stimmiger Momente und guten Schauspielern kein schlüssiges Ganzes.

 

Am Ende konstatiert Anne: „Vielleicht ist die Welt, in der wir leben, diejenige, die Tesla als erster erträumt hat.“ Warum es Tesla trotz seines Einfallsreichtums nicht gelang, aus seinen Innovationen materiellen Gewinn zu schlagen, erfährt man aus diesem ambitionierten, aber wirren Film leider nicht.